27.10.2018

Talstraße Schriesheim: Die Sanierung beginnt wohl an den Brücken

Land fördert Erneuerung der Talstraße mit 2,78 Millionen Euro - Gesamtkosten dürften aber bei über 6,5 Millionen Euro liegen

Von Stefan Zeeh

Schriesheim. "Wir sind zusammen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe zu einer guten Lösung gekommen", berichtete Bürgermeister Hansjörg Höfer bei der Gemeinderatssitzung an diesem Mittwoch über die Verteilung der Kosten für die Sanierung der Talstraße. Diese wird seit dem 1. Oktober nicht mehr als Landesstraße geführt, sondern ist eine Gemeindestraße. 2,78 Millionen Euro wird das Land zur Sanierung der einstigen L536 beisteuern. Das ist der Betrag, mit dem das Land bisher nicht ausgeführte Instandhaltungsarbeiten im Zuge der Herabstufung der Talstraße zur Gemeindestraße ausgleicht.

Trotz dieser recht ansehnlichen Summe wird die Sanierung der Talstraße für die Stadt Schriesheim zu einer teuren Angelegenheit. Dabei entfallen auf die eigentliche Sanierung der Straße, inklusive der Gehwege, gut 3,9 Millionen Euro. Hinzu kommen 2,1 Millionen Euro für die Erneuerung der Schotterersbrücke und der Gaulsbrücke sowie der Stützmauern.

In diesen insgesamt sechs Millionen Euro sind aber die Ingenieurhonorare noch nicht enthalten. "Dann sind wir bei 6,5 Millionen Euro", rechnete Robert Hasenkopf-Konrad (Grüne Liste) aus. Ebenfalls nicht enthalten sind die Kosten für die Sanierung der Wasserleitung und des Abwasserkanals, was noch einmal mit zwei Millionen Euro zu Buche schlagen wird, wie Hasenkopf vermutete. Die Erneuerung der Wasserleitung und des Kanals fällt allerdings in die Zuständigkeit der Wasserver- und Entsorgungsgesellschaft Schriesheim (WVE), so Bauamtsleiter Markus Schäfer.

"Es war uns allen bewusst, dass wir die Talstraße nicht zum Nulltarif saniert bekommen", ging Michael Mittelstädt (CDU) auf die finanzielle Belastung der Stadt ein. Jedoch sei ihm bis vor ein paar Wochen nicht bewusst gewesen, dass die Diskrepanz zwischen der Ausgleichszahlung des Landes und den tatsächlichen Kosten so groß ist. Sebastian Cuny (SPD) verwies darauf, dass selbst nach der Eröffnung des Branichtunnels noch immer 6000 Fahrzeuge täglich die Talstraße befahren. Deshalb sollte man die Sanierung der Straße nutzen, um etwas für die Anwohner zu tun. Dass es ein Problem wird, die Talstraße während der Sanierungsarbeiten für den Verkehr freizuhalten, merkte Wolfgang Renkenberger (FDP) an. Denn die Talstraße muss selbst in dieser Zeit für den Durchgangsverkehr befahrbar sein, falls der Branichtunnel gesperrt werden muss.

Jutta Becker (Freie Wähler) hoffte schließlich, dass noch weitere Zuschüsse für die anstehenden Sanierungen fließen werden. Dies könnte durchaus so kommen, denn Höfer kündigte an, dass man Landeszuschüsse für die Sanierung der Brücken und Straße beantragen werde. Er zeigte sich optimistisch, dass diese auch fließen werden. "Für die Anwohner entstehen keine Kosten", betonte er zudem, da es anderslautende Gerüchte in der Stadt gebe.

Insgesamt ging Höfer von einer Bauzeit von rund vier Jahren aus, wobei voraussichtlich 2019 mit der Sanierung der Schotterersbrücke und der Gaulsbrücke begonnen wird. Allerdings habe man noch kein Konzept entwickelt, wie die Talstraße während der gesamten Sanierungsarbeiten für den Auto- und vor allem für den Lkw-Verkehr offen gehalten werden kann. Hierzu merkte Wolfgang Metzger (Freie Wähler) an, dass vor vielen Jahren der Branich schon einmal als Umleitungsstrecke gedient habe. Daran erinnerte sich Höfer, sah jedoch Probleme in dieser Lösung, da die Fahrzeuge heutzutage doch um einiges breiter seien als zu dieser Zeit.

"In der Verwaltung haben wir uns abgestimmt, dass es keinen Sinn macht, gegen diese Herabstufung Klage zu erheben", ging Bauamtsleiter Markus Schäfer noch auf die Möglichkeit ein, die Talstraße in der Zuständigkeit des Landes zu belassen. Angesichts der doch stark zurückgegangen Verkehrsbelastung der ehemaligen L536, führe aber kein Weg an der Herabstufung vorbei.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung