01.11.2018

Auch nach zwei Stunden war noch nicht Schluss

Sänger des MGV Lyra boten bei Jubiläumskonzert abwechslungsreiches Programm - Weibliche Verstärkung kam dazu aus Mannheim

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. In Zeiten, in denen es gerade Männergesangvereinen oft schwerfällt, Nachwuchssorgen und Überalterung Herr zu werden, setzt der MGV Lyra in seinem 95. Jahr des Bestehens ein Zeichen. Unter der Überschrift "Tradition trifft Moderne" gelang es Chordirektor Frank Ewald, gemeinsam mit seinen knapp 40 Sängern ein Programm auf die Beine zu stellen, das im Zehntkeller auf offene Ohren und herzlichen Beifall stieß. Ein Hinweis darauf, dass es oftmals am Repertoire liegt, wenn Chöre vom Aussterben bedroht sind.

Nicht so bei der Lyra, deren 100. Geburtstag angesichts dieses abwechslungsreichen Herbstkonzerts in Schriesheims voll besetzter guter Stube ungefährdet scheint. Unter dem Dirigat von Ewald und, sofern der gepflegte und harmonische Chorgesang nicht a cappella daherkam, aufmerksam begleitet von der ausgezeichneten Pianistin Mihaela Tomi, rief der Chor sein Potenzial präzise ab.

Dabei sauste er durch verschiedenste Zeiten und Stilrichtungen, wechselte vom bewegenden "I am sailing" von Rod Stewart hin zum alten Volkslied "Kein schöner Land in dieser Zeit" oder gleich darauf zum anrührenden Liebeslied "Cheste viole" aus dem italienischen Friaul.

Gut beherrschte der MGV vertrackte Rhythmen und gefiel in der Balance an- und abschwellender Tonstärke. Die ersten "Bravo"-Rufe heimsten die Lyraner nach dem sechsstimmigen, sehr dynamischen, kenianischen Volkslied "Wana Baraka" ein. Das ursprünglich als Kinderlied konzipierte Stück brachte nach einem zarten Einstieg einige Überraschungen mit sich, die dem Publikum hörbar Freude machten.

Den Sängern verschaffte Ehrenmitglied Siegfried Wachter zwischendurch kleine Verschnaufpausen. Der Moderator versorgte die Zuhörer bei diesen Gelegenheiten mit kurzen Informationen über die jeweiligen Titel und kündigte weitere "Geburtstagsgäste" an. Neben Pianistin Tomi waren das zunächst Sopranistin Yeani Lee, deren raumgreifende Stimme bei Werken von Richard Strauss oder Charles Gounod ins Ohr ging, in höheren Lagen aber einen Tick zu laut erschien.

Nach der Pause bei Laugengebäck und Schriesheimer Weinen gestalteten die "U55"-Lyraner zunächst einen eigenen kleinen Block, der ihnen Beifall auch aus den Reihen der etwas älteren Mitsänger eintrug. Ohne Zugabe, in diesem Fall Heinz Rühmanns "La, Le, Lu", durften die elf jüngeren Sänger nicht von der Bühne. Ein Dreivierteljahr hatte Ewald mit dem MGV geprobt, hatte Neues einstudiert und das vorhandene Repertoire aufgefrischt.

Rund und sauber kam der den Sängern lieb gewordene Ohrwurm "You raise me up" daher, gefolgt vom nächsten Spiritual "We shall walk through the valley in peace" von William Appling. Nach dem nachdenklichen Stück "Engel" dann das Kontrastprogramm, bei dem die Zuschauer am liebsten die Stühle zur Seite geräumt hätten, um mitzutanzen.

Die von Wachter als "lustige Hörnertruppe" angekündigten "Kurpälzer Krummhornbläser" machten dieser Einschätzung alle Ehre. Ihre Spielfreude und ihr Spaß an Titeln wie "Hulapalu" von "Volksrocker" Andreas Gabalier, "Ein Hoch auf uns" von Andreas Bourani oder das pfiffige "Katrin" von den "Bläck Fööss" wirkten hochgradig ansteckend. Bei "Katrin" und "Rock Mi", letzteres aus der Feder von "voXXclub", glänzten Timo Fersching und Rüdiger Weber als Chorsolisten.

Und so war für Zuhörer und Sänger klar, dass nach dem letzten Stück "Glory Halleluja" noch nicht Feierabend sein durfte. Das Publikum wollte mehr und die Lyraner ließen sich nicht lange bitten. Der Abend war trotz über dem zweistündigen Konzert ja auch noch jung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung