10.08.2018

Ein Paradies für Schmetterlinge und Vögel im Weinberg

Thomas Fischer hat im Wingert von Schriesheim ein tolles Biotop angelegt

Von Carolina Paul

Schriesheim. Von der Brombeerhecke zum Biotop für Schmetterlinge: Diesen Traum hat sich Wolfgang Fischer in einem ehemaligen Wingert verwirklicht. Der leidenschaftliche Fotograf und Naturschützer hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Lebensraum für Schmetterlinge, Eidechsen, Falter und Vögel zu schaffen. Auf Dossenheimer Gemarkung erbte er vor einigen Jahren ein etwas mehr als 15 Ar großes Grundstück, das anfangs mehr einer Wildnis als einer Oase für Tiere glich.

Zwischen 2005 bis 2008 versuchte er, der Brombeerhecken Herr zu werden und rodete das gesamte Gelände in Süd-West-exponierter Hanglage. Erst 2014 konnte er endlich mit der Umgestaltung beginnen und entschied sich für die Terrassierung des Grundstücks. Mit verschieden farbigen Sandsteinmauern setzte er die Terrassierung um, seit ungefähr drei Jahren nun "wachsen die Pflanzen so vor sich hin", so Fischer.

"Ich wollte nicht zum Knecht meines Gartens werden", erzählte der frühere Leistungssportler, der sich für hauptsächlich wärmeliebende Pflanzen entschied. Wichtig bei der Auswahl war vor allem der "Futteraspekt". Die Pflanzen sollten als Nahrungs- und Futterpflanzen für Schmetterlinge und andere Insekten dienen. Heckenkirsche und Schmetterlingsflieder boten die nötigen Voraussetzungen, denn gerade Letzterer wirkt von Natur aus anziehend auf die Tiere.

Aus der stundenlangen Rodung und Umgestaltung über Jahre hinweg sind mittlerweile, nach der Fertigstellung, zwei bis drei Stunden Arbeit pro Woche geworden. Das Gießen beansprucht zusätzliche Zeit, die Fischer aber gern investiert. "Man muss dazu sagen, dass ich die Zeit auch habe. Ich bin aus dem Berufsleben ausgestiegen und bin jetzt, wie man so schön sagt, Privatier", sagt er. Gerade jetzt in der heißen Jahreszeit kommen die sieben bis acht Wasserkübel, die er in die Terrassen eingesetzt hatte, zum Einsatz. Nützlich sind die vor allem für Vögel, die dort trinken und sich abkühlen können.

"Manchmal springt da auch ein Hund rein, das merkt man daran, dass weniger Wasser im Bottich ist. Aber das ist nicht schlimm", erzählt der passionierte Hobbygärtner, der seinen Garten auch gern Spaziergängern zum Ausruhen zur Verfügung stellt. Für Grünspecht, Amsel und Co. hat er außerdem Futterstellen und Nistkästen an die Bäume und an seiner Gartenhütte angebracht.

An dem Hang sind neben einem Birn- und Apfelbaum auch Salbei, wilde Möhre, Sonnenhut und zahlreiche Sukkulenten zu finden, letztere gedeihen dort ideal. Mittlerweile hat Fischer auch die angrenzende Wiese gepachtet, die er mit einer Sense per Hand getrimmt hat. Mitten auf der wilden Wiese hatte er vor kurzem Grünschnitt aller Art aufgetürmt, in dem sich nun Eidechsen und Grashüpfer heimisch fühlen: "Falter zum Beispiel brauchen eine Wiese, um ihre Eier abzulegen", erzählte Fischer. Jetzt kann Fischer dort bunte Raupen auf die Hand nehmen. "Das wird mal ein Schwalbenschwanz. Die bunte Musterung soll Feinden signalisieren: Ich bin giftig", sagt er.

Auf dem Gebiet der Schmetterlinge kennt sich Fischer aus. "Männchen haben hinten eine Art Zange, Weibchen dagegen haben einen dickeren Hinterleib", erklärt er. Während der Garten für Insekten ein Paradies darstellt, ist der Untergrund sehr wasserdurchlässig. Durch den verwitterten Granit und Quarzporphyr versickert der Niederschlag relativ schnell.

Um Regen aufzufangen, hat er deshalb die Regenrinnen seiner Hütte mit einer Auffangtonne verbunden, sodass das wertvolle Nass weiterverwendet werden kann - um einem größeren Zweck als der Gärtnerei zu dienen. "Ich möchte dem Menschen die Natur näherbringen", sagt Fischer.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung