17.01.2013

Der Branichtunnel hat eine weitere Baustelle

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Um es salopp zu sagen: Die Erbauer des Branichtunnels geben Gas. Seit Ende vergangener Woche arbeiten die Mineure der Firma Züblin im Berg gleich an drei Stellen: Rund 1040 Meter weit im Branich wird die Kalotte, also quasi das Gewölbe des späteren Tunnels, im Sprengvortrieb mit bis zu drei Detonationen pro Tag vorangebracht. Nebenan ist der Fluchtstollen schon 925 Meter lang, und auch hier geht es täglich mit zwei Sprengungen Stück für Stück weiter. Neu ist, dass Züblin nun auch schon damit begonnen hat, vom Westportal her die Strosse aus dem Berg zu sprengen, also das untere Drittel des 90 Quadratmeter großen Tunnelquerschnitts.

"Züblin will schnell sein", sagt Ralph Eckerle, der Bauleiter des Branichtunnels vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP). Eckerle hat nichts dagegen: "Es ist ein Versuch, parallel zu arbeiten." Der Ingenieur will sich nicht festlegen, wie lange Züblin den neuen Arbeitsablauf testet - in der Pressemitteilung des RP vom letzten Freitag war noch von zwei Wochen die Rede gewesen. Man müsse abwarten, so Eckerle. Denn ganz so unproblematisch ist die Sache für die Bergleute nicht.

Bisher wollten die Tunnelbauer erst den oberen Teil komplett durch den Granit treiben und dann vom Ost- zum Westportal hin den unteren Teil sprengen. Durch ihre neue Strategie, Kalotte und Strosse zeitlich parallel zu sprengen, tut sich von Westen her nach 60 Metern in der Tunnelröhre nun eine mehrere Meter hohe Abbruchkante auf - wie eine Wand. Die lange Rampe aus Erde und Gestein, über die die Bürger noch beim Tag der offenen Tür im Oktober "hinauf" ins Innere des Tunnels gehen konnten, ist weg. Über diese Rampe fuhren die Lastwagen bislang auch den gesprengten Fels von der Ortsbrust ins Freie. Doch nun ist hier nur noch die Strosse. Kein Weiterkommen also für die Lkw an der Kante.

Daher muss das Material der Kalottensprengungen im Inneren des Bergs zurzeit in der westlichen Pannenbucht zwischengelagert werden: "Am Samstagnachmittag und Sonntag darf ja nicht gesprengt werden", so Eckerle. Also werde die Zeit genutzt, an der Strosse erneut eine Rampe herzustellen, über die der zwischengelagerte Granit abtransportiert wird. Danach kommt die Rampe wieder weg, damit montags auch die Sprengungen an der Strosse fortgesetzt werden können - mit drei Ladungen pro Tag. Alles in allem ein aufwändiges Verfahren. Beim unteren Teil des Tunnelquerschnitts wird die Wand nach jeder Sprengung ebenfalls mit Spritzbeton gesichert. Statische Wirkung hat dieser jedoch später nicht mehr, sondern die 40 Zentimeter dicke Tunnelwand aus Beton. Diese wird beim Ausbau des Tunnels mit Hilfe eines sogenannten Schalwagens eingebaut, eines röhrenartigen Ungetüms, das auf Schienen millimetergenau durch den Branich geführt werden soll - zwölf Meter pro Tag und in 130 Abschnitten.

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Während es zurzeit im Berg vorangeht, betonieren die Arbeiter am Ostportal die Bodenplatte für jenen Teil des Tunnels, der in offener Bauweise außerhalb des Berges hergestellt wird. Fertig ist zudem die Grube für das Gebäude am sogenannten "Notausgang fünf" an der Talstraße auf Höhe von Kling-Malz. An der Baustelle hatte im vergangenen November eine Ampel den Verkehr einspurig geregelt. So kam es an den engsten Stellen der Ortsdurchfahrt kaum zu Begegnungsverkehr, was Bürgermeister Hansjörg Höfer wohl so gut gefiel, dass er die Ampel gerne noch etwas länger stehen gelassen hätte, wie Eckerle schmunzelnd erzählt. Jedenfalls bekommt der "Notausgang fünf" einen eigenen, über 109 Meter langen Fluchtstollen mit einer Steigung zur Talstraße von gut fünf Prozent. Dieser wird in den Berg gesprengt, wenn die Mineure mit dem Tunnel am geplanten Abzweig angekommen sind. Bis dahin dauert es aber noch. Momentan stehen sie kurz vor der zweiten Pannenbucht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung