09.08.2013

So steht′s um den Weinjahrgang 2013

So steht′s um den Weinjahrgang 2013WG-Aufsichtsratschef Winfried Krämer (links) und Geschäftsführer Harald Weiss schauen regelmäßig nach dem Zustand der Weinberge. Fotos (3): Dorn
Von Carsten Blaue

Schriesheim. Die Hagelschäden aus dem Kraichgau hatten sich auch bis zu Harald Weiss, dem Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG), herumgesprochen. Gesagt hat er es beim Rebrundgang mit WG-Aufsichtsratschef Winfried Krämer nicht, aber Weiss dürfte stets in sein Abendgebet einschließen, dass seine Genossenschaftswinzer von solchen Katastrophen verschont bleiben. Diese hatten auch so schon jede Menge Arbeit dieses Jahr. Überhaupt ist es alles nicht ganz so leicht mit dem Jahrgang 2013.

Dass die allermeisten Weinberge, die Krämer und Weiss an diesem Mittag anschauten, bestens gepflegt und gesund aussahen, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dazu einiger Anstrengungen bedurfte.

Die Vegetation ist etwa zehn Tage hintendran, und in Bezug auf die Menge rechnen die beiden Experten im Moment mit zehn Prozent weniger im Schnitt, bei den Burgundersorten können es sogar bis zu 30 Prozent sein: "2012 waren wir zufrieden mit der Menge, aber wir wissen nicht, ob wir das 2013 wieder hinbekommen". Schuld ist wie so oft das Wetter, das sich nicht um Winzerwünsche schert. "Wir hatten wenig Winterfeuchte", fing Krämer am Anfang an. Dann waren die Temperaturen tendenziell zu lange unterdurchschnittlich - samt kurzen Zwischenhochs und Kälteeinbrüchen. Ein Grund für späten Austrieb und Verrieselungen während der Blüte. Der viele Regen im April und Mai war zwar gut, der Boden dabei aber mit elf, zwölf Grad Celsius zu kalt, als dass das Wachstum hätte durchstarten können. Daher könnten auch gerade Junganlagen eigentlich schon weiter sein. Außerdem drohte Staunässe.

Als es dann endlich wärmer wurde, schossen die Temperaturen bald durch die Decke. Der Weinstock macht dann genau das gleiche, wie bei Kälte: Er stellt die Arbeit ein und das Wachstum kommt nicht voran. Krämer, der erfahrene Winzer, brachte es auf den Punkt: "Zu kühl ist nix, zu heiß ist auch nix." Eine gemächliche Reife sei auch besser für die Aromen: "Es ist gar nicht so gut, wenn es immer so runterbrennt." Dass die Winzer auch weiterhin auf der Hut sein müssen in Sachen Pflanzenschutz, demonstrierten Krämer und Weiss in einer mit Oidium und Peronospora befallenen Anlage. Gefahren, mit denen der Winzer jedes Jahr leben muss.

Für ihn geht es beim Pflanzenschutz jetzt auf die Zielgerade vor dem Herbst. Zudem stehen weitere Laubarbeiten an, auch um der Traubenzone das nötige Licht zu geben. Und Querteilen der Trauben kann hier und da auch schon auf dem Arbeitsplan stehen. "Es klingt ja immer abgedroschen, dass wir Klasse statt Masse wollen. Aber wir und unsere Winzer leben eben wirklich danach", so Weiss: "Und über die Jahre sieht man dann, dass weniger meistens mehr ist." Damit kann sich Weiss trösten, sollte der Herbst wirklich nicht so ertragreich ausfallen. Mit dem Start der Lese rechnete der WG-Geschäftsführer noch im September.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung