09.10.2018

Spielplatz Mozartstraße in Schriesheim: Nur drei Anwohner wollten mitmischen

Infoabend zum Spielplatz Mozartstraße stieß auf wenig Interesse - Die anwesenden Besucher waren vom Konzept jedoch begeistert

Von Nadine Rettig

Schriesheim. "Der Mensch ist ein bewegtes Wesen", erklärte Bewegungspädagoge Rolf Schwarz beim Infoabend zur Neugestaltung des Spielplatzes Mozartstraße am Donnerstagabend. Deshalb sei es wichtig, gerade im Kindesalter genügend Möglichkeiten zu bieten, sich im Freien austoben und ausprobieren zu können, so der Professor an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Und so stand bei der Infoveranstaltung nicht nur der Spielplatz in der Mozartstraße, sondern auch die Spielsituation für Kinder in Schriesheim allgemein auf der Tagesordnung.

Dennoch kamen nur drei Anwohner der betroffenen Quartiere, um sich einzubringen. Wie wichtig es für Kinder sei, die Möglichkeit im Freien zu spielen zu haben, erläuterte Schwarz zu Beginn seines Vortrags anschaulich anhand mehrerer Studien: "Deutsche Kleinkinder verbringen durchschnittlich 84 bis 90 Prozent ihres Lebens in geschlossenen Räumen."

Gegen diesen Trend in Schriesheim vorzugehen, hat sich Schwarz nun zur Aufgabe gemacht. Er ist sich sicher: "Würde man den Kindern den Freiraum und Spielraum geben, würden sie sich viel mehr bewegen." Doch Schwarz machte auch deutlich, dass es sich dabei nicht immer um einen Spielplatz handeln muss, sondern Kindern oft schon eine große Wiese als Spielgelegenheit ausreichen würde. Doch auch diese haben in Schriesheim seit 2009 durch starke Bebauung der Grünflächen drastisch abgenommen, erklärte Schwarz anhand einer Karte mit wohnortnahen Spielgelegenheiten.

Dabei wurde schnell klar, dass gerade Spielräume östlich der B 3 zu selten sind. Das führe zu einer "Verinselung", so Schwarz. Diese Entwicklung sei inzwischen in vielen Gemeinden zu beobachten. Dadurch fielen mehr und mehr Spielmöglichkeiten weg, weshalb Eltern die Kinder aus allen Ecken der Stadt mit den Autos zu einer einzigen Spielgelegenheit fahren. So würden diese Anlagen zu richtigen "Hotspots" für Verkehr, während es für die Kinder keine Spielmöglichkeiten vor der eigenen Haustür mehr gebe, so Schwarz.

Um Kindern eben diese Möglichkeit geben zu können, steht nun als erster Schritt die Gestaltung des Spielplatzes in der Mozartstraße auf der Agenda der Stadt. Schwarz hatte in seiner ehrenamtlichen Arbeit ermittelt, dass mit entsprechenden Orientierungshilfen für Kinder, zum Beispiel mit Schildern, der Spielplatz für alle Kinder des betreffenden Quartiers gut erreichbar ist.

Dass diese Fläche auch für den Bedarf in den nächsten Jahren reicht, war Schwarz dabei besonders wichtig: "Wir wollen den Spielplatz nicht nur für jetzt planen, sondern für die nächsten 20 Jahre." Besonders wichtig sei es ihm, auch die Anwohner und die Kinder selbst in die Planung miteinzubeziehen. Aus diesem Grund soll bald ein Fragebogen im entsprechenden Umkreis verteilt werden, auf dem die Anwohner ihre Anregungen und Wünsche äußern können.

Die drei Anwohner, die sich am Donnerstagabend im Rathaus eingefunden hatten, lobten diesen Weg. "Ich freue mich darauf, weil man richtig mitgenommen wird", sagte einer von ihnen. Er freue sich bereits darauf, mit seinen Kindern über den Spielplatz zu toben. Eine weitere Anwohnerin erinnerte sich gerne an die Zeit zurück, in der sie mit ihrer inzwischen erwachsenen Tochter auf dem Spielplatz gespielt hat. Und auch wenn ihre Tochter inzwischen zu alt dafür sei, freue sie sich auf das Projekt in ihrer Straße. Sie äußerte lediglich Bedenken, dass der Spielplatz, wie auch jetzt schon, weiterhin von Jugendlichen als Treffpunkt für Trinkabende genutzt werden könnte.

Schwarz will die Jugendlichen deshalb mit in die Planungen einbinden. So könne man zum Beispiel versuchen, über den aktiven Jugendgemeinderat in Schriesheim an die Jugendlichen heranzukommen und so "von Jugendlichen zu Jugendlichen zu kommunizieren".

Gemeinderatsmitglied Christian Wolf merkte zudem an, dass sich auch viele ältere Erwachsene über einen Platz freuen würden, an dem sie sich ungezwungen zu einem Schwätzchen treffen könnten. Schwarz versprach, auch über diesen Impuls nachzudenken, wenn die Spielplatzplanung nun in die nächste Phase geht.

Man werde nun eine Planung ausarbeiten und das Geld für den Spielplatzbau in den Haushalt im nächsten Jahr einplanen, erläuterte Bürgermeister Hansjörg Höfer die kommenden Schritte für den Bau des "Spielraums" in der Mozartstraße. Wenn alles nach Plan läuft, kann das Projekt 2019 realisiert werden. Damit würde Schriesheim einen ersten, aber wichtigen Schritt in Richtung Spielstadt machen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung