15.05.2018

Schriesheimer Rückhaltebecken: Rätselhaftes Fischsterben

Schriesheimer Rückhaltebecken: Rätselhaftes FischsterbenLandratsamt sieht Sauerstoffmangel als Ursache - Sportangler sind skeptisch – Verendete Tiere weisen keine äußeren Verletzungen auf

Mehrere tote Fische entdeckten Spaziergänger am Sonntag im Rückhaltebecken. Bisher hatte der Sportanglerverein damit vor allem im Kanzelbach zu kämpfen. Foto: Dorn

Schriesheim. (fjm) Gleich mehrmals wurde die Freiwillige Feuerwehr am Sonntagmittag ans Rückhaltebecken gerufen: Spaziergänger hatten dort tote Fische entdeckt. "Zuerst war von einer Vielzahl die Rede", sagte Kommandant Oliver Scherer auf Nachfrage. "Wir haben vor Ort tatsächlich fünf, sechs Tiere gefunden."

Warum die Fische gestorben sind, ist derzeit noch nicht endgültig geklärt. Hinweise auf eine Einleitung schädlicher Stoffe lägen nicht vor, meldete die Feuerwehr. Nach Rücksprache mit dem Wasserrechtsamt des Landratsamtes gehe man davon aus, dass es sich um Sauerstoffmangel in dem Gewässer handelt. Durch den erwarteten Regen werde sich die Situation vermutlich entspannen.

"Es war recht warm in den letzten Tagen", sagte Scherer. "Das Rückhaltebecken bietet wenig Möglichkeit zur Durchmischung des Wassers mit Sauerstoff - im Gegensatz zum Kanzelbach."

Das bestätigte auch das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises gestern auf Nachfrage. "In Gewässern kann es nach trockenen, heißen Perioden zu Sauerstoffmangel kommen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. "In Schriesheim ist dies nach unserem Wissen nun zum ersten Mal passiert. Es ist aber kein Einzelfall."

Der Schriesheimer Sportanglerverein (SAV), der das Gelände für seine Aktivitäten seit vielen Jahren gepachtet hat, ist diesbezüglich aber skeptisch. "Was wäre denn dann im Hochsommer, wenn die Fische jetzt schon sterben?", fragte SAV-Vorsitzender Rainer Müller. "Manche haben auch gesagt, die Fische seien von Kormoranen angepickt worden. Aber wir haben an den Tieren keine äußeren Verletzungen gefunden."

Die toten Fische mussten die Angler entsorgen, bezüglich der Ursache für das plötzliche Sterben stehen sie jedoch vor einem Rätsel. "Wir haben erst vor zehn Tagen Bachforellen im Rückhaltebecken ausgesetzt", so Müller. "Es kann leider sein, dass sie die Umsetzung nicht so gut verkraftet haben wie gedacht."

Doch auch in diesem Fall gebe zumindest der Zeitpunkt Rätsel auf: Schließlich hatten die Fische einige Tage Zeit, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Probleme gab es dabei in der vergangenen Woche nicht. "Wir haben mit dem Lieferanten Kontakt aufgenommen", sagte Müller. Zunächst gehen Ehrenamtliche des Vereins aber zweimal täglich am Rückhaltebecken auf Patrouille, um zu kontrollieren, ob dort weitere tote Fische auftauchen.

Schon im August 2015 hatten die Sportangler ein Fischsterben in Schriesheim beklagt, damals im Kanzelbach auf Höhe der Gaulsbrücke. Immer wieder starben Forellen auch durch Verunreinigungen des Bachs, sodass sich dort keine größere Population entwickeln konnte. Im Rückhaltebecken gab es diesbezüglich aber bisher keine Probleme.

Dabei gebe es sonst genügend Ärgernisse für die Sportangler, so SAV-Vorsitzender Müller: Schwarzangler, Kormorane, Graureiher und Schlittschuhläufer machen den Fischen das Überleben schwer. "Wenn Leute im Winter auf dem Eislaufen, stören sie die Tiere in ihrer Winterruhe", sagte Müller. "Dann kann es passieren, dass sie zu früh erwachen und bis zum Frühjahr verhungern."

Überhaupt beklagt der Anglervorsitzende, dass das Rückhaltebecken von vielen wie ein öffentliches Gewässer behandelt würde, obwohl es das nicht ist: Betreiber ist die städtische Wasserversorgungs- und -entsorgungsgesellschaft, Pächter sind die Sportangler. "Nur wenn Fische sterben, wissen die Leute sofort, wo sie anrufen müssen."

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung