10.04.2004

Die Nachbarschaftshilfe wurde zum "Renner"

Wahlen, Dienste, Gesundheitsreform: Jahreshauptversammlung der Kirchlichen Sozialstation Schriesheim - 2003 wurde gut gewirtschaftet

Schriesheim. (anzi) Es bleibt alles beim alten bei der Kirchlichen Sozialstation Schriesheim. Zumindest, was den Vorstand anbelangte. Bei der im evangelischen Gemeindehaus abgehaltenen Jahreshauptversammlung der Sozialstation, deren Betreuungsgebiet Schriesheim, Altenbach, Leutershausen, Großsachsen, Wilhelmsfeld, Hohensachsen und Ritschweier umfasst, mussten die Vorstandsmitglieder neu gewählt werden. Doch jedes Mitglied des alten Teams, stand zur Wiederwahl zur Verfügung. So fiel es dem Hirschberger Bürgermeister Werner Oeldorf leicht, die Wahl zu leiten. Der neue alte Vorstand besteht nun aus Siegfried Wachter als erster Vorsitzender, Gerhard Seiser als sein Stellvertreter und Eva Beisel (evangelische Kirchengemeinde Schriesheim West), Karl-Heinz Geißler (katholische Pfarrgemeinde Leutershausen), Ingrid Haselbeck (katholische Pfarrgemeinde Wilhelmsfeld), Wolfgang Herwig (evangelische Kirchengemeinde Schriesheim Ost), Hannelore Hildner (evangelische Kirchengemeinde Altenbach), Maria Ruch (evangelische Kirchengemeinde Großsachsen), Karin Teltschik (evangelische Kirchengemeinde Wilhelmsfeld), Rudolf Uhrig (katholische Pfarrgemeinde Altenbach) und Sigrid Zweigart-Pérez (evangelische Kirchengemeinde Leutershausen).

Der erste Vorsitzende Siegfried Wachter (Foto: Kreutzer) berichtete, die Kranken- und Altenpflege betreute 2003 monatlich 150 Patienten. 30825 Hausbesuche und 40910 Hausbesuche mit Haushaltspflege wurden gemacht. Zwei Mitarbeiter beendeten ihr Arbeitsverhältnis, dafür kamen zwei neue hinzu. "Mit 15,8 Prozent Arbeitsausfallquote liegen wir sehr niedrig", lobte Wachter die Mitarbeiter. In der Haus- und Familienhilfe kamen 25 Familienpfleger oder Dorfhelfer im Jahr 2003 zum Einsatz. Die Sozialstation habe zudem im 25-jährigen Jubiläumsjahr einiges an Öffentlichkeitsarbeit geleistet. "2004 ist das Ziel eine optimale und fachliche Versorgung. Qualitätssicherende Maßnahmen werden überarbeitet und regelmäßige Weiterbildung angeboten", hob der erste Vorsitzende hervor.

Mit der Belegung der Tagespflege sei man für das Jahr 2003 mit 1984 Gasttagen zufrieden, es könnten aber auch etwas mehr sein. "Die Menschen haben kapiert, was wir hier leisten. Wir werden unbedingt gebraucht", so Wachter. Für die Nachbarschaftshilfe gab und gibt es eine große Nachfrage: "Die Mitarbeiter waren stark gefordert." Für die Leitung dankte Wachter Gabriele Mohr-Nassauer und auch für die Flexibilität und Bereitschaft der gesamten Nachbarschaftshilfe.

Geschäftsführerin Christel Sauer legte anschließend die Jahresrechnung 2003 und den Wirtschaftsplan 2004 vor. 2003 sei mehr Behandlungspflege genehmigt worden, als vorausgesagt. Immer mehr greifen auf das Angebot der Nachbarschaftshilfe zurück, so machte diese einen Gewinn von über 6500 Euro. Bei der Tagespflege ist das finanzielle Defizit recht hoch, weit über 20000 Euro. Da noch ein Zuschuss der Stadt ausstand, liegt das Defizit nun mehr bei rund 4000 Euro.

Der Stellenplan für 2004 ginge eher zurück, als das er ergänzt werde. Die Zahlen der Dorfhilfe und Familienpflege bleibe gleich, in der Hauswirtschaft nehme sie ein wenig ab, und die Stellenanzahl in der Nachbarschaftshilfe habe zugenommen. "Dort wären zwei Leute 7,5 Stunden täglich das ganze Jahr im Dienst", machte Wachter den Einsatz anschaulich und dankte Petra Hözel für die Pflegedienstleitung.

Die Mitglieder betätigten die angegebenen Zahlen einstimmig, und auch der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Der stellvertretende Bürgermeister Siegfried Schlüter, bedankte sich für das Engagement und hoffte, dass der Idealismus, der bei einer solchen Aufgabe zweifelsohne dazugehöre, nicht durch unsachgemäße Kürzungen, geschmälert werde. "Ich bin stolz als Vertreter der Kommunen, dass der Wirtschaftsplan fast 0 auf 0 ausgeht."

"Die Veränderungen im Gesundheitsbereich machen auch der Sozialstation zu schaffen", betonte der erste Vorsitzende. Der durch die finanziellen Probleme ausgelöste unterschiedliche Umgang bei Behandlungen sei ein sozialpolitisches Problem. Zur neuen Gesundheitsreform und ihren Auswirkungen, war der Dienststellenleiter der AOK Rhein-Neckar, Herbert Schenk (Foto: Kreutzer), als Referent geladen. "Ab 2006 sollen als Ersatz für die Krankenversichertenkarte fälschungssichere Karten mit Bild und Chip für den Kassenpatienten ausgegeben werden, auf der man Angaben speichern kann, die manchen Diagnoseschritt entbehrlich machen", so Schenk. Ab 2005 wird die Zahnersatzleistung wegfallen. Eine private Zusatzversicherung wird notwendig. Auch die Verischerung des Krankengeldes muss ab 2006 mit einer Zusatzversicherung abgedeckt werden.

Schenk erläuterte außerdem die Zuzahlungsregelungen der Gesundheitsreform. Kinder bis 18 Jahren sind von Zuzahlungen befreit. Die Belastungsgrenze der Zuzahlungen liegen bei maximal zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens, ein Prozent bei chronisch Kranken. "Plus Brille und Zähne", ergänzte der erste Vorsitzende Wachter scharf. Chronisch krank ist, wer mindestens einmal pro Quartal zum Arzt muss und in Pflegestufe 2 oder 3 geteilt ist. Auch wenn ein Arzt bescheinigt, dass sich ein Leiden durch Nichtbehandlung lebensgefährlich verschlimmert, gilt man als chronisch krank.

Bei den Zuzahlungen kommen die zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal hinzu, wenn es keine Überweisung ist, ein Kontrollbesuch beim Zahnarzt, ein Vorsorge- oder Früherkennungstermin, eine Schwangerschaftsvorsorge oder eine Schutzimpfung. Zehn Prozent des Abgabepreis muss der Patient bei Arzneimitteln künftig selbst zahlen, ebenso mindestens zehn Prozent bei der häuslichen Krankenpflege, zusätzlich zehn Euro je Verordnung. Und auch bei der Haushalthilfe ist eine Zuzahlung von zehn Prozent je Kalendertag nötig. Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung werden nur noch in wenigen Fällen geleistet. Sterbegeld und Entbindungsgeld entfallen ganz, erläuterte Schenk die unerfreulichen Aussichten.

Am Ende bat Sozialstationsvorsitzender Wachter den Experten dringlich, die Verordnungen, die die Ärzte ausstellen, auch anzunehmen. "Die Kasse hat es in der Hand, wie viel ihr so genannter Kunde zu zahlen hat", unterstrich er.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung