08.03.2014

Lena I. trägt die Krone im Schriesheimer Jubiläumsjahr

Der 435. Mathaisemarkt wurde eröffnet: Ein wunderbarer Krönungsabend im Zeichen der neuen Weinhoheiten und des Stadtjubiläums

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Mit der Krönung von Weinkönigin Lena Merkel und ihrer Weinprinzessinnen Stefanie Keller und Hannah Türk begann gestern Abend im proppenvollen Festzelt der 435. Mathaisemarkt. Viele Gäste mussten stehen. Und schon die Choreografie und die Ausgestaltung des stimmungsvollen Eröffnungsabends wies darauf hin, dass Lena, Stefanie und Hannah "Jubiläumsweinhoheiten" sind - steht das große Weinfest doch im Zeichen der 1250-Jahrfeier Schriesheims. Es war ein Abend der Überraschungen und gerade auch der musikalischen Vielfalt.

Hatte das Schriesheimer Stadtorchester auf den Abend eingestimmt, so spielten zum Auftakt die Jagdhornbläser - bestens in Bild und Ton in Szene gesetzt. Doch trotz aller technischer Raffinessen, die ein zeitgemäßer Krönungsabend verlangt: Traditionen wie der Auftritt der Volkstanzgruppe des MGV Eintracht sowie des Sing- und Volkstanzkreises Leutershausen mit Ex-Hoheit Sandra Rell unter der Leitung von Jürgen Gustke bleiben bestehen. Bürgermeister Hansjörg Höfer und Anne Anton-Sommer waren gestern Abend das bewährte Moderatorenduo, das eloquent und informativ durch den Abend führte - etwa auch, als sie für den Festzug am Sonntag warben oder daran erinnerten, dass Schriesheim vor 50 Jahren auch die Stadtrechte zurückerhielt.

Dann war er auch schon gekommen, der Einzug der scheidenden Weinhoheiten, angeführt von den Fahnenträgern der Vereine und dem Fanfarenzug des KSV. Weinkönigin Alexandra und ihre Prinzessinnen Lena Speicher und Julia Fontius wurden begleitet von den "kleinen Weinhoheiten" Maren Gadzali, Luise Volk und Kim Röger. Für Luise und Kim war es die Premiere, die sie bravourös meisterten.

Mit Silvaner aus dem Steinkrug wurde der Mathaisemarkt eröffnet, und dann kam der wohl schwierigste Augenblick für jede Weinhoheit: die Abkrönung, vorgenommen von Melanie Gutfleisch, der "Weinkönigin der Herzen" 2012/13. Zuvor hatte Alexandra ihre Amtszeit Revue passieren lassen, ein Rückblick, den sie mit den Worten "Im Abschied ist die Geburt der Erinnerung" überschrieb. Es sei für sie und ihre Prinzessinnen ein Jahr voller schöner Momente, interessanter Begegnungen und "wichtiger Erkenntnisse" gewesen.

Besondere Höhepunkte des Amtsjahres hob sie hervor: die erste Begegnung mit Lena und Julia, der Mathaisemarkt 2013, der Bollywood-Dreh in Heppenheim, die Reise nach Uzès - und die Arbeit im Weinberg neben allen Terminen. Besonders beeindruckt sei sie davon gewesen, wie bekannt "unser kleines Städtchen" auch "in weiter Ferne" durch seinen Wein sei. Alexandra dankte den Winzern. Und ihren Prinzessinnen: Lena, der Ruhigen. Und Julia, der "Coolen".

Die scheidende Weinkönigin vergaß in ihrem Dank auch die vielen Helfer im Hintergrund nicht, allen voran die Familien. Den neuen Hoheiten wünschte Alexandra viel Erfolg und Spaß "im Jahr unseres großen Jubiläums". Die scheidenden Prinzessinnen dankten ebenfalls - auch ihrer Weinkönigin für ein Jahr, dass sie zusammengeschweißt habe.

Die Schriesheimer Chöre unter der Leitung von Markus Hölzel sangen Alexandra, Lena und Julia als "Dankeschönständchen" das "Badner Lied". Nach der Abkrönung tanzte das Trio auf der Bühne zum Lied "Freunde" von Pur. Und musikalisch ging es auch weiter - mit der Pena aus Uzès. Eine gute Gelegenheit für Höfer, an das 30-jährige Bestehen der Jumelage mit der Stadt in Südfrankreich zu erinnern. Nach den Stimmungskanonen aus der Region Languedoc-Roussillon folgten die Jagdhornbläser, um die neuen Weinhoheiten anzukündigen, die im Lichtermeer des Sternenregens der Festzeltbesucher einzogen.

Welch ein Moment für Lena, Stefanie und Hannah, die auf der Bühne vom Vorstandsvorsitzenden der Winzergenossenschaft, Friedrich Ewald, vorgestellt wurden. Zu den Klängen von "River Flows" von Yiruma wurden die drei "Jubiläumsweinhoheiten" gekrönt. Zu den ersten Gratulanten zählte Hirschbergs Bürgermeisterstellvertreter Fritz Bletzer, kommen doch Stefanie und die kleine Luise aus der Nachbargemeinde.

In ihrer Antrittsrede ließ "Lena I." keinen Zweifel daran: Sie ist ein Schriesemer Mädel, das auch den Dialekt beherrscht. Schon als Kind habe sie auf die Frage "Wem kärsch'n du?" eine Antwort gewusst: "Ich bin die Enkelin vom Jurais Karl" oder "Zu den Merkels, die ursprünglich von der Schulgass' sind". So sei das in Schriesheim: Man kenne sich auf Du und Du und trinke beim Maá †thaisemarkt gemeinsam ein Viertele.

Schriesheim sei eine Stadt mit persönlichem Charakter, in der man Offenheit und Toleranz erlebe. Durch den Mathaisemarkt und den Posaunenchor habe sie überdies gelernt, was guter Wein sei: "Denn der wächst hier bei uns." Entsprechend stolz seien sie und ihre Prinzessinnen Hannah und Stefanie, die guten Tropfen, die WG und die Winzer repräsentieren zu dürfen. Gerade im Jubiläumsjahr sei das eine besondere Ehre. Lena schloss mit dem Gedicht "Aus der Traube in die Tonne" von Ludwig Uhland, dessen Vertonung ihr Opa früher schon gesungen habe. Doch ganz vorbei war ihre Rede damit noch nicht. Denn sie überraschte ihren Vater, der gestern Geburtstag hatte, mit einem liebevollen, töchterlichen Gruß.

Vor der Antrittsrede der neuen Weinkönigin setzten die "Ballaboys" einen modernen Akzent - es war der erste, umjubelte Auftritt der jungen Truppe auf der Festzeltbühne, die danach ganz zu Ehren der Weinkönigin und ihrer Prinzessinnen dem evangelischen Posaunenchor gehörte. Welch ein Abend der musikalischen Kontraste! Doch das alles wirkte überaus stimmig und rundum gelungen - wie dieser ganze Krönungsabend, der nach der Gratulation durch die auswärtigen Weinhoheiten mit dem "Schriesheimer Lied" endete.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung