13.02.2014

Alkohol- und Gewaltprobleme auf dem Mathaisemarkt: Prävention soll mehr sein als ein Wort

Im Sicherheitskonzept von Stadt, Schulen und Polizei sind unter anderem Kontrollen und Aufklärungsschreiben an 80 Schulen inbegriffen.

Schriesheim. (cab) Bei aller Vorfreude auf den Mathaisemarkt bei den Machern des Festes durfte in der Marktausschusssitzung auch ein anderes Thema nicht fehlen: "Wir haben erstmals mit den Schulen und der Polizei ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet", sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer und stellte gemeinsam mit Dominik Morast die geplanten Schritte und das, was bislang geschah, vor.
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Polizist Bernd Hegmann vom Posten Schriesheim erinnerte an die Vorgeschichte: "Wir haben im vergangenen Jahr ein großes Fass aufgemacht und mussten daraufhin auch liefern." Sprich: In der Bilanz des letztjährigen Mathaisemarkts hatte die Polizei deutlich auf die Probleme im Zusammenhang mit Alkohol und Gewalt hingewiesen und präventive Maßnahmen empfohlen. Vor allem Sabine Müller, die seinerzeit noch als Schriesheims kommissarische Postenleiterin fungierte, und der ehemalige Weinheimer Revierleiter Helfrich hatten die Missstände deutlich benannt.

Am Dienstag sagte Hegmann im Ausschuss, die Polizei werde dieses Jahr gerade an den Wochenenden in gleicher Stärke antreten wie zuletzt auch. Darüber hinaus gebe es Kontrollen bei allen Veranstaltungen, und die Beamten würden "massiv" gegen Betrunkene vorgehen. Zudem habe es für eine Straußwirtschaft "Auflagen" gegeben. Der Name Wehweck fiel im Marktausschuss kein einziges Mal. Doch wer den Mathaisemarkt und die Menschentrauben auf der Talstraße kennt, der weiß, dass nur Karl-Heinz Wehweck gemeint gewesen sein konnte. Dieser räumte auf Anfrage ein, dass es ein Gespräch im Rathaus gab.

Die Kritik: Bei ihm hört der Ausschank erst auf, wenn Beamte in Uniform dastehen. Und eigentlich wollte die Polizei daher auch, dass die Sperrzeit in den Straußwirtschaften künftig nicht erst wie bisher um 2 Uhr, sondern schon eine Stunde früher beginnt. Doch dieses Jahr bleibt erst mal noch alles so, wie immer. Dazu Morast ohne Namen zu nennen: "Wir haben das Versprechen, dass es besser läuft." Wehweck bestätigte: "Wir hören dieses Jahr definitiv um 1.45 Uhr auf."

Doch die Kritik wollte er doch nicht so ganz auf sich sitzen lassen: "Ich kann nichts dafür, wenn die Leute alle auf der Straße stehen, nachdem wir zugemacht haben. Ich kann die dort nicht wegbringen und habe für meine Räume und den Hof zu sorgen. Irgendwann ist auch mal Schluss mit der Verantwortung, zumal es die Schlägereien auf dem Festplatz und beim Festzelt gibt, nicht bei uns. Ich will Ruhe und Frieden."

Das will auch die Stadt. Man habe 80 Schulen angeschrieben und zum vernünftigen Umgang mit Alkohol beim Mathaisemarkt aufgerufen, so Morast. In dem Brief habe das Ordnungsamt auch aufgeklärt über Konsequenzen aus dem Jugendschutzgesetz, die sich bei übermäßigem Alkoholkonsum ergeben können. Darüber hinaus habe die Klasse 9 b der Kurpfalz-Realschule einen Anti-Alkohol-Sticker entworfen, der auch in Veröffentlichungen der Stadt zum Mathaisemarkt zur Geltung kommen soll.

Zudem stellen Höfer und der neue Weinheimer Revierleiter Holger Behrendt nächste Woche das Ergebnis des Plakatwettbewerbs vor, den es zu diesem Thema am Schulzentrum gab. Schließlich soll es Ende nächster Woche noch eine Info-Veranstaltung des Jugendgemeinderats (JGR) in Sachen Prävention geben. Für Anselm Löweneck (CDU) war das alles schon fast etwas zu viel: "Also der Mathaisemarkt soll schon noch ein Weinfest bleiben", bezog er sich auf den Antialkohol-Sticker: "Ich will hier kein Limo- und Colafest, und ich will mein Viertele auch nicht mit schlechtem Gewissen trinken."

Das muss man erst recht nicht, wenn man das Auto zu Hause lässt und mit Bus und Bahn zum Mathaisemarkt kommt. Gerade am OEG-Bahnhof und in den Bahnen der Linie 5 würde sich das Personal der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) zeigen, so Höfer: "Die RNV hat bei uns für Veranstaltungen in Mannheim wie den Maimarkt gelernt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung