28.07.2014

So wurde Schriesheims Stadtgeschichte auf die Bühne gebracht

Im Theaterstück "1250 Jahre Schriesheim" wurden fünf wichtige Ereignisse genauer unter die Lupe genommen

Von Stefanie Kuntermann

Schriesheim. Es gibt Schlagworte, die manches Ereignis überdauern. "Trinke mer oona? - Alla gut!" hat das Zeug zu einem solchen Spruch. Einer Radioserie entlehnt, war die Aufforderung zum gemeinsamen Weingenuss eine Art Kehrreim bei den einzelnen Akten des Jubiläums-Theaterstücks, der nach jeder Szene ein versöhnliches Ende versprach. "1250 Jahre Schriesheim" griff in seiner Handlung fünf Ereignisse der Stadtgeschichte heraus.

Machte sich Verkehrsvereins-Vorsitzender Karl-Heinz Schulz eingangs noch Gedanken, ob "alles klappen" würde, so erwiesen sich diese Sorgen als völlig unbegründet: Es folgten drei Stunden spannender Unterhaltung mit viel historischem Wissen, beigesteuert von Historiker Konstantin Groß. Schauspieler, Musiker und Requisiteure breiteten ein großes historisches Panorama im eindrucksvoll mit Torbogen dekorierten Strahlenberger Schulhof aus, brachten ihr Publikum zum Nachdenken, Mitfiebern und Lachen. Claus Breutners Stück war aber noch mehr: Es setzte sich kritisch auseinander mit den Quellen: Kirche, Revolutionäre, Spießbürger und Adel bekamen gleichermaßen ihr Fett weg.

Schon die erste Szene, die die Erklärung für die urkundliche Ersterwähnung 764 lieferte, spekulierte über die Schenkung Schriesheims aus möglicherweise gar nicht so christlichen Motiven. Ein abgebrühter Klosterbruder verschafft seiner Abtei sozusagen eine Anschubfinanzierung, indem er sich mit List und Drohung den Besitz des in Ungnade gefallenen Ritters Suonhar aneignet.

Als Bühnenbilder wurden Fotos auf die Bühne projiziert, zunächst ein altertümliches Gewölbe, in der nächsten Szene ein Wald, dessen Illusion mit eingespieltem Vogelgezwitscher untermalt wurde.

Ins finstere Mittelalter entführten die Chöre mit "Venite adoremus", während "Bagage Courage" sozusagen den geistlichen Gegenpol lieferten: Die Vertonung eines Merseburger Zauberspruchs von 750, wunderbar gespielt mit Flöten, Streichpsalter oder Harfe. Die zweite Szene begann mit "Ich zog mir einen Falken" und der Burg-Baustelle. Da die Strahlenberger 1235 widerrechtlich mit dem Bau auf fremden Boden begannen, folgte ein langer Streit, den die geistlichen Ellwanger Herren wiederum recht lukrativ lösten und den Rittern die doppelte Menge Abgaben auferlegten. Immerhin versprach der Konvent, Bücher anzuschaffen und für die Bildung der Menschen zu sorgen. Darauf einen "Schluck herrlichen Rebensafts". Mit dem Weinlied "Tourdion" von 1530 ging es ins Jahr 1579: Der erste Mathaisemarkt stand bevor, beschlossen von Schultheiß Lorenz Ortlepp, seiner Truppe trinkfester Ratsherren und gnädig bewilligt vom Kurfürsten, zu dessen Schaden die Markteinnahmen auch nicht waren. Ein prächtiger Fürst, keifende Standbetreiber, viel Lokalkolorit und der markante Spruch "Trinke mer oona" rundeten die Szene ab.

In der Pause konnte man den rosafarbenen Sonnenuntergang genießen, bevor die Musiker in der einbrechenden Dunkelheit mit "Die freie Republik" auf das Jahr 1848 und eine der witzigsten und hintergründigsten Szenen einstimmten. Dass die tapferen Bürgerwehrmänner am Ende keinen Schuss abgaben, wurde zwar mit dem Abziehen der großherzoglichen Truppen erklärt. Vielleicht war der ausgebliebene "Feindkontakt" aber auch sicherer für die Helden, hatten die doch ihre Munition daheim gelassen. Ein Schelm, der in der Figur des beinahe kämpfenden Bäckermeisters Höfer eine Anspielung auf die Gegenwart sah. "Das war mein Urgroßvater", witzelte später Bürgermeister Hansjörg Höfer.

Am Ende lachten die Zuschauer noch einmal aus vollem Halse: Einmal über die schrille Beatles-Perücke von "Bagage"-Leiter Hans-Dieter Schotsch, der "When I'm 64" dirigierte, einmal über die Kleider und Requisiten aus dem letzten Jubiläumsjahr.

Es brachte die triumphale Wiedererlangung der Stadtrechte und die Enthüllung des Stadtbrunnens, begleitet von lauter eingeblendeten Fotos von 1964. Das Ende dieses gelungenen Abends verband Wein und Gesang: Auf der Bühne und im Publikum wurde aus voller Kehle das "Schriesemer Lied" gesungen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung