15.02.2014

Auf der Zehntkellerbaustelle in Schriesheim

"Fertig" ist dieser Tage das Zauberwort auf der Baustelle und bedeutet Überstunden und eine Menge Koordination für Arbeiter und Bauleiter.

Schriesheim. Den Zehntkeller zu betreten ist derzeit nicht so einfach: Laufplanken und Steine dienen als provisorische Unterlage. Im Foyer wird man durch den Ruf eines Handwerkers aufgeschreckt: "Nicht auf die Fliesen treten, die sind frisch gemacht." Also schleicht man sich am Rand entlang und sucht sich ein Plätzchen an der Treppe, von wo aus man den Raum auf sich wirken lassen kann.

"Ich habe es mir genau so vorgestellt, es sollte ein repräsentativer Eingang werden", sagt Stadtbaumeisterin Astrid Fath. Sie meint die Decke im Vorraum, die angehoben wurde, die hellen, an Solnhofer Schiefer erinnernden, 60 mal 60 Zentimeter großen Feinsteinzeugplatten am Boden und die flächige Verglasung, die den Raum trotz des trüben Regenwetters in ein freundliches Licht taucht. Die alten Toilettenanlagen wurden ersetzt, ein Behinderten-WC kam dazu.

Den Lift muss man sich momentan noch dazu- denken, seine Tür soll dem Eingang gegenüber liegen. Nach unten führt die neue, mit Sandstein ausgelegte Treppe, doch der Blick geht zur Decke, wo die Reste eines gewaltigen Bogengewölbes zu sehen sind. "Dass wir einen Teil abgebrochen haben, war gar nicht so einfach. Das gab viele Diskussionen mit dem Denkmalamt", seufzt Fath. Allerdings fehlt nicht viel: Der "Kleine Zehntkeller", der älteste Teil, ist bis auf seinen Eingang erhalten geblieben.

"Hier könnte man einen schönen Probierkeller einrichten, welche Gemeinde in der Umgebung hat schon so etwas", sinniert Architekt Manfred M. Fischer. Über die Gestaltung laufen noch Gespräche mit der Winzergenossenschaft (WG). Neu ist ein Lichtschacht, der zugleich als Rauchabzug verwendet werden kann, ein zweiter ist im ebenerdigen Vorraum. "Wenn sie erst einmal fertig sind, wird es hier drin richtig hell", verspricht Fischer.

"Fertig" ist dieser Tage das Zauberwort auf der Baustelle und bedeutet Überstunden und eine Menge Koordination für Arbeiter und Bauleiter. Denn nicht der 5. März ist das magische Datum, an dem der Keller in Betrieb genommen werden soll, sondern bereits der 21. Februar, wenn die neuen Weinhoheiten vorgestellt werden. Nachdem die erste gelinde Panik darüber abgeflaut war, wurde geplant: WCs und Türen, Lampen, Decken, Treppengeländer und Malerarbeiten sollen bis zum 21. Februar fertig sein, außerdem die Pflasterarbeiten im Eingangsbereich, damit die Gäste trockenen Fußes eintreten können.

Außerdem "passiert" auch etwas im Großen Keller. Das war eigentlich gar nicht vorgesehen, als die Sanierung der maroden Zehntkellerdecke angegangen wurde. Doch jetzt sind zwei der dunklen Deko-Weinfässer verschwunden: ein Gewinn für den Raum. Der Kleine Keller wurde von den alten Theken aus aufgequollenen Sperrholzplatten befreit, und neben der Treppe kann man sich an einem weiteren Detail erfreuen. Das historische Mauerwerk wurde freigelegt, sandgestrahlt und gesäubert. Jetzt sieht man den Bogen des alten Eingangs, der vor Jahrhunderten noch um etliche Meter tiefer lag.

Was die Baukosten angeht, war Fath von Anfang an in Habachtstellung: "Es war klar, dass es da immer Unwägbarkeiten geben kann", sagt sie über das historische Gebäude. 500.000 Euro waren ursprünglich veranschlagt. Wie viel kommt am Ende heraus? Fath will sich noch nicht festlegen, bittet um Geduld und setzt ihre Führung fort zum benachbarten Eingang der WG. Er ist jetzt höher, geeignet für gängige Lkw, außerdem ragt er weiter vor, um die Lagerfläche zu vergrößern.

Nebenan, wo unter der alten Treppe zur Turnhalle einst wahre Schimmelwälder blühten, entsteht ein Sozialraum für die WG-Angestellten, die Decke mit ihren völlig verrosteten Stahlträgern wurde "unterfangen", wie auch ein Kellerraum, aus dem im letzten Jahr riesige Stahltanks entfernt wurden: Eine weitere Überraschung am Bau, die zutage trat, als Wände fielen. Über die neue Treppe kommt man aufs Zehntkellerdach, das nach dem Vorbild großer Hallen wie der SAP-Arena mit zwei Millimeter dicker Folie ausgelegt wurde.

Durch die Lichtschächte und das höhere Eingangsdach wirkt dort oben alles etwas verschachtelt, doch bei der endgültigen Gestaltung soll aus der Not eine Tugend gemacht werden: Grasflächen und ein kleiner Platz sollen das Dach gliedern, Wege zu den Eingangstüren der Strahlenberger Grundschule führen. Doch das ist später dran, einschließlich der 18-Zentimeter-Dämmung und der Entscheidung über die Fassadenfarbe. Denn vorher wird auf das nächste Ziel hingearbeitet: auf den Beginn des Mathaisemarkts.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung