18.10.2018

Schriesheimer Talstraße: Das müssen Sie zur Sanierung wissen

Weil sie seit 1. Oktober der Stadt gehört - Aus Stuttgart kommen knapp 2,8 Millionen Euro - Brücken-Erneuerung soll 2019 beginnen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Etwa sechs Millionen Euro wird die Stadt laut eigener Schätzung für die Sanierung der Talstraße ausgeben müssen. Das geht aus Unterlagen für die Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 24. Oktober, hervor. Bisher war das Land Baden-Württemberg für die Straße verantwortlich. Seit 1. Oktober gehört sie aber der Kommune, weil sie durch den Branichtunnel ihre Bedeutung für den überörtlichen Durchgangsverkehr verloren hat. Damit ist die Stadt jetzt auch für deren Instandhaltung zuständig. Das Land zahlt im Gegenzug rund 2,8 Millionen Euro als Ausgleich. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wann beginnen die Bauarbeiten? Ab 2019 sollen nacheinander die beiden Brücken saniert werden, die laut Verwaltung in einem technisch schlechten Zustand sind. Ab 2020 würden Straße, Kanalisation, Wasserversorgung und Stützmauern zwischen B 3 und Kling-Malz in fünf Abschnitten erneuert. Im darauffolgenden Jahr könnte die Sanierung fertig sein.

Wieso zahlt das Land nur rund die Hälfte der Kosten? Laut Bürgermeister Hansjörg Höfer gehören Wasserleitungen, Kanalisation, Gehwege und Stützmauern nicht zur Straße im engeren Sinne. Dafür muss das Land also nichts zahlen. Was Fahrbahn und Brücken angeht, muss Stuttgart aber Geld an die Stadt überweisen, weil die Talstraße als L 536a bis zum 1. Oktober dem Land gehört hat. Das hat aber nichts gegen deren maroden Zustand vor dem Besitzerwechsel getan. Wie hoch der Sanierungsbedarf an der Straße ist, hat das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe selbst ermittelt. Die Stadtverwaltung hält die knapp 2,8 Millionen Euro jetzt, nach zwei Jahre währenden Verhandlungen mit dem RP und "umfassender Prüfung" der vorgelegten Zahlen, für angemessen.

Wann zahlt das Land? Wenn der Gemeinderat am Mittwoch der Vereinbarung zwischen Stadt und Land zustimmt, fließt dieses und nächstes Jahr jeweils eine Million Euro. 2020 würde Stuttgart noch einmal knapp 800.000 Euro überweisen.

Warum wird die Sanierung so teuer? Der Hauptgrund sind Gauls- und Schotterersbrücke. Beide müssen während der Erneuerung die Hochwasserschutz-Vorgaben erfüllen, der Kanzelbach kann während der Bauzeit vor allem an der Gaulsbrücke also nicht einfach durch ein Rohr geleitet werden. Dazu kommt, dass die Schotterersbrücke dem Verkehr auf der Talstraße "nur in ungestörtem vollständigen Zustand" standhält. Eine abschnittsweise Erneuerung ist damit unmöglich. Außerdem könnten nahe der Baustelle noch Teile alter Gewölbekeller oder Gebäude liegen, was die Arbeiten noch mal komplizierter macht. Brücken und Stützmauern werden samt Ingenieurleistungen voraussichtlich mehr als 2,2 Millionen Euro kosten.

Bleibt die Talstraße Umleitungsstrecke für den Branichtunnel? Ja. Auch wenn die Talstraße keine Landstraße mehr ist, bleibt sie die Ausweichmöglichkeit bei Sperrungen des Branichtunnels. Das schränkt auch die Möglichkeiten der Stadt bei einer Umgestaltung, zum Beispiel zugunsten breiterer Gehwege, erheblich ein.

Was bedeutet das Geld vom Land für ein Sanierungsgebiet entlang der Talstraße? Erst einmal wenig. In seiner Sitzung am Mittwoch wird der Gemeinderat aber auch über den Startschuss für ein solches Sanierungsgebiet entscheiden.

Info: Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch, 24. Oktober, ab 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung