11.08.2018

Auf der Jagd nach "Weißem Rotzling" und "Gemeinem Grottenolm"

Auf der Jagd nach "Weißem Rotzling" und "Gemeinem Grottenolm"Jägerstammtisch macht mit Plakaten auf Müll im Wald aufmerksam

Wollen nicht nur im Frühjahr aufräumen, sondern auch vorbeugen: die Mitglieder des Jägerstammtischs. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Wer in Schriesheims Wäldern unterwegs ist, kann dort eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt erleben: Rehe, Wildschweine, aber auch Gelbbauch-Unke und Uhu sind im Forst und im Steinbruch zuhause. Doch neben manchen gefährdeten Tieren bevölkern auch gänzlich unerwünschte Bewohner den Schriesheimer Wald - so viele, dass der Jägerstammtisch nun mit einer Plakataktion auf sie aufmerksam macht.

Leider noch nicht ausgestorben sind zum Beispiel der "Runde Dungwischling" und der "Gemeine Grottenolm", wie die Jäger Klopapierrolle und Kondomverpackung bezeichnen. Auch der "Weiße Rotzling", von Laien Taschentuch genannt, findet sich immer wieder bei Spaziergängen auf der Gemarkung der Weinstadt. Und obwohl die Jäger jedes Jahr gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfern auf die Pirsch gehen, um möglichst viele der gefährlichen Tiere zu fangen und aus dem Wald zu bannen, wird die Situation nicht besser.

"Jetzt wollen wir im Voraus etwas dagegen tun", sagt Steffen Vree, Leiter des Hegerings Weinheim. Ganz allein ist der Stammtisch der Schriesheimer Jäger aber nicht auf die kuriosen Tiernamen gekommen: Die Idee stammt ursprünglich von der Abfallwirtschaft des Landkreises Osnabrück. Eva Bielig, deren Mann Georg Jäger ist, wurde darauf aufmerksam. "Ich fand das witzig, weil es auch den Intellekt des Lesers ein bisschen anspricht und so vielleicht hängen bleibt", sagt der.

Also baten die Jagdkameraden darum, die Vorlage verwenden und für Schriesheim abwandeln zu dürfen. Nach der Erlaubnis aus dem hohen Norden legten sie zusammen: Zwei Euro kosten die hundert bestellten wetterfesten Papp-Plakate pro Stück. Die Jäger investieren gern in die Aktion und hoffen auf gute Resultate: "Der Müll ist nicht nur für die Wildtiere gefährlich", sagt Vree. Auch Spaziergänger und Hunde seien von Arten wie der "Schnapsschleiche", also Glasflaschen, betroffen.

"Wir haben im Wald wirklich schon alles gefunden", sagt Bielig, "von A wie Autoreifen bis Z wie Zigarette". Beispiele kann Kollege Siegbert Rieger nennen: eine Fritteuse mit Fett, bei der immerhin die Kabel abgeschnitten waren, Möbel, Reisekoffer, ein Gebiss, Spraydosen. "Es gibt eigentlich nichts, was man nicht findet", sagt Steffen Vree. Wenn die Jäger größere Mengen Abfall finden, melden sie das der Stadtverwaltung. Deren Bauhof kümmert sich um die Entsorgung.

Doch beim Aufräumen im Wald kann jeder helfen, finden die Jäger des Stammtischs - angefangen bei Hundebesitzern, die die Mülltüten mit Kot nicht einfach an Ort und Stelle liegen lassen oder ins Gebüsch schmeißen. "Diese ,Beuteltiere‘ fehlen eigentlich noch auf dem Plakat", sagt Eva Bielig. "Die machen wir auf die nächste Vorlage drauf", sagt Vree und lacht.

Ob es eine zweite Auflage geben wird, ist noch nicht entschieden. Die ersten Reaktionen auf die Pappschilder seien aber positiv gewesen, erzählt Georg Bielig. "Sie sind schon viel fotografiert worden und kursieren in den sozialen Netzwerken." Die Jäger wollen mit der Aktion aber auch gegen den Eindruck kämpfen, sie seien "nur diejenigen, die im Wald einfach alles totschießen", sagt Siegbert Rieger. Deswegen werden sie auch im kommenden Frühjahr nach dem Mathaisemarkt wieder mit freiwilligen Helfern in den Wald ziehen, um auf die Jagd nach den gefährlichsten aller Waldbewohner zu gehen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung