14.01.2019

Evangelische Gemeinde eröffnete erneuertes Gemeindehaus

Evangelische Gemeinde eröffnete erneuertes Gemeindehaus

Kleiner Umbau wuchs zu großem Projekt - Architekten-Wechsel war Glücksfall

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. 35 Gruppen und Kreise beherbergt die evangelische Kirchengemeinde Schriesheim in ihrem Gemeindehaus. Altersgemäß gestaffelt von der allerjüngsten Krabbelgruppe bis hin zum Seniorenkreis. Sie alle dürften sich jetzt noch wohler fühlen im neu sanierten und renovierten Gemeindehaus, das gestern Mittag nach dem Gottesdienst seinen Nutzern zur weiteren Verfügung gestellt worden ist.

"Dieses Haus soll ein Segen sein", sagte Pfarrer Kieren Jäschke in seiner Ansprache, bevor der Posaunenchor passend das Lied "Du, meine Seele singe" anstimmte. Freude lag in der Luft, als im großen Saal das rote Band von Kirchengemeinderat Thomas Rufer, Architekt Karl Baumert, den Weinhoheiten Sofia Hartmann und Sophie Koch sowie von Sandro Lux als Vertreter der jüngeren Gruppen durchschnitten wurde.

Damit war das frisch sanierte Gemeindehaus symbolisch neu eröffnet. Und es soll nach seiner Umgestaltung weitere Nutzer anziehen, die das Haus nun barrierefrei betreten und auch das Untergeschoss mit den Gruppenräumen sowie den Sanitäranlagen über einen Aufzug ab sofort mühelos erreichen können. "Die Barrierefreiheit war uns sehr wichtig", erklärten der Pfarrer und Thomas Rufer gegenüber der RNZ.

Das Untergeschoss bietet neben einer Aufstockung der Gruppenräume von zwei auf fünf und von Thomas Rufer in seiner Freizeit eingebauten abtrennbaren, kleinen Küchenzeilen nun auch eine Behindertentoilette mit Wickeltisch. Der obere Saal verfügt jetzt über einen eigenen Eingang und ist nach dem Abbau der Treppe um einige Quadratmeter größer und somit luftiger geworden. Dabei ist auch gleich die Küche erweitert worden.

Jäschke ging kurz auf die Sanierungsgeschichte ein: Nachdem sein Vorgänger Lothar Mößner vor drei Jahren die Gemeinde verlassen hatte, war klar, dass man das Pfarrhaus sanieren musste. Unter anderem war die mit dem Gemeindehaus gekoppelte Heizungsanlage erneuerungsbedürftig. "Anfangs hatten wir einen kleineren Umbau im Sinn. Doch wie es so ist, wenn man mal begonnen hat, folgt weiteres" , schilderte der Pfarrer. Pläne für den Einbau eines Aufzugs und einen Anbau wurden konzipiert. Ebenso fürs Untergeschoss, wo man den Gruppenräumen ihren "Kellercharakter" durch größere Fenster nehmen wollte. Außerdem waren diverse Brandschutzauflagen zu erfüllen.

Eine ungeahnte Hürde stellte sich am Ende als Glücksfall heraus: Nachdem der erste Architekt sich aus dem Projekt ausgeklinkt hatte, sprang Karl Baumert ein. Der Schriesheimer Architekt überzeugte mit neuen Ideen, hoher Präsenz auf der Baustelle und einem beständigen Optimierungsprozess. Aus dem ursprünglich recht klobig wirkenden Anbau wurde eine intelligente und filigrane Lösung.

Eigens eingerichtete Baucamps mit 30 bis 40 freiwilligen Helfern rückten ab Baubeginn September 2017 mehrfach an, um unter anderem das Untergeschoss zu entkernen. Allen Helfern dankte der Pfarrer: Er hob das Engagement von Thomas Rufer hervor, vergaß auch die Anwohner und deren Verständnis für die Baustelle nicht, lobte Baumert für seine Kreativität im Umgang mit der Sanierung im Bestand und bedankte sich nicht zuletzt bei den beteiligten Firmen sowie allen Spendern und Paten. Ohne diese solidarische Gemeinschaftsleistung wäre es der Kirchengemeinde nicht möglich gewesen, diese Baumaßnahme zu stemmen.

Und ohne den ehrenamtlichen Einsatz hätten sich die Baukosten von 650.000 Euro deutlich verteuert. Ein großes Dankeschön richtete Jäschke auch an die katholischen "Geschwister", die den evangelischen Mitchristen über die Bauzeit hinweg freundliche Aufnahme gewährten. Man werde sich in zwei Jahren revanchieren können, hieß es vonseiten der Katholiken. Auch hier steht eine Sanierung des Gemeindehauses an.

Ein schönes i-Tüpfelchen krönt die Umbaumaßnahme: Der Quittenbaum vor dem Gemeindehaus hat alle Arbeiten unbeschadet überstanden und kann somit weiter Früchte tragen.

Zur symbolischen Eröffnung des fertig sanierten Gemeindehauses durchschnitten Kirchengemeinderat Thomas Rufer, Architekt Karl Baumert, Sandro Lux als Vertreter der jungen Gemeindeglieder, die Weinhoheiten Sophie und Sofia sowie Pfarrer Kieren Jäschke ein rotes Band (v.l.). Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung