21.01.2014

Viel Groteskes und ein Geschlechterrollentausch beim "Der Gott des Gemetzels"

Von Laura Geyer

Schriesheim. In der Aula des Kurpfalz-Gymnasiums (KGS) geht es geschäftig zu. Einige Schüler tragen ein Sofa quer durch den Raum, andere rollen einen roten Teppich vor der Bühne aus. Es ist das letzte Wochenende vor der Aufführung, und die Theater-AG nutzt die Zeit zum Proben.

Auf dem Programm steht "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza, ein skurriles Kammerstück über die Farce der intellektuellen Zivilisiertheit: Zwei Ehepaare treffen aufeinander, nachdem der eine Sohn dem anderen zwei Zähne ausgeschlagen hat. Man will keine große Sache daraus machen, schließlich beherrscht man, im Gegensatz zu den pubertierenden Jungs, "die Kunst des zivilisierten Umgangs".

"Es ist alles ein bisschen grotesk"

Doch die bürgerliche Fassade bricht mehr und mehr auf. "Sie fangen an, über die idiotischsten Themen zu streiten, zum Beispiel einen Hamster", erklärt Nina Kreutzer, die Véronique, die Mutter des geschädigten Bruno, spielt.

Im Unterschied zu Roman Polanskis Verfilmung des Dramas, in der nur die zwei Paare auftreten, wollten die Leiterinnen der Theater-AG, Alexandra Eschmann, Jasmine Ziegler und Carolin Julier, mehr Rollen besetzen. Deshalb stehen auch die beiden Söhne und eine Haushälterin auf der Bühne. Ein besonderer Schachzug ist die "Spiegelung" der vier Protagonisten in den unterschiedlichen Räumen der Kulisse. Die elf Schüler aus den Jahrgangsstufen zehn bis zwölf wirken gut eingespielt, obwohl die meisten neu in der Theater-AG sind. Alexandra Eschmann: "Letzte Woche haben wir drei Tage lang im Landschulheim durchgeprobt. Dadurch nahm das Stück Form an." Das Hauptgeschehen der Geschichte konzentriert sich auf das Wohnzimmer von Véronique und Michel Houillé (gespielt von Liza Schäfer), in dem sie Ferdinands Eltern Annette und Alain Reille (Janina Haring und Chiara Lange) empfangen. Chiara Lange fand es anfangs "komisch", eine Männerrolle zu spielen; "Jetzt sehe ich es als Herausforderung." Liza Schäfer findet inzwischen, dass ihre Rolle "die witzigste" ist. Vor der Bühne spürt man förmlich die Spannung, die sich zwischen den Elternpaaren am Wohnzimmertisch aufbaut. Der servierte Whisky tut sein Übriges dazu, dass einer nach dem anderen die mühevoll aufrechterhaltene Beherrschung verliert.

Das zivilisierte Verhalten eskaliert in einen grotesken Kleinkrieg, der letztendlich nicht mehr weit entfernt ist von der Prügelei der Söhne. Nina Kreutzer: "Es ist einfach alles ein bisschen grotesk." Da landet das Handy des dauertelefonierenden Alain in der Tulpenvase, und Annette erbricht sich über den wertvollen Kunstbänden der Gastgeberin. Am Schluss artet das Versöhnungstreffen im totalen Chaos aus - Genaueres wollen die Schülerinnen nicht verraten. Bis dahin liegt aber noch viel Arbeit vor der Theater-AG. "Die Woche vor der Aufführung ist am schönsten", freut sich Chiara Lange, "da wächst das Stück jeden Tag."

Fi Info: "Der Gott des Gemetzels" wird am Freitag und Samstag, 24. und 25. Januar, jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des KGS aufgeführt.
Die Schüler der Theater-AG proben intensiv für die Aufführungen am kommenden Wochenende. Das Bühnenbild müssen sie nach jeder Probe räumen, um nicht den Pausenbetrieb in der Aula zu stören. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung