06.11.2018

Auch Altenbach will ein naturnahes Grabfeld

Auch Altenbach will ein naturnahes Grabfeld15.000-Euro-Projekt wird im Ortschaftsrat vorgestellt - Angebot soll nicht in Konkurrenz zu möglichem Bestattungswald stehen

Das im Juli eingeweihte naturnahe Grabfeld auf dem Schriesheimer Friedhof wird laut Stadtverwaltung "gut angenommen". Bald könnte ein ähnlich großes Areal im Nordosten des Altenbacher Friedhofs entstehen. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim-Altenbach. Seit Ende Juli gibt es auf dem Friedhof der Kernstadt die Möglichkeit, naturnah in Urnen bestattet zu werden - jetzt zieht Altenbach nach: In seiner Sitzung am heutigen Dienstagabend, ab 19 Uhr, berät der Ortschaftsrat über die Pläne für ein naturnahes Grabfeld auf dem Friedhof des Ortsteils. Den Entwurf hat die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner kostenlos erstellt, das Grabfeld anzulegen, würde laut Schätzung der Verwaltung etwa 15.000 Euro kosten.

Die Vorstellung kommt gut zwei Wochen nach dem Vorstoß der Schriesheimer Gemeinderatsfraktionen von Grüner Liste, SPD und FDP, mit der Friedwald GmbH über die Einrichtung eines Bestattungswalds zwischen Altenbach und Wilhelmsfeld zu verhandeln. Anfang 2017 war diese Idee nach den Ergebnissen eines bodenkundlichen Gutachtens gescheitert. Die zuvor von den Freien Wählern ins Spiel gebrachte Möglichkeit eines naturnahen Grabfelds wurde in Schriesheim aber umgesetzt, auch in Altenbach fand ein entsprechender Antrag 2016 einhellige Zustimmung.

"Das Grabfeld hat mit dem Bestattungswald aber nichts zu tun", sagt Ortsvorsteher Herbert Kraus. "Die Bestattungskultur hat sich schlicht verändert, und dem wollen wir Rechnung tragen." Deswegen stehe das Thema auch unabhängig vom Verhandlungsstand mit der Firma Friedwald auf der Tagesordnung. "Das wurde 2016 so beschlossen", so Kraus. "Und nicht alle alten Menschen können einen Bestattungswald gut begehen." Naturnahes Grabfeld und ein möglicher Bestattungswald sollen also nicht in Konkurrenz zueinander stehen.

Auch ein Wettbewerb zwischen den Friedhöfen in Ortsteil und Kernstadt ist laut Kraus keine Gefahr: "Bei uns ist per Satzung festgelegt, dass nur Menschen, die in Altenbach wohnen oder gewohnt haben, auf dem Friedhof bestattet werden können." Das bedeutet aber auch, dass die Anzahl derjenigen, die ihre letzte Ruhe in Altenbach finden, gering ist: Sechs bis acht Bestattungen finden laut Kraus pro Jahr im Ortsteil statt.

Das neue naturnahe Grabfeld soll Platz für bis zu 136 Bestattungen bieten, bei gleichbleibenden Zahlen mindestens genug Raum für die nächsten 17 Jahre. Da der Bereich "O" des Friedhofs etwa die dreifache Fläche des geplanten Grabfelds umfasst, könnten künftig auch weitere Plätze für Urnengräber und Baumbestattungen angelegt werden. "Wir brauchen erst mal nicht die gesamten 600 Quadratmeter", sagt Kraus. "Das ist für den Anfang nicht notwendig."

Die Pflege des naturnahen Grabfelds auf dem Schriesheimer Friedhof hat die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner übernommen, ein solches Modell ist auch in Altenbach möglich. Laut Willy Philipp, im Rathaus für das Friedhofswesen zuständig, wird das Grabfeld in Schriesheim "gut angenommen". Konkrete Zahlen konnte er nicht nennen. In der Sitzung am Dienstagabend geht es nun aber erst einmal darum, für das kommende Jahr 20.000 Euro zum Anlegen des Grabfelds im Haushalt bereitzustellen.

Stimmt der Ortschaftsrat der Planung zu, könnten im Nordosten des Friedhofs 29 Plätze für Urnengräber und 107 Möglichkeiten für Baumbestattungen entstehen. Erschlossen würden sie mit einem Rindenmulch-Rundweg. Neue Bäume mit "Charakter einer Streuobstwiese", Stauden, Baumstämme und Findlinge sind laut Planung für die Naturnähe angedacht.

Info: Sitzung des Ortschaftsrats am Dienstag, 6. November, ab 19 Uhr in der Verwaltungsstelle.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung