14.07.2014

Schriesheimer "JazZ"-Klänge bei "Südstaatenwetter"

Acht Bands, sechs Bühnen, ein voller Erfolg: 800 Musikfreunde am Samstagabend bei "Schriesheim jazZt" in der Innenstadt

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Es gibt eine Unsitte. Nämlich den Erfolg von Veranstaltungen schon während ihres Verlaufs ausschließlich an der Zahl der Besucher festzumachen. Den Ansatz dazu erlebt man auch wieder am Samstagabend bei der neunten Auflage von "Schriesheim jazZt". Den skeptischen Kennerblick des Urteilenden begleitet dann stets eine fundierte Ursachenforschung: Das WM-Spiel um Platz drei und das Wetter: "Die sind schuld, ganz klar." Fest steht: 800 Besucher zählen die Organisatoren des Kulturkreises (KKS) um dessen Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer. Also ein Drittel weniger als vergangenes Jahr. "Aber so viele, dass es für uns gut war. Und die Stimmung war ja auch klasse", so Mohr-Nassauer gestern. Recht hat sie! "Schriesheim jazZt" macht Freude - musikalisch, kulinarisch, gesellig. Und das geht schon bei der Eröffnung los.

Mohr-Nassauer begrüßt am Alten Rathaus: "Wir haben es wieder geschafft. Wir freuen uns riesig auf so viele hochkarätige Musiker." Sie dankt allen, die zum Gelingen beigetragen hätten - auch den Sponsoren, darunter der RNZ als Medienpartner von "Schriesheim jazZt". Später kann sie sich übrigens noch über fünf neue KKS-Mitglieder freuen, die ihre Aufnahmeanträge an der Abendkasse vorlegen und dafür freien Eintritt bekommen.

Bürgermeister Hansjörg Höfer erinnert daran, dass Mohr-Nassauer den "JazZ"-Abend erstmals in ihrer Funktion als KKS-Vorsitzende eröffne. Dann blickt der Schirmherr zum Himmel: "Das Wetter passt bei uns immer, heute ist Südstaatenwetter mit 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Und es regnet nur bis zur Autobahn." Bis 23 Uhr ist es jedenfalls so. Doch da ist der Erfolg des "JazZ"-Abends längst im Trockenen.

Auf diesen stimmt in der ersten Stunde eine Marching-Band ein, die gar nicht weiß, wie sie heißt. Jazz-Bischof Eugen Fallmann hat seine musikalischen Freunde zusammengetrommelt. Und so stehen Ede Seiboth, Rolf Muffler, Dierk Frerichs und Rainer Pfohl um Freddie Münster und denken nach: "'Jazz Dampfer Marching Band': Das klingt gut, das nehmen wir". Auch was sie spielen, klingt gut und stimmt ein auf vier Stunden Live-Musik von sieben Bands auf sechs Bühnen.

Schön ist, dass gleich zu Beginn vor jeder Bühne gut Betrieb ist. Schleppend läuft der "JazZ" wahrlich nicht an. So braucht Uli Wehrmann, der Sänger von "Sidesteps" im evangelischen Kirchgarten, auch gar nicht lange, um exaltiert zur Hochform aufzulaufen. Jazz hat hier jede Menge Funk, Soul - und eine tolle Stimme. Nebenan, im "Strahlenberger Hof" sitzt Fallmann am Schlagzeug, um bei "Piano Total" den Takt anzugeben. Hier ist der Jazz eher klassisch mit einer Portion Swing, den Barbara Bürkle ins Mikro haucht. Seinen angemessenen Raum nimmt Thilo Wagner an den Tasten ein - eben "Piano Total".

Glänzendes Blech dieses Mal nicht in der Oberstadt, sondern vor dem Stadtbrunnen: Die gut gelaunten "Longhorns" sind wieder da, um zu zeigen, was Posaunen so alles können. Sogar Balkanjazz, atemberaubende Rhythmuswechsel und ausgeprägt feine Polyphonie. Diese Musik begleitet später auch die Bilder vom WM-Spiel zwischen Brasilien und Holland, das das "Kaffeehaus" per Großbildleinwand ins Freie überträgt. Der Ton der Fußballübertragung ist aus. So verschmelzen Jazz und Kicken zu einem visuell-auditiven Gesamtkunstwerk. Ein Hauch von "documenta" in Schriesheim.

Weiter geht der Rundgang zur Küferei Hauser, wo kammermusikalischer Jazz für die leisesten, aber umso klarer artikulierten Töne dieses Abends sorgt. Hier spielt das Trio des Zweitplatzierten des Jazzpreises Baden-Württemberg 2014, Volker Engelberth, unterstützt durch den Saxofonisten Alexander "Sandi" Kuhn - der den Landesjazzpreis vergangenes Jahr gewann. Die richtig großen Besetzungen werden stets im Strahlenberger Schulhof präsentiert, dieses Mal wieder die SRH- sowie die Isis-Big Band, die für enorme Begeisterung sorgen. Im Hof des "Kaiser" bleiben ebenfalls viele "JazZ"-Fans gerne länger. Hier spielt "Brassy Brew" und nimmt sogar Rockeffekte in den Jazz auf. Dazu der Hammondorgel-Sound von Band-Mitbegründer Thomas Wind.

Nun hat man also einmal die Runde gemacht. Doch wo bleibt man nun für den Rest des Abends zum Zuhören? Schwer zu sagen. Das ist Geschmackssache. Apropos! Vielleicht entscheidet man sich ja auch nach den Angeboten auf den Speisenkarten der beteiligten Gastronomen (siehe weiteren Bericht).
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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung