22.06.2018

Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim: "Brutal hohes Risiko, aber auch einmalige Chance"

Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim: "Brutal hohes Risiko, aber auch einmalige Chance"Gemeinderat diskutierte kontrovers über die geplante energetische Sanierung

Die energetische Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums ist ein finanzieller Kraftakt. Foto: Dorn

Von Marco Partner

Schriesheim. Es ist eine Investition in die Zukunft. Aber auch ein finanzieller Kraftakt, der Schriesheim auf Jahrzehnte beschäftigen wird. 32 Millionen Euro müsste die Stadt für die geplante energetische Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums (KGS) aufbringen. Dementsprechend sorgfältig stecken die Gemeinderatsmitglieder auch das Für und Wider der bevorstehenden Mammutaufgabe ab.

"Es ist ein brutal hohes Risiko, aber auch eine einmalige Chance", betont Wolfgang Renkenberger (FDP) "Das wird auch die nächste Generation finanziell belasten", befürchtet Robert Hasenkopf von der Grünen Liste. Gleichzeitig könnte gerade die kommende Generation aber auch am ehesten von der Maßnahme profitieren. Bürgermeister Hansjörg Höfer kann bei der Sitzung am Mittwochabend zumindest mit einer erfreulichen Nachricht aufwarten. Nach der mündlichen Zusage folgte nun auch der schriftliche Bescheid. Mit 6,73 Millionen Euro könnte die Sanierung durch das Bundesprogramm gefördert werden.

Da ganz Nordbaden insgesamt mit 70 Millionen Euro für anstehende Schulsanierungen bedacht wird, eine erstaunlich hohe Summe. "Das sind fast zehn Prozent", rechnet Höfer vor - und deutet die Förderung auch als Zeichen, dass man bereits gute Vorarbeit geleistet hat. Dass Gemeinderat, Schulleitung und Eltern an einem Strang ziehen, um die Schule zu sanieren.

6,73 Millionen Euro - zumindest knapp ein Fünftel der großen Summe wären damit bereits gedeckt. Bleiben weitere 25 Millionen Euro, die es zu stemmen gilt. "Es wäre die größte Investition der letzten Jahrzehnte. Aber wir sollten das erhalten, was unsere Vorväter in den 50er Jahren auf den Weg gebracht haben", sagt Höfer mit Blick auf die gewachsene Tradition des KGS. Und mögliche Alternativen halten sich in Grenzen, denn bei einer Begehung des Gymnasiums machten die Gutachter deutlich, dass eine Grundsanierung eigentlich unvermeidbar ist.

Das Zeitfenster für eine Generalüberholung der Schule sei aktuell denkbar gut: bei hoher Konjunkturphase, hohen Steuereinnahmen, niedrigen Zinsen und Zuschüssen des Landes. Die Schattenseiten will der Bürgermeister aber auch nicht außer Acht lassen. "Die Investition führt uns an den Rand dessen, was wir uns leisten können.

Niemand weiß, wie es sich entwickeln wird", gesteht er - und verspricht, im Falle einer Sanierung möglichst weitere Förderprogramme anzuzapfen, um den 25 Millionen Euro großen Berg weiter abzutragen. Höfer: "Davon sollten wir doch noch etwas runterkommen und möglicherweise an den Standards etwas ändern." Auch sei mit den Planern zu besprechen, ob einige Maßnahmen geschoben oder gegebenenfalls ganz weggelassen werden können.

Trotz aller guten Vorsätze, Vorarbeit und Fördertöpfen begegnen die Gemeinderatsmitglieder dem Großprojekt immer noch mit gemischten Gefühlen. "Wir waren ursprünglich gegen die Sanierung und finden auch jetzt noch, dass es finanziell kaum leistbar ist", betont Hasenkopf. Ob auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin so stabil bleiben und sich als Segen erweisen, sei nicht abzusehen. "Wenn die Baupreise auch nur um zehn Prozent steigen, ist das bei 32 Millionen Euro schon eine Menge Geld", warnt der Grünenpolitiker.

"Wenn nicht jetzt, wann dann", findet hingegen Sozialdemokrat Sebastian Cuny. Auch wenn die Maßnahmen die Stadt an die "Grenzen des Leistbaren" bringen, sei "historisch eine einmalige Chance" gegeben. Auch Christdemokratin Andrea Diehl votiert für die Sanierung. Verbunden mit der Hoffnung, dass weitere Fördergelder generiert werden. Zum Beispiel auch über einen Spendenaufruf bei Unternehmen. Parallel dürften aber auch Grund- und Realschule nicht auf der Strecke bleiben.

"Es sollte keine Entscheidung gegen andere Projekte sein. Wir sollten es wagen, jetzt sind die Töpfe da", pflichtet Renkenberger bei. Gerade das Gymnasium sei mit ein Grund, weshalb Familien nach Schriesheim ziehen. Wie Christian Wolf (Grüne Liste) durchblicken lässt, könnte die Maßnahme aber aufgrund ihres enormen Kostenvolumens laut Kommunalrecht durchaus mit Bedingungen verknüpft sein: zum Beispiel mit Steuererhöhungen, zusätzlichen Einnahmen durch Neubaugebiete oder auch eine Sperre im sozialen Wohnungsbau.

Aus einer anderen Richtung nähern sich hingegen die Freien Wähler. Bernd Hegmann stellt infrage, ob Schriesheim überhaupt ein so großes Gymnasium benötige, da 30 Prozent der Schüler von auswärts kommen. Auch die anderen Kommunen könnten an den Kosten beteiligt werden. Wolfgang Metzger schlägt dagegen den Neubau eines komplett neuen Schulzentrums an anderer Stelle als kostengünstigere Alternative vor. "Das ist ihre Behauptung, dass es billiger wäre", antwortet Höfer - und stellt klar: "Eine Schule dieser Größenordnung kostet eben diesen Preis. Das sind die Fakten."

Bis zum 25. Juli haben die Gemeinderatsmitglieder nun Bedenkzeit. Dann sollen bei der Sitzung konkretere Pläne und Kostenkalkulation vorgestellt werden. Bei einem positiven Beschluss könnte die Planungsphase im Januar 2019 abgeschlossen sein. Allein die Vorplanung kostet rund 1,5 Millionen Euro. Die Schüler müssten während der Sanierungsphase in Containern untergebracht werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung