23.07.2014

Schriesheim: "Wir müssen überlegen, wie wir die Flüchtlinge begrüßen"

Altenbachs Ortschaftsrat spricht sich einstimmig für den Abtsweg 3 als Flüchtlingsunterkunft aus - Ja auch zum neuen Brunnen für den Ortsmittelpunkt

Von Carsten Blaue

Schriesheim-Altenbach. Gestern leitete Dr. Herbert Kraus als neuer Ortsvorsteher erstmals eine Sitzung des Altenbacher Ortschaftsrats. Das Gremium hatte nur eine kurze Tagesordnung abzuarbeiten, doch darin ging es um Bedeutendes. So fiel die Entscheidung, wie der neue Dorfbrunnen aussehen wird, der in der Vergangenheit durchaus das Zeug zum Reizthema im Ortschaftsrat hatte. Zudem entschieden die Räte ebenso einstimmig, den Abtsweg 3 als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen.

Die Kommunen sind gesetzlich in der Pflicht, jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Wie viele das sind, wird nach einem Schlüssel berechnet. Für Schriesheim sind es dieses Jahr acht Personen. Die Container am Wiesenweg in der Kernstadt sind belegt, bleibt nur der Abtsweg 3 in Altenbach für die Unterbringung. Kraus nannte das Thema den "heikelsten Tagesordnungspunkt".

Die Notwendigkeit der Aufnahme sah Hans Beckenbach (FW), doch hätte er sich eine Aufteilung der Flüchtlinge auf den ganzen Ort gewünscht, um so die Integration zu erleichtern. Und so direkt am Ortsmittelpunkt, das sei auch nicht ideal. Zudem beantragte er eine zeitliche Befristung für die Unterbringung im Abtsweg für vier oder fünf Jahre.

Dieser Antrag sei gar nicht nötig, konterte Christian Wolf (GL). In ein paar Jahren müsse man ohnehin sehen, ob es noch passt. Außerdem wusste er nicht, was an dem Thema "heikel" sein soll, wandte er sich an Kraus: "Wir sind gefordert, Menschen aus Ländern aufzunehmen, in denen ihr Leben bedroht ist", so Wolf. Heute sei das meist Syrien: "Diesen Menschen gewähren wir gerne Unterkunft." Anders als Beckenbach fand Wolf die Ortsmitte "sehr geeignet" und auch besser als "Container am Rand des Sportzentrums". Der Abtsweg 3 sei jedenfalls eine gute Lösung, "und wir als Ortschaftsrat müssen uns mit den Vereinen überlegen, wie wir diese Menschen begrüßen und ihnen Hilfestellung leisten." Karl Reidinger (CDU) sah gar eine "Flüchtlingswelle", die nun auch Altenbach erreiche. Der Abtsweg 3 sei zwar für andere Zwecke gedacht gewesen, gab er zu bedenken, wollte sich der Sache aber auch nicht verschließen. Die Flüchtlinge sollten jedoch die gleiche Nationalität haben, "für ein gutes Miteinander", so Reidinger. Er war ebenso gegen Beckenbachs erweiterten Antrag, wie Karin Malmberg-Weber (SPD), die nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine moralische Verpflichtung zur Aufnahme sah. Sie plädierte ebenso dafür, auf die Herkunft zu achten. Außerdem seien zwei Familien besser als acht "Einzelpersonen". Sie machte sich Gedanken über den Zustand des Gebäudes und forderte eine frühzeitige Information über die Ankunft der Flüchtlinge, damit man im Ort Vorarbeiten leisten könne. Ordnungsamtsleiter Willy Philipp sagte, das Haus sei in gutem Zustand. Auf den Zeitpunkt des Eintreffens der Flüchtlinge und ihre Herkunft habe die Stadt keinen Einfluss.

Wie schon lange geplant, wird auch das Grundstück des Abtswegs 3 künftig durch eine 1,50 Meter hohe Gabionenwand von der neuen Ortsmitte zwischen Feuerwehr und evangelischer Kirche optisch getrennt. Im östlichen Bereich des Platzes soll der neue Brunnen stehen.

Der Ortschaftsrat einigte sich auf eine schlichte, moderne, rechtwinklige Gestaltung, die Garten- und Landschaftsarchitekt Friedhelm Natzschka vorstellte. Auch die Ausführung in anthrazit eingefärbtem Beton steht für eine zeitgemäße Architektur. An ein zwei Meter langes, einen Meter breites und 50 Zentimeter hohes Becken schließt sich ein Bodenbecken von einem Meter Länge an. In dieses gelangt das Wasser über einen "Wasserfall" aus dem oberen Bassin. Befüllt wird der Brunnen über ein sogenanntes "Panzerrohr", das an das obere Becken angelehnt wird. Schaut man von oben auf den Brunnen, der rund 20.000 Euro kosten soll, so stellt er ein großes "A" für Altenbach dar. Der Beton nimmt das Material der Treppe an der Kirche auf. Darauf wies auch Malmberg-Weber in ihrer Zustimmung hin. Hermann Pröll (FW) hätte sich mehr Beratungszeit gewünscht, aber weil noch vor der Sommerpause entschieden werden sollte, "müssen wir da jetzt durch". Für Wolf war die Gestaltung ein Alleinstellungsmerkmal, und auch Reidinger war angetan. Obwohl der bekennende Sandstein-Befürworter zugab, erst skeptisch gewesen zu sein.

In der Bürgerfragestunde ging es schon zu Beginn der Sitzung um ein Dauerthema: die Raser auf der Altenbacher Hauptstraße. Eine Anwohnerin schilderte ihr Leid damit. Kraus erklärte ausführlich, wie wenig Handhabe es für die Stadt gebe. Schließlich ist die Ortsdurchfahrt eine Landstraße. Immerhin habe man eine mobile Geschwindigkeitsanzeige bestellt. Für zwei fest installierte Blitzer sah Kraus momentan wenig Chancen. Dennoch sorgte der Ortsvorsteher für eine Überraschung, indem er mitteilte, dass an der B 3 in Schriesheim ein "Starenkasten" montiert werde (weiterer Bericht folgt).
Der Gemeinderat entschied einstimmig, den Abtsweg 3 als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Fotos: Dorn/Plan: sfn-planer

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung