11.03.2004

Der Bedarf ist da und will nur geweckt werden

Bei der Leistungsschau im Schriesheimer Gewerbezelt sitzt das Geld noch lockerer - Qualität spielt eine große Rolle

Überwiegend zufrieden äußern sich die Mittelständler, die ihre Waren und Angebote im BdS-Zelt präsentieren. Sie setzten vor allem auf die "Langzeit"-Effekte und liegen damit offenbar goldrichtig. Die "alten Hasen" wissen den Mathaisemarkt zur Kontaktpflege zu schätzen. Foto: Dorn

Schriesheim. (Si) Unterschiedlich wie die im BdS-Gewerbezelt vertretenen Branchen sind erwartungsgemäß auch die Resümees über den geschäftlichen Erfolg. Am erste Wochenende fing es eher schleppend an, das Wetter mit seinen Kapriolen bescherte dem Gewerbezelt insgesamt zwar etwas weniger Menge an Leuten. Die "Masse" schob sich dennoch konzentriert durch das Gewerbezelt oder wurde geschoben. Und wer zur Schieb- und Stoßzeit am ersten Wochenende etwas im Gewerbezelt entdeckt hatte, der kommt unter der Woche noch mal vorbei.

Das bestätigt auch der BdS-Vorsitzende Horst Kolb, der tagtäglich in Kontakt mit den Ausstellern steht, sich alle Probleme (von der Heizung angefangen bis zur Entlüftung), aber auch die Erfolgsstories anhört.

Die alten Gewerbezelt-Hasen kennen diesen "Anschluss-Effekt" eh schon lange und so ist es kein Wunder, dass sie ihre Stammplätze verteidigen. Immens die Freude, wenn man die Altprofis anspricht: Gell, Sie sind doch schon länger da?: "Über 20 Jahre bestimmt, ziemlich von Anfang an", kehrt "Portas" stolz vor der Haustür. Schon seit Jahren mit dabei ist natürlich auch die Rhein-Neckar-Zeitung, mit ihrem Stand gleich am Eingang. Vorbeizuschauen lohnt sich übrigens immer.

Neulinge mit von der Partie

Zwischen die Altgedienten wagen sich die Neulinge - der Chance halber seien sie hier nochmals erwähnt: MWS-Motorradbekleidung, Schmitt (ehemals Bechthold) Airlux- Luftbetten. Nicht lange suchen muss man nach Hoffmann- Wasserbetten. Neu auch Wirth - Fotovoltaikanlage und Kärcher Weinregale und Asiatica. Creativ-Gastronomie und Ballonfahrten sind nicht ganz neu, aber nun vom Freigelände ins Innere des Gewerbezeltes gerückt.

Einer hat seine Chance schon im ersten Jahr genutzt, nun bewacht er im dritten Jahr seinen Stand mitten im Zentrum des Geschehens: Rolf Edelmann aus Ursenbach "Wenn es den Mathaisemarkt nicht gäbe, hätte ich wohl kaum Kunden aus Bad Homburg an der Saar", so der Spezialist für edle Treppen in wohnlichem Ambiente und Dachausbau. Und Karlheinz Erb (Installationen) hätte jüngst kein Bad in Kaiserslautern installiert, gäbe es die Gewerbeschau nicht. So manche Haustür baut die Firma Kreis (Heddesheim) bei Kunden auch im weiteren Umkreis ein. Keine Frage, der "Langzeiteffekt" greift.

In der Tat gilt auch für 2004: So viele "Strahlemann-Gesichter" in einer Woche wie im Gewerbezelt während des Frühlingsfestes an der Bergstraße, sieht man bei den Gewerbetreibenden der Region das ganze Jahr über nicht. Spöttelte man früher in "boomenden" Zeiten "Jammern gehört zum Geschäft" ist das jetzt bitterer Hintergrund bei vielen klein- und mittelständischen Betrieben.

"Das Geld ist da", finden viele Aussteller - die Leute halten sich nur sehr zurück mit dem Geld ausgeben, beurteilen einige die deutliche Konsum-Zurückhaltung. Und wer gute Geschäfte gemacht hat, fügt noch hinzu: "Flexibel muss man sein".

Freudig überrascht stellen die Gewerbetreibenden zudem fest: "Auf der Leistungsschau ist die Bereitschaft der Besucher, Geld auszugeben, noch eher vorhanden. Erfreulich : Nicht nur Geld, auch "der Bedarf ist (noch) da", bestätigten vor allem die Handwerker und alle mit dem Innenausbau befassten Branchen .

Und noch eine Erfahrung hat auch der Veranstalter, BdS, gemacht: Die Leute , die sich zuerst zögernd dann aber doch für eine Renovierung oder Ausbau oder auch nur mal für neue Fenster entscheiden, wollen verstärkt etwas für sich und ihr eigenes Wohlbefinden in den vier Wänden tun. Kein Wunden also, dass auch Wellness verstärkt im Schriesheimer Gewerbezelt Einzug gehalten hat. Nur die beiden Kosmetik-Geschäfte fehlten dieses Jahr : Nomen est omen: Schönheit kommt dieses Jahr von außen per Flyer - aus der "Hübschen Mühle".

Für Horst Kolb spielt auch die Kontinuität der Qualität eine Rolle für den Erfolg. Und dass die Anordnung der Stände nahezu jedes Jahr gleich ist. "Ständiger Wechsel der Abläufe ist nicht gut für das Geschäft". Der Durchlauf des Publikums wird durch das "nennen wir es mal "Kontaktzentrum"" vorne am Bier- und Weinstand, mit der Qualitäts- "Fressmeile" an der Rückwand wirkungsvoll verzögert. Dort verharren die Besucher länger, manche gehen ganz gezielt direkt dort hin und beim "Bummeln" entdecken sie dann etwas bei den Ausstellern. Die bekannte Methode "wo es etwas zu essen und trinken gibt, kommen die Leute", funktioniert hier in Schriesheim exzellent.

Zufriedenheit
Fazit vom BdS-Chef Horst Kolb: "Ich bin sehr zufrieden, wenn es nicht so wäre, könnte ich mich da nicht verstellen, man würde mir das am Gesicht ansehen. Also: zufriedene Mienen danken es Ihnen...der Spruch gilt wohl heute noch. Und der "Alte" ,wie Ehrenmitglied Willi Hessenauer von den BdS' lern liebevoll tituliert wird, hatte es ihnen ja erst jüngst wieder eingetrichtert: Ihr müsst auf den Kunden zugehen , nicht die Kunden auf Euch - und das bitteschön ganz unaufdringlich.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung