23.03.2004

Nord-Angrenzer wehren sich

Und melden vorsorglich schon Regress-Forderungen an - Offener Brief an Bürgermeister Riehl

Schriesheim. (ron) Es hat ja so kommen müssen: die Angrenzer des Neubaugebietes "Nord" gehen wegen der Belastungen durch die überraschend schnell begonnen Erschließungsarbeiten auf die Barrikaden.

Wie am Samstag in der RNZ berichtet und kommentiert, stören sich die Angrenzer an der aus ihrer Sicht mangelhaften Informationspolitik des Rathauses. Mehr oder weniger klammheimlich waren in der vorletzten Woche die ersten Lastwagen und Maschinen angerollt, die sich allesamt den Weg durch die Zentgrafenstraße bahnten. Die Anwohner sind entsetzt und verweisen auf einen Brief vom letzten Jahr, in dem ihnen die Stadtverwaltung eine Baustellenerschließung des Neubaugebietes über einen B3-Anschluss versprochen hat.

Die Tonart ist , wie meistens zwischen Rathaus und Nord-Angrenzern, relativ rau. Unter anderem stellen die Hausbesitzer schon vorsorglich Regressforderungen an die Stadt, falls ihre Häuser schaden nehmen. Anbei der Wortlaut des Offenen Briefes, den die Angrenzer an Bürgermeister Peter Riehl geschickt haben.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Riehl,

die Anfang März begonnenen Arbeiten zur Kanalverlegung im Gebiet "Nord" führen zu beträchtlichen Belästigungen der betroffenen Einwohner. Im Sinne einer bürgernahen Verwaltung hätte man erwarten können, daß zu Beginn derartig umfangreicher Arbeiten die betroffenen Anwohner über den Verlauf informiert worden wären. Art und Umfang der Belästigung sind derart, daß wir Sie hiermit auffordern, die nachfolgend genannten Forderungen umgehend zu erfüllen.

1. An mehreren Tagen wurden für Erdverdichtungen große Maschinen eingesetzt, die über mehrere Stunden starke Schwingungen bei mehreren angrenzenden Häusern verursachten. Wir verlangen daher eine unmittelbare Bestandsaufnahme zur Kontrolle des baulichen Zustands der angrenzenden Häuser. Diese Untersuchung hätte vor Beginn derartiger Arbeiten durchgeführt werden sollen. Wir melden hiermit vorsorglich Regressansprüche wegen möglicher entstandener Bauschäden an.

2. Wir verlangen die Begrenzung der täglichen Arbeitszeiten auf 8 Stunden sowie unbedingte Arbeitsruhe an Samstagen. Bisher wird täglich von 7 Uhr bis 18 Uhr gearbeitet. Bitte berücksichtigen Sie insbesondere auch alte oder kranke Menschen, die derartige Belastungen nicht unbedingt ertragen können.

3. Wir erwarten eine regelmäßige Reinigung der angrenzenden Straßen. Ursprünglich hatte die Verwaltung zugesagt (Brief vom 20.6.03), den B3-Anschluss "so früh wie möglich" herzustellen. Diese Zusage wird offensichtlich nicht erfüllt, so daß die angrenzenden Straßen im Gebiet Steinach jetzt doch über lange Zeit erheblich verschmutzt werden. Die Stadt sollte in gleicher Weise ihrer Pflicht zur Reinigung der Straßen nachkommen, wie sie dies auch den Bürgern für die Gehwege gesetzlich vorschreibt.

4. Wir erwarten eine Überprüfung, inwieweit z.B. Bäume, wie geschehen, nach dem 1. März gefällt werden dürfen, obgleich hier vorläufig keine Bebauung stattfindet.

5. Wir erwarten eine Information über den zeitlichen Verlauf der weiteren Arbeiten, insbesondere darüber, wann der Anschluß an die B3 befahrbar sein wird.

Stellvertretend für eine große Mehrheit der angrenzenden Bewohner:

Jürgen Fischer Ingrid Bauer Rainer Tippel

(sowie weitere Unterschriften)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung