02.08.2013

Bergleute schafften Durchbruch am Ostportal

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Es war der große Augenblick, auf den alle gewartet hatten. Gebannt schauten die etwa 200 Ehrengäste vor und die vielen Hundert Bürger hinter dem Zaun auf die Tunnelwand am Ostportal, aus der ein großes Bohrgerät von innen fein säuberlich eine etwa zwei auf zwei Meter große Öffnung herausstemmte. Zwar hatten die Bergmänner schon am vergangenen Freitag den Durchbruch geschafft und das Loch danach fein säuberlich wieder zubetoniert. Aber dieser Tunneldurchstich gestern im ganz offiziellen Rahmen, er zog alle in seinen Bann. Ein Tag zum Feiern war es für die Schriesheimer. Nach 18 Monaten sind die Bergleute am anderen Ende des Tunnels angekommen und sahen nach 1596 Metern Sprengvortrieb im Branich wieder Licht.

Bürgermeister Hansjörg Höfer sprach von einem emotionalen, einem symbolisch wichtigen Tag. Verkehrsstaatssekretärin Gisela Splett, die im Februar 2012 schon beim Anstich am Westportal dabei gewesen war, nannte den Tunneldurchstich einen "Meilenstein" im Bau der neuen Ortsumgehung, und Vizeregierungspräsidentin Gabriela Mühlstädt-Grimm wünschte den Bürgern einen "unvergesslichen Tag", den Carsten Flender von der Baufirma Züblin zum "Fest der Mineure" erhob. Und das zu recht, hatten sie doch den Tunnel in Tag- und Nachtarbeit in den Berg getrieben, und das "bisher unfallfrei", wie Mühlstädt-Grimm dankbar betonte. Sie lobte Stadt und Bürger für ihre konstruktive Begleitung des Tunnelprojekts und versprach von Seiten ihrer Behörde, auch künftig alles dafür zu tun, dass sich die Belastungen durch die Baustelle möglichst in Grenzen halten. Splett nannte "Offenheit, Bürgernähe und Transparenz" als höchste Ziele im Zuge dieses mit 85 Millionen Euro größten Projekts im Landesstraßenbau, dessen "Schlüsselbauwerk" der Tunnel sei. Splett ging auf die jahrzehntelange Entstehungsgeschichte des Branichtunnels ein, erinnerte an den Spatenstich im November 2008 und an den Tunnelanstich im vergangenen Jahr. Doch bei allem Erinnern fiel der Name von Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister Peter Riehl in keiner Rede, obwohl er es war, der im Amt wie wohl kaum ein anderer für den Tunnel gekämpft hatte. Sein Nachfolger Hansjörg Höfer begrüßte zwar "die beiden Ehrenbürger", namentlich jedoch nur Peter Hartmann. Höfer sagte, die neue Ortsumgehung werde die Aufenthalts- und Wohnqualität in Schriesheim steigern: "Wo gebaut wird, da gibt es Fortschritt". Aber er wisse um die Beeinträchtigten durch den Tunnelbau, nannte Höfer die Branich- und Talstraßenbewohner sowie die "Grawwler". Gleichwohl: Alles verlaufe nach Plan.

Das bestätigte Flender, der auch der Schriesheimer Feuerwehr für ihre fachliche Unterstützung bei der Sicherheitsschulung der Mineure dankte. Und er würdigte den Einsatz der "perfekten Tunnelpatin" Birgit Ibach-Höfer.

Ihre "Patenkinder", die Bergmänner, seien ihr ans Herz gewachsen. Beim Mathaisemarkt, beim Stadtrundgang, bei der Weinwanderung oder bei gemeinsamen Essen habe man sich kennengelernt. Sie dankte den Mineuren für den Tunnel, "den ihr für uns baut". Und das in Tag- und Nachtschichten, hoch konzentriert und trotzdem zügig, immer in Dunkelheit und nur bei künstlichem Licht, wie die Tunnelpatin wusste. Überhaupt habe sie viel über die Arbeit der Tunnelbauer in den letzten eineinhalb Jahren gelernt.

Dass die Mineure ihre Tunnelpatin, die irdische Stellvertreterin der Heiligen Barbara, ebenfalls mögen, zeigte sich nach dem Durchstich. Die Begrüßung war herzlich, und Birgit Ibach-Höfer versprach jedem Mineur einen Korb mit Tunnelbrot, Wurst und einem extra etikettierten Wein. Danach warfen einige Ehrengäste erstmals von Osten her einen Blick in den Tunnel, darunter auch Landrat Stefan Dallinger.

"Die Minöre sind mir ans Herz gewachsen " Helfried Kreiger übergibt die Statue der heiligen Elisabeth an Birgit Ibach-Höfer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung