20.08.2014

Kletterer starb nach Sturz im Schriesheimer Steinbruch

Kletterer starb nach Sturz im Schriesheimer Steinbruch

Feuerwehrleute, Notärzte und Sanitäter nach der Bergung des Schwerstverletzten. Foto: Feuerwehr

Von Philipp Weber

Schreckliche Tragödie im Schriesheimer Steinbruch: Ein 48 Jahre alter Kletterer aus der Region Hockenheim ist am späten Samstagnachmittag aus 15 Metern Höhe in die Tiefe gestürzt und an den Folgen seiner Verletzungen gestorben. Andere Klettersportler sowie Rettungskräfte der Feuerwehr leisteten Erste Hilfe. Ein Rettungshubschrauber brachte den Verunglückten in eine Mannheimer Klinik, wo er am späten Samstagabend seinen Verletzungen erlag.

Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr geschah das Unglück auf der dritten von insgesamt fünf früheren Abbruchebenen des seit 1967 stillgelegten Steinbruchs. Dort war der 48-Jährige mit einer Gruppe weiterer Kletterer unterwegs gewesen. "Wir haben die Versorgung des Bewusstlosen direkt von den bereits anwesenden Sportlern übernommen", so Feuerwehrkommandant Oliver Scherer auf RNZ-Anfrage.

Es sei keineswegs einfach gewesen, den Mann zu bergen, erklärt der Feuerwehrkommandant: "Er lag ziemlich ungünstig im Bereich eines alten Schutthaufens." Mit Hilfe mehrerer spezieller Tragen gelang es den Helfern schließlich, den 48-Jährigen zum Hubschrauber zu bringen. Vor dem Abflug hatten sie den Gesundheitszustand des Schwerverletzten so weit stabilisieren können, dass der Lufttransport überhaupt in Betracht kam. Die Feuerwehr war mit 18 Einsatzkräften an der Unglücksstelle, dazu kamen sieben Mitarbeiter eines Rettungsdienstes und zwei Polizeibeamte.

Zu der Ursache und dem genauen Hergang des Unglücks wollte die Polizei gestern Nachmittag keine Angaben machen. "Die Kriminalpolizei des Präsidiums Mannheim hat Ermittlungen eingeleitet", sagte der Polizeiführer vom Dienst am Sonntag. Die Berichte über den Absturz seien zunächst an den Kripo-Dauerdienst weitergeleitet worden, ab dem heutigen Montag ermittle das Dezernat für ungeklärte Todesfälle, erläuterte der Beamte.

Es war nicht das erste Unglück im Schriesheimer Steinbruch: "Wir hatten dieses Jahr zwei, letztes Jahr einen Absturz", so Scherer. In den Jahren zuvor habe sich kein Unfall ereignet. "Im Schnitt passiert im Steinbruch ein Mal pro Jahr etwas", sagte der Wehrkommandant.

Insgesamt vier von fünf Abbauebenen sind für Kletterer freigegeben. Die Sportler können laut Angaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) zwischen 200 verschiedenen Kletterrouten und mehreren Schwierigkeitsgraden wählen. An manchen Tagen sind hier mehr als 100 Kletterer aktiv. Die Mitglieder der Schriesheimer Interessengemeinschaft Klettern und Naturschutz - ihr Dachverband ist der DAV - kümmern sich um das Gelände. Auch die Feuerwehr Schriesheim hat speziell ausgebildete Bergungskräfte. Diese können Verunglückten auf professionelle Weise Hilfe leisten.

Die Experten weisen allerdings auch regelmäßig darauf hin, dass es sich beim Schriesheimer Steinbruch um durchaus gefährliches, alpines Gelände und "keine Kletterhalle" handelt. "Sicherheit ist das A und O", erklärt auch ein Hobbykletterer aus einer benachbarten Kommune im Gespräch mit der RNZ.

Seiner Meinung nach sollte niemand draußen klettern gehen, ohne vorher Kurse unter professioneller Leitung besucht und eine Einführung in die Besonderheiten des jeweiligen Geländes erhalten zu haben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung