09.08.2018

Winzer haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zur Hitzewelle

WG-Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Krämer sieht drei mögliche Szenarien – Federweißer wird vermutlich noch im August gelesen

Schriesheim. (mpt) Fluch oder Segen? So ganz einordnen können und wollen die Winzer die derzeitige Hitzewelle derzeit noch nicht. Die Reben sind ob der starken Sonneneinstrahlung prall gefüllt, gerade für die jungen Hänge könnte der Überschuss an Trauben aber noch zum Problem werden. "Ich bin da zwiegespalten", erklärt Winfried Krämer, der Aufsichtsratsvorsitzende der Winzergenossenschaft, bei der Generalversammlung zu später Stunde - und veranschaulicht dann doch drei mögliche Szenarien. Denn das Entscheidende sei nun weniger der ungewöhnlich heiße Sommer, sondern das, was danach kommt.

"Das Wetter ist wie immer der Ungewissheitsfaktor", sagt Krämer. Klar scheint, dass nach der Dürreperiode durch die warmen Sommermonate nun auch der Herbst früher als sonst Einzug hält. Aber mit welchen Auswirkungen? Die erste Option wäre wohl der Wunsch aller Winzer: Regen. Dann sei noch mal mit einer Ertragssteigerung von bis zu 30 Prozent zu rechnen.

Doch der nasse Traum könnte auch ins Wanken geraten, wenn es der Himmel zu gut mit der trockenen Erde meint. "Bei Starkregen könnte der Ertrag sogar um 50 Prozent steigen, aber 30 Prozent würden wohl zusammenfaulen", vermutet Krämer. Das wäre insbesondere ein Problem für die aktuell überproportional behangenen Rebstöcke. Deshalb rät Krämer, möglichst viele Begehungen zu unternehmen, und die Reben gegebenenfalls ein wenig zu "entlasten".

Bleibt als dritte Alternative, dass es mit dem Wetter einfach so weitergeht wie bisher. Bei andauernder Trockenheit seien Gewinne oder Verluste um die fünf Prozent zu erwarten. Am 21. August wollen sich die Winzer beraten, in welchem Zeitfenster die diesjährige Lese durchgeführt wird. Für die Federweißenlese wird es aller Wahrscheinlichkeit nach wieder einen vorgezogenen Termin geben, vermutlich noch im August. "Wir müssen alle Chancen ausreizen, aber mit Niederschlägen ändert sich alles", sagt auch Geschäftsführer Harald Weiss.

"Drei Dinge sind’s, die ergeben den Wein: die Erde, die Rebe, der Sonnenschein,", erinnert Weinkönigin Sophie, die wie ihre Prinzessinnen Ivanka und Sofia sowie Bereichsprinzessin Vanessa der Versammlung beiwohnt, an einen alten Winterspruch. "Doch wenn die Arbeit des Winzers nicht wär’, dann bliebe der schönste Becher leer." Die Tatkraft der Weinbauern wird also gefragt sein. Egal für welche der drei Optionen sich das Wetter letztlich entscheidet.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung