19.01.2018

Schriesheimer Weltmeister im Trucksport

Schriesheimer Weltmeister im TrucksportAuf Papas Schoß hinterm Lkw-Lenkrad: Ricky Bornhorst ist Aushängeschild beim AC - Einpark-König kämpft gegen schlechtes Image

Von Matthias Kehl

Schriesheim. Gut gelaunt und mit entspannter Miene erscheint Ricky Bornhorst zum Gespräch mit der RNZ in Schriesheim, seinen langen Arbeitstag lässt er sich nicht anmerken. Der 46-Jährige kommt gerade aus Eschborn bei Frankfurt, wo er als Verkehrsleiter und stellvertretender Betriebsleiter bei einer Großspedition neuerdings auch für die Fahrsicherheit von Lkw-Fahrern zuständig ist.

Ricky Bornhorst und die Lastwagen - das ist in vielerlei Hinsicht eine besondere Beziehung. "Da mein Vater Berufskraftfahrer war, hatte ich schon als Sechsjähriger, auf seinem Schoß sitzend, das erste Mal ein Lkw-Lenkrad in der Hand", sagt Bornhorst, der mit 18 Jahren neben dem Wehrdienst am Wochenende einen 7,5-Tonner samt Anhänger fuhr.

"Der Weg zum Kraftfahrer war somit schon vorgezeichnet", sagt der heutige Verkehrsmeister, den es nach Beendigung seiner Bäcker- und Konditor-Lehre als Lkw-Fahrer für über 20 Jahre auf die Straßen in Deutschland und ganz Europa zog. Seine langjährige Erfahrung mit den Brummis, die sich in außerordentlichem Fahrgeschick bemerkbar macht, kanalisiert Bornhorst seit nun etwa knapp zehn Jahren auch im sportlichen Wettbewerb: dem Trucksport, auch bekannt als Lkw-Turniersport.

Beim Automobilclub (AC) Schriesheim ist er heute als Klassen- und Nationenweltmeister (2016) und Deutscher Meister (2017) das Aushängeschild des Vereins. "Beim Trucksport kommt es vor allen Dingen auf punktgenaues Fahren an", sagt Hans Groß, Vorsitzender des AC Schriesheim.

"Dazu reicht es bei Weitem nicht, ein ‚guter Fahrer‘ zu sein, hier geht es um zentimetergenaues Rangieren", so Groß weiter, "freilich ohne technische Hilfsmittel wie Kameras oder Abstandsmesser."

Auf genau abgesteckten Parkour-Strecken mit Hindernissen und Einpark-Manövern in verschiedenen Schwierigkeitsstufen sind präzise Abstandseinschätzungen und die gesamte Palette der Lkw-Fahrkünste gefragt.

"Ein umgestoßenes Hindernis oder ein Abbruch der Übung wird mit einer dreistelligen Strafpunktzahl gewertet", erklärt Hans Groß und führt weiter aus: "Abstandsverfehlungen ziehen Strafpunkte pro Zentimeter nach sich. Hier zeigt sich, wer wirklich genau fahren kann."

Zumal die Fahrer ihre Wettkampf-Fahrzeuge erst beim Turnier kennenlernen. Jeweils drei bis fünf Minuten bleiben den Kontrahenten dabei, um sich mit dem Gefährt vertraut zu machen. Die einzigen erlaubten Hilfsmittel beim Fahren sind Seiten- und Rückspiegel. Aussteigen während des Wettkampfes, um die Abstände einzuschätzen, ist tabu.

"Die Herausforderungen sind natürlich innerhalb einer knapp bemessenen Zeit zu bewältigen", erklärt Bornhorst, der auf seiner Homepage german-trucksport.de Interessierten den Sport näherbringt.

Selbst aktiv im Lkw-Turniersport ist der gebürtiger Darmstädter erst geworden, als ihn eine Freundin spontan bei einem Turnier anmeldete.

Auf Anhieb bewältigte Bornhorst den Parkour damals als bester Fahrer. Als Doppelweltmeister und Deutscher Meister bemüht sich Ricky Bornhorst nun um Anerkennung für seine Sportart. "Das Bild des Lkw-Fahrers ist generell in Deutschland kein gutes", sagt er. Das übertrage sich auch auf die Sportart, die fast keine Zuschauer anlockt.

"Für nahezu kein Medium sind wir interessant genug", so Bornhorst. "Es sei denn, es gibt einen großen Unfall, in den ein Lkw verwickelt ist, dann schon", gibt der Weltmeister zu bedenken. Der langjährige Kraftfahrer kennt die Situation seiner fahrenden Berufskollegen, deren Image ihren Leistungen selten gerecht wird. Darum kämpft er weiter. Für seine Passion, die Rekrutierung neuer Trucksportler und mehr Anerkennung für Kraftfahrer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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