22.06.2018

Breitband für Ortsteile: Telekom grätscht in Schriesheim dazwischen

Unternehmen unterbreitet Angebot für Altenbach - Ursenbach könnte aber zum Zünglein werden

Schriesheim. (mpt) Schnelleres Internet für Altenbach und Ursenbach: In den beiden Ortsteilen soll der Breitbandausbau vorangetrieben werden. Unklar ist aber noch, durch wen das Upgrade erfolgen soll - und wie schnell die digitale Datenautobahn am Ende tatsächlich ist.

Denn nachdem der Zweckverband "Fibernet" die Möglichkeiten einer Zuführungstrasse geprüft hat, klopft nun plötzlich auch die Telekom an. Nun gilt es, Kosten und Nutzen der beiden Angebote gegeneinander abzuwiegen.

"Die Internetversorgung ist in Schriesheim gut, in den beiden Ortsteilen aber sehr schlecht", erklärt Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger im Rahmen der Gemeinderatssitzung. Dort wird am Mittwochabend auch Werner Riek begrüßt, Technischer Leiter des im ganzen Rhein-Neckar-Kreis agierenden Zweckverbandes "Fibernet".

Da die Telekommunikationsanbieter beim Breitbandausbau meist einen großen Bogen um kleine Ortschaften machen, wurde der Zweckverband 2014 gegründet. Sodass kleine Orte beim digitalen Wandel nicht abgekapselt werden und auf der Strecke bleiben.

Vor drei Jahren schloss sich auch Schriesheim dem Verband von Bürgern für Bürger an, da die Telekom kein Interesse am Ausbau in Altenbach oder Ursenbach zeigte.

Mit einem Videoclip wirft Riek einen Blick in die digitale Zukunft - die teilweise schon heute stattfindet. Home-Office, Smart Home, immer virtueller werdende Lebenswelten - schnell wird deutlich, dass das High-Speed-Internet von heute, das meist durch Kupferkabel fließt, morgen schon als längst überholt gelten kann.

Um aber eine langfristige und nachhaltige Internetversorgung zu gewähren, empfiehlt der Experte einen Anschluss mit Glasfaserkabeln bis vor die Haustüre, das sogenannte "Fiber To The Home" (FTTH).

Der Anschluss an diese Datenautobahn könnte über eine Zukunftstrasse erfolgen, die von Wilhelmsfeld über Altenbach bis nach Ursenbach führt. Mit einer hohen Förderungsstufe sei beim digitalen Ausbau zu rechnen, aber auch mit Kosten von mindestens 328.000 Euro.

Inzwischen hat aber auch die Telekom ein Angebot unterbreitet. "Sie sagen, sie würden Altenbach anschließen, ohne Kosten für die Stadt", erklärt Christian Wolf von der Grünen Liste.

Das Zünglein an der Waage: Ursenbach. Mit seinen 63 Haushalten lohne sich die Erschließung für den Kommunikationsgiganten nicht. Es sei denn, die Stadt würde hierbei die Kosten selbst tragen. Wolf empfiehlt deshalb, erst einmal den genauen Telekom-Preis für den Ursenbach-Anschluss zu erfahren, ehe eine konkrete Entscheidung getroffen werden kann.

Riek warnt jedoch davor, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Schließlich handele es sich beim Angebot der Telekom nur um einen Vectoring-Ausbau, um eine Aufwertung der bestehenden Kupferkabel. "Fibernet" biete hingegen den wichtigen ersten Schritt an, um jeden Haushalt mit Glasfaser zu versorgen.

"Das ist ein fundamentaler Unterschied, eine ganz andere Technologie", so Riek. In zehn, 15 Jahren könnte erneut der Ruf nach Glasfaser laut werden. "Aber dann gibt es wohl keine Förderung mehr. Man sollte sich jetzt nicht den Ast abschneiden, der Glasfaser heißt", warnt er.

"Wir sollten auf jeden Fall langfristig denken und das Heft selbst in die Hand nehmen", spricht sich Sebastian Cuny von der SPD für das Glasfaser-Angebot aus. Auch bei CDU und FDP geht die Tendenz Richtung Zweckverband "Fibernet", während die Freien Wähler den Zeitdruck bemängeln.

Schon am 15. Juli soll der Gemeinderat eine Entscheidung fällen, ohne alle genauen Zahlen zu kennen. Deutliche Worte findet hingegen Herbert Kraus: "Wir sind gegen die Telekom, sie hatten vor Jahren kein Interesse an uns kleinen Orten", betont der Ortsvorsteher von Altenbach.

Die Internetversorgung sei ein wichtiges Kriterium bei der Wohnungssuche geworden - daher solle man auch zukunftsorientiert denken. Reiche man nun dem Online-Mogul die Hand, werde man heute ausreichend versorgt, morgen aber schon wieder im Stich gelassen.

"Die wedeln jetzt mit dem Wurstzipfel, aber wir sind denen so etwas von egal. Es ist absehbar, dass wir in ein paar Jahren schon wieder an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen", spricht sich auch Rolf Pranner, der stellvertretende Ortsvorsteher Ursenbachs, in seinem Plädoyer gegen den großen Anbieter und für den Zweckverband "Fibernet" aus.

Nach einem positiven Beschluss würde es ungefähr neun Monate dauern, bis die beiden Ortsteile mit dem Internet aus der Glasfaser versorgt werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung