17.03.2014

Ein Matheisemarktsamstag mit der Polizei

Streit schlichten, deeskalieren, Präsenz zeigen: Die RNZ begleitete die Polizei auch am zweiten Mathaisemarktsamstag

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Die Führerschein-Feier auf dem Mathaisemarkt hat sich die Gruppe Jugendlicher wohl ein wenig anders vorgestellt. Eine Jugendschutz-Streife hat die Trinkerei vorzeitig beendet. Jetzt sitzt der jüngste Zecher, gerade mal 15 Jahre alt, mit geröteten Augen im Schriesheimer Polizeiposten und versucht, zwischen dem Kragen seiner Jacke und der Baseballkappe zu verschwinden. 0,8 Promille ergibt der Alkoholtest, deutlich mehr hat sein 18-jähriger Freund getrunken, der in der Arrestzelle grölt. "Mit 15 ist die Promillegrenze bei Null. Der Junge wird von seinen Eltern abgeholt", sagt ein Polizist.

"Das bringt etwas"

Acht Beamte in Zivil sind als Juggendschutz-Streifen auf dem Volksfest unterwegs, dazu kommen 14 uniformierte Ordnungshüter: Bis Sonntagmorgen um vier Uhr sind sie im Dienst. Einsatzleiter ist Hauptkommissar Bernd Kilian vom Weinheimer Revier, mit dem ab 23 Uhr auch die RNZ auf dem Fest ist.

Er kommt gerade zurück zum Posten, seine fünf Mann starke Gruppe wurde zu einer Schlägerei gerufen. "Nichts strafrechtlich Relevantes", sagt er. Denn nicht alles, was auf den ersten Blick "gefährlich" aussieht, ist es dann auch. Ein Mann lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, "der mit dem stieren Blick" ist ein alter Bekannter. "Dem werden wir heute noch begegnen", prophezeit Kilian.

Wieder geht es zum Fest, an der Hübsch'schen Mühle schlichten die Beamten ein lautstarkes Beziehungsdrama nach dem Rauswurf einer Betrunkenen aus dem Keller des Weinguts Wehweck. Am Zelt wird der "alte Bekannte" aufgegriffen, er hat bei einer Auseinandersetzung ein Messer gezogen und es beim Anblick der Uniformierten weggeworfen. 1,84 Promille hat er intus, Kilian bringt den Schriesheimer nach Hause. Der wird unterwegs redselig, erzählt von 13 Monaten Haft wegen Einbruchs und mehreren Verhaftungen. "Du bleibst jetzt zu Hause", verweist Kilian den gefährlich schwankenden Mann an den einzig richtigen Aufenthaltsort.

Als Einheimischer ist er bei den Vorfällen des Abends eher die Ausnahme, auffällig waren zuvor Besucher aus Viernheim, Neckargemünd oder Wiesloch, außerdem ab 18 Uhr Jugendliche, die in Weinheim oder Heidelberg "vorgeglüht" haben und mit der OEG betrunken zum Fest kommen. "Auf solche muss man aufpassen", sagt Kilian beim Anblick eines Trupps junger, verbissen dreinguckender Männer. Sein Kollege berichtet von solchen Gruppen, die gezielt loszogen, um bei Faschingsfeiern Schlägereien anzuzetteln.

Eben hat die Festzelt-Security sieben Männer aus dem Zelt geworfen, sie haben einen Gast zusammengeschlagen. Einer der Schläger flüchtet. Helfer vom Roten Kreuz kümmern sich um das Opfer, dem äußerlich nicht viel anzusehen ist. Auf dem Hof vor dem Weingut Wehweck machen derweil Gerüchte die Runde: "Alle Vorderzähne draußen", "mit einer abgebrochenen Weinflasche verletzt", hört man da. Ab zwölf hat man in der Talstraße den Eindruck einer Völkerwanderung: Scharen von Feiernden kommen vom Rummelplatz und aus dem eben geschlossenen Zelt. Die Stimmung ist unterschwellig aggressiv, die Beamten beziehen hier Stellung. "Das bringt etwas", sagt Kilian. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, deeskaliert, schlichtet Streit, schickt einen Rettungswagen in den Wiesenweg, wo ein Mann zusammengebrochen ist, verwarnt auch schon mal. Immer wieder werden die Beamten von lallenden Besuchern angesprochen, jene reagieren geduldig. Wieder ein Vorfall, diesmal am Spielplatz, ein junger Beamter wird bei der Verhaftung geschlagen. Eine richterliche Anordnung wird eingeholt, der Schläger verbringt die restliche Nacht auf dem Revier.

Eine junge, betrunkene Frau in Hotpants posiert aufreizend vor den Beamten, versucht zu grapschen: Auch sexuelle Belästigungen gehören zum Polizistenalltag. Gegen eins stößt Helmut Landa vom Jugendschutz zu der Gruppe. "Sechs, sieben Jugendliche unter Alkoholeinfluss" hat er aufgegriffen, Promillewerte zwischen 1,4 und 1,8 gemessen. Eine Vierzehnjährige lebt im Heim, die Eltern werden vorgeladen, lassen ihr Kind aber im Polizeiposten. Traurig sind solche Fälle, Landa weiß: "Zwei von zehn kommen da wieder raus, der Weg der übrigen ist vorgezeichnet."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung