18.02.2018

Schulbauprozess Schriesheim: "Diese Summe ist verschwindend gering"

Christiane Haase (45), Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, spricht über die Zusage von bis zu zwölf Millionen Euro fürs Schulzentrum

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Treffen mit Christiane Haase sind seit dem Start des Schulbauprozesses vor drei Jahren so etwas wie inoffizielle Jahresgespräche geworden. Viel geändert hat sich am Sanierungsbedarf im Schulzentrum seitdem nicht, obwohl die Stadt jedes Jahr sechsstellige Summen in die Erhaltung des Gebäudes investiert. Trotzdem sagt die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, sie sei "frohen Mutes".

Frau Haase, was löst der Begriff "Schulbauprozess" bei Ihnen aus?
(lacht) Gute Frage. Er hat sich verzögert. Das ist vielleicht auf Ratlosigkeit zurückzuführen, wo man das Geld hernehmen soll. Aber wir haben de facto drei Jahre verloren. Ich hätte mir gewünscht, das Thema Finanzierung an den Anfang zu stellen. Dann hätte man keine falschen Hoffnungen geweckt - auch wenn im Elternbeirat klar war, dass Schriesheim keine 60 bis 70 Millionen Euro für die Sanierung hat. Wir wünschen uns nur eine Strategie, Transparenz bei Kosten und Abwicklung sowie ein Bekenntnis, ob wir Schulstadt sind.

Was gehört zu solch einem Bekenntnis?
Dazu gehört zum Beispiel die Überlegung, ob man einen Neubau errichtet, wenn eine Sanierung zu teuer ist. Jetzt wird über die Ausweisung eines Neubaugebietes gesprochen; das hätte auch ein Standort für ein neues Schulzentrum sein können. Zumindest hätte man das durchdenken sollen. Wenn ich mir kein so großes Schulzentrum leisten kann, muss ich überlegen, wie ich sonst die Kosten stemmen kann.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass die Schulsanierung tatsächlich kommt?
Das Land hat jetzt eine halbe Milliarde statt 60 Millionen Euro für Schulsanierungen zugesagt, auch ohne die Voraussetzung neuer pädagogischer Konzepte. So war es in der Presse zu lesen. Insofern bin ich frohen Mutes, dass die Förderung einen höheren Stellenwert hat. Es hat sich auch in der Stadtverwaltung etwas geändert. Bei der Klausurtagung scheint klar geworden zu sein, was man wann wie machen will.

Bis zu zwölf Millionen Euro wurden von der Stadt zugesagt. Die richtige Entscheidung?
Ich fand es mutig, dass sich Herr Höfer auf diese Summe festgelegt hat. Die Finanzplanung ist ja von der Konjunktur und der Zinslage abhängig. Ob diese Summe am Ende wirklich da ist, steht in den Sternen.

Wäre das genug für die Sanierung?
Diese Summe ist verschwindend gering, gemessen an der Größe der Schule. Wir sind in der schwierigen Lage, dass wir uns als kleine Stadt so ein riesiges Schulzentrum leisten. Unsere Nachbargemeinden wissen, warum sie das nicht haben. Unabhängig von der Sanierung sind die Betriebskosten extrem hoch. Zum Beispiel läuft die Heizung im Sommer einfach durch. Gerade deswegen gilt bei der Sanierung: Je früher, desto besser. Außerdem wollen wir ja nicht, dass am Ende Kinder in dem Gebäude gefährdet sind.

Halten Sie einen Beginn der Arbeiten 2021 für realistisch?
Es gibt ja auch noch andere Bauprojekte, zum Beispiel das Feuerwehrhaus oder Straßensanierungen. Das sind viele Aufgaben für ein relativ kleines Bauamt. Selbst für eine Vollzeit-Stelle im Bauamt wäre das ein großes Projekt, das kann nicht nebenbei bearbeitet werden. Aber wenn die Verwaltung jetzt wirklich mit den Anträgen anfängt, halte ich das für realistisch.

Im Oktober will der Elternbeirat wieder einen Schulaktionstag veranstalten. Renovieren Sie die Schulen im Alleingang?
Nein, das sind ja nur Kleinigkeiten, die wir in ein paar Stunden erledigen können. Wir wollen, dass sich die Schüler in einer schönen Schule aufhalten können. Deswegen streichen wir einen Klassenraum oder die Aula, damit man dort mit halbwegs gutem Gewissen neue Schüler begrüßen kann. Karina Mayer vom Bauamt stellt uns dafür die Farben zur Verfügung.

Haben Sie dabei Gestaltungsfreiheit?
Es muss alles nach wie vor mit dem Architekten Lothar Götz abgestimmt werden. Da gibt es ein paar Regularien. Aber eine früher mal weiße Wand wieder weiß zu streichen, ist kein Problem. (lacht)

Glauben Sie, dass Ihre Kinder noch von der Sanierung profitieren können?
Es vergehen sicher zwei, drei Jahre, bis alle Anträge gestellt sind. Aber ich habe mir vorgenommen, dass bis zum letzten Schuljahr meiner jüngsten Tochter der erste Spatenstich getan ist. Sie ist jetzt in der fünften Klasse. Diese Einschätzung ist realistisch. Hoffe ich. Wir werden sehen - und als Elternbeirat weiter dafür kämpfen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung