28.06.2018

Zehn Jahre Warten auf blindengerechte Ampel

Zehn Jahre Warten auf blindengerechte AmpelSeit 2007 sind Blindensummer an der Ampel Talstraße/B3 geplant - Erst jetzt hat der Kreis die Umrüstungsplanung in Auftrag gegeben

Beim Überqueren der B 3 an der Kreuzung zur Talstraße ist Katja Jag (2.v.l.) auf Hilfe angewiesen. Schon 2007 forderten Reha-Lehrerin Birgit Lang (l.), Barbara Schenk-Zitsch und Heinz Waegner eine Umrüstung der Ampel. Die wurde zugesagt, aber nicht umgesetzt. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Es ist jetzt genau zehn Jahre her, dass die Grüne Liste, Katja Jag und das Reha-Team Sehwerk Rhein-Neckar unabhängig voneinander die Einrichtung von zwei Ampeln mit Blindensummern an der Querung der Talstraße (L 536) über die B 3 sowie auf der Höhe des Rathauses beantragt haben.

Eine Verkehrstagfahrt kam damals zu folgendem Ergebnis: Der Antrag, so die Verkehrskommission, sei schlüssig und so schnell wie möglich umzusetzen. Das Bauamt der Stadt schrieb in seinen Unterlagen, die Angelegenheit sei "pflichtig" fürs Straßenverkehrsamt des Rhein-Neckar-Kreises.

Klar war aber auch, dass die blinden- und sehbehindertengerechte Umgestaltung der Ampelanlage über der B 3 auf Höhe des früheren Hotels "Schwarzer Adler" Priorität habe. Das war 2007. Im Oktober 2008 hakte Stadträtin Barbara Schenk-Zitsch ein weiteres Mal nach. Seitens der Verwaltung ließ der damalige Ordnungsamtschef Willy Philipp wissen, er habe mit dem zuständigen Sachbearbeiter vom Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis Rücksprache gehalten.

Demnach befinde sich die Umrüstung der Ampelanlage in Planung. Mit einer Fertigstellung sei spätestens Anfang 2009 zu rechnen. "Dann hieß es, man sollte auf den Umbau des OEG-Bahnhofs warten, weil man in diesem Zusammenhang ja alles neu takten müsse", sagte Barbara Schenk-Zitsch jetzt beim Pressetermin mit Heinz Waegner, Katja Jag und Reha-Lehrerin Birgit Lang von "Sehwerk".

Sie habe bei der Sichtung ihrer Unterlagen festgestellt, dass die ganze Geschichte jetzt seit zehn Jahren laufe, sagt Schenk-Zitsch. Also rief sie kürzlich am 4. Juni wieder beim zuständigen Sachbearbeiter des Landratsamts, Verkehrsingenieur Gerald Teufel, an. Und fand es nach eigenen Angaben "ziemlich skandalös", was sie zu hören bekam: "Es hieß, die Umrüstung sei nicht geplant, dafür sei kein Geld da. Und fraglich sei, ob sie überhaupt nötig wäre. So etwas sei teuer und auch nicht immer erfolgreich", zitierte Schenk-Zitsch. Ergo, sie solle die Umrüstung am besten noch einmal neu beantragen.

"Traurig ist das", sagte Heinz Waegner. Und das, obwohl sich die Stadt das Thema "Barrierefreiheit" fest an die Brust geheftet hat. Waegner wiederholte seine Aussage von vor zehn Jahren noch einmal: "Wir stehen immer noch ganz am Anfang. Schade, dass eine Angelegenheit, die so wichtig ist, angezweifelt wird." Beide wollen nun Landrat Stefan Dallinger kontaktieren. Für Katja Jag, Lehrerin an der Schloss-Schule in Ilvesheim, einer staatlichen Einrichtung für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche, bleibt die Querung über die B 3 an dieser Stelle unpassierbar. Sie wäre hier unter anderem auf einen taktilen Leitstreifen und ein akustisches Signal angewiesen, um zu wissen, dass sie hier auf eine Blindenampel trifft.

"Es gibt DIN-Normen", sagte Birgit Lang, die riet, sich Beratung und Unterstützung beim Badischen Blindenverband einzuholen. Selbst bei neueren Ampelanlagen wie am RNV-Bahnhof oder zuletzt am Ärztehaus in der Ladenburger Straße sei nicht alles gut und die geltenden Normen nicht angewandt worden. Zudem gebe es technische Möglichkeiten, eine Bestandsampel ohne hohe Kosten umzurüsten. Sie versprach den Grünen einen Firmenkontakt, damit sich ein Fachmann die Anlage ansehen und seine Einschätzung abgeben kann.

Das Landratsamt hat laut Sprecherin Silke Hartmann beim Regierungspräsidium Karlsruhe Ende 2017 Gelder für die Umstellung der Ampelanlage beantragt. Inzwischen gebe es eine Zusage, das Straßenbauamt habe ein Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt.

Wie viel die Umstellung kostet, hänge davon ab, ob nur eine oder mehrere koordinierte Ampelanlagen umprogrammiert werden müssten, so Hartmann. Blinde hätten andere Gehgeschwindigkeiten, deshalb müsse die Ampel womöglich anders getaktet werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung