12.11.2018

Rücksichtnahme scheint für viele ein Fremdwort zu sein

Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern der Verwaltung und Stadträten unterhielt Stand auf Wochenmarkt - Bürger machten ihrem Ärger Luft

Schriesheim. (stek) Auf verärgerte Bürger mussten die Mitglieder der "Arbeitsgruppe Verkehr und Barrierefreiheit" nicht lange warten. Gerade eben noch den kleinen Infostand auf dem Wochenmarkt in der Kirchstraße aufgebaut, schon waren die Ersten da - und machten aus ihrer Unzufriedenheit keinen Hehl. Von fehlgeleiteter Straßenreinigung über zu schnelles Fahren und Nichtbeachtung von Rotsignalen bis hin zum "unerträglichen Parkverhalten" anderer reichte das Sortiment an Ärgernissen. Es entstand beinahe der Eindruck, die Weinstadt sei ein Eldorado für Verkehrs-Rowdys.

Eine Einschätzung, die dem neuen Leiter des Ordnungsamtes, Achim Weitz, deutlich zu weit ging. Es gebe vereinzelt Schwierigkeiten und sicher auch ein paar Punkte, die dringend angegangen werden müssten: "Aber in puncto Verkehr ist Schriesheim alles in allem gut aufgestellt, und zwar sowohl beim fließenden als auch dem ruhenden Verkehr." Eine Sicht, die Ursula Witteler aus dem Kehlweg nicht teilen mochte. In der Herrengasse herrsche Halteverbot, was jedoch kaum bis gar nicht befolgt werde. Noch schlimmer ist für die energische Frau, dass genau gegenüber ihrer Garage geparkt werde, sodass sie nicht mehr rausfahren könne. Und wenn man dann die Auto-Besitzer darauf anspricht, bekäme man "unverschämte Antworten". Auch Elfriede Rossbrei empfindet das vorherrschende Verkehrsverhalten als völlig rücksichtslos: "Niemand denkt an die schwächeren Verkehrsteilnehmer, und so werden Gehwege einfach zugeparkt." In der Steinachstraße gleiche der Weg nach oben einem gefährlichen Hindernislauf.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe mit Ordnungsamtsleiter Weitz, der Inklusionsbeauftragten Karin Reichel sowie den Ratsmitgliedern Barbara Schenk-Zitsch (GL), Frank Spingel (CDU), Bernd Hegmann (FW), Sebastian Cuny (SPD) und Wolfgang Renkenberger (FDP) hatten einiges zu erklären. Der Tenor: Eine einfache Lösung für alle gibt es oft nicht. Im Grunde, so Renkenberger, stelle der Verkehr ein nicht aufzulösendes Dilemma dar. Immer mehr und größere Autos auf einer nach wie vor endlichen Fläche würden das Verkehrsproblem zu einem gordischen Knoten machen. Und Durchschlagen helfe auch nicht. Drastische Maßnahmen - etwa die Zahl der Autos pro Familie oder die Fahrten pro Monat zu begrenzen - seien in Demokratien ausgeschlossen. Der frühere Umweltminister und spätere Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, habe das schon vor 25 Jahren umrissen: "Jeder will Auto fahren, aber keiner will den Verkehr."

Am Ende, davon war Weitz überzeugt, helfe nur Rücksichtnahme. Und insofern war der Infostand dann doch ein guter Anfang. Ins Gespräch kommen, die Menschen sensibilisieren und dafür sorgen, dass Rücksichtnahme vielleicht irgendwann wirklich zur Regel wird. "Klar bringt das Unannehmlichkeiten mit sich", so Stadtrat Hegmann. Nicht vor Metzger oder Bank halten, sondern ein paar Meter laufen. Das Fahrrad statt das Auto nehmen - oder die Kinder zu Fuß in die Schule begleiten: Das wären Anfänge, die das Leben aller erleichtern würden.

Info: Kontakt bei Fragen oder Hinweisen: Ordnungsamt Schriesheim, Telefon: 06203/602133, Mail: ordnungsamt@schriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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