18.07.2013

"Lärm" machte nur ein Lamm

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim-Ursenbach. "Wir stehen erst ganz am Anfang eines langen Weges", bemerkte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Er meinte den Lärmaktionsplan, dessen Aufstellung der Gemeinderat gestern Abend einstimmig beschloss. Auf der Grundlage von EU- Recht soll eine Lärmkarte erstellt werden. Sie erfasst die Lärmquellen in einem bestimmten Gebiet, außerdem die von ihnen ausgehenden Belastungen und stellt fest, wie viele Menschen davon betroffen sind.

Die Stadt will, auch das wurde beschlossen, gemeinsam mit den Nachbargemeinden Hirschberg und Dossenheim ein Fachbüro beauftragen, das den Plan erstellt. Voraussichtliche Kosten für die Stadt: 15 500 Euro. Begutachtet werden die Talstraße, das Gebiet um den OEG- Bahnhof und die B 3 und nicht, wie CDU- Stadtrat Michael Mittelstädt nachhakte, auch Altenbach oder das Neubaugebiet Nord nach der Tunnel-Fertigstellung. "Der Plan ist eine Momentaufnahme", erklärte Höfer.

Wenn die Talstraße nach Inbetriebnahme des Tunnels herunter gestuft werde, dann gebe es auch hier wieder Veränderungen. Außerdem sollten nur Straßen mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von mindestens 8200 Autos begutachtet werden.

Grundsätzlich begrüßte Mittelstädt wie auch seine übrigen Ratskollegen die interkommunale Zusammenarbeit: "Das spart Kosten." Als "richtiges und wichtiges Signal" verstand Dr. Barbara Schenk-Zitsch (GL) den Lärmaktionsplan, sei doch Lärm mittlerweile "eine moderne Folter" mit allen bekannten negativen Folgen. Lärm führe zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität, bemerkte FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger und war sich mit Matthias Meffert einig: "Lärm wird von vielen als das Umweltproblem Nummer eins angesehen." Dem Stadtrat der Freien Wähler ging es um eine möglichst frühzeitige Umsetzung von Maßnahmen, aber auch um "Lärmminderung einerseits und rücksichtsvolles Verhalten der Bevölkerung andererseits". Er übte Kritik an dem späten Zeitpunkt der Entscheidung: "Stichtag für die Aufstellung war Mitte Juli, wir sind eigentlich schon zu spät." Nachdem in früheren Jahren nur Großstädte betroffen gewesen seien, sei nicht klar gewesen, dass auch kleinere Städte wie Schriesheim Lärmaktionspläne erstellen müssten, antwortete Höfer. Was ihm im Zusammenhang mit dem Plan noch wichtig war: "Man darf niemandem etwas vormachen: Wenn der Lärmaktionsplan aufgestellt ist, ist damit noch keine Maßnahme umgesetzt." Am Ende des "langen Weges" sehe er deshalb auch "kurzfristig keinen Lärmschutzwall entlang der A 5". Man dürfe keine Wunderdinge von dem Plan erwarten, hoffte SPD-Stadtrat Sebastian Cuny nichtsdestotrotz auf "kreative und kostengünstige Vorschläge der Experten". Was ihn an diesem Abend wunderte: "Dass wir uns ausgerechnet in Ursenbach mit Lärm beschäftigen".

Der Stadtrat tagte nämlich gestern im kleinsten Ortsteil. Abgesehen von ein paar Autos und einem Traktor kam der einzige "Lärm" von einem Lamm, das im Nachbargarten blökte.

Lärmquellen gibt es in Ursenbach auch rund um das Feuerwehrgerätehaus eher wenige, dafür umso mehr in Schriesheim. Der Lärmaktionsplan erfasst sie, ebenso die daraus folgenden Belastungen und die Zahl der davon betroffenen Bürger. Foto: Dorn

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"Lärm" machte nur ein Lamm -2

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung