17.01.2019

Ein Marathonmann unter Fußballern: Er gehört seit 1964 fest zum SV 1919 Schriesheim

Ein Marathonmann unter Fußballern: Er gehört seit 1964 fest zum SV 1919 Schriesheim

Am Samstag erhält Geschäftsführer Klaus Zeller die DFB-Verdienstmedaille

Verlässliche Stütze: Klaus Zeller hat beim SV Schriesheim seit 1976 mehrere Vorstandsämter übernommen - weil er auf der Straße angesprochen wurde. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Wenn der SV 1919 Schriesheim am Samstag in sein Jubeljahr zum 100-jährigen Vereinsbestehen startet, dann wird einer ausgezeichnet, der zwar kein Gründungsmitglied ist, aber wegen seiner vielen ehrenamtlichen Stunden "quasi auch schon 100 Jahre auf dem Buckel hat", wie Vorsitzender Werner Morast scherzt. Und doch ist es ihm ernst, wenn er sagt, dass er hohen Respekt vor der Leistung dieses Mannes habe. "Wenn der Verein ihn bezahlen würde, dann hätte er sich davon ein Haus bauen können", betont er. Dabei sei der Verein auf die Ehrenamtlichen angewiesen. Gerade angesichts der laufenden Kosten. "Wir kämen sonst auf Beiträge, die nicht mehr zu bezahlen wären", nickt Klaus Zeller.

GESICHTER DES SPORTS

Er selbst macht nicht viel Aufhebens um seine Posten, die er seit Jahren im SVS innehat. Dafür erzählt er lieber eine Anekdote: Es war 1976, als er beim Studium in der Zielgeraden war und noch irgendwelche Schreibwaren brauchte. "Ich war deswegen beim Nassauer. Gegenüber hatte Eberhard Menzel sein Möbelgeschäft. Und wenn ihm langweilig war, dann stand er auf der Straße und hat nach den Leuten geguckt", erinnert sich Zeller. Morast nickt. Diese Geschichte ist ihm ebenfalls ans Herz gewachsen. Auf jeden Fall, so schildert Zeller weiter, habe Menzel ihn gesehen und ihn mit in sein "Kabuff" genommen. "Nach diesem ergebnisorientierten Gespräch", grinst Morast, "hatte der Verein einen neuen Geschäftsführer." Zeller nickt bestätigend. Die beiden sind auch beim Geschichtenerzählen ein eingespieltes Team, das sich die Bälle zuspielt.

Doch beim Posten des Geschäftsführers blieb es nicht. Klaus Zeller übernahm gleichzeitig noch das Amt des Schriftführers und war fortan zuständig für einen großen Berg an Verwaltungsaufgaben, pflegte die Mitgliederdaten und bildete die Schnittstelle hin zu den Verbänden.

Weil es Überschneidungen gab, sagte er auch nicht nein, als 1988 ein Kassierer gebraucht wurde. Geschäftsführer und Schatzmeister ist er bis heute geblieben. "Auf Klaus kann man sich immer verlassen. Und er ist der Einzige im Verein, der jedes Jahr gewählt wird", sagt Morast. Das liege daran, dass beide Ämter im unterschiedlichen Turnus zur Neuwahl anstehen.

Klaus Zeller, bis zum Ruhestand Buchhalter in einer Ladenburger Firma, kam 1964 im Alter von zwölf Jahren zum SVS. "Damals kam man nicht schon mit fünf Jahren zu einem Fußballverein. Ich habe dann alle Jugendmannschaften durchlaufen", erzählt er. Nach dem Wechsel von der Jugend- in die Aktiven-Mannschaft unterbrach er seine sportliche Laufbahn für ein Jahr. Gleichzeitig wurde der 18-Jährige Betreuer der A-Jugend.

Mit 28 Jahren hängte er vor allem aus gesundheitlichen Gründen die Fußballschuhe endgültig an den Nagel, Knie- und Hüftproblemen geschuldet. Wenige Jahre später wurde das Büro im Untergeschoss des Zeller’schen Domizils verwaltungstechnisch zum Herz des Vereins, wo irgendwann die elektronische Datenverarbeitung das mühsame Einpflegen jedes Buchhaltungspostens in Bücher ablöste.

Für Klaus Zeller und Werner Morast stehen beim Fußball immer noch drei Dinge im Mittelpunkt: Der Sport muss Spaß machen, man soll dabei Kameradschaft erleben und soziale Kontakte pflegen können. Kontakte, die zwar manchmal über Jahre auf Eis liegen können, die aber nicht selten wiederaufgenommen werden und Tragfähigkeit zeigen, wenn man älter wird. "Man teilt doch Freud und Leid miteinander", finden beide.

Zeller, Marathonmann des Ehrenamts, hat bereits einige Auszeichnungen erfahren: Der Badische Fußballverband heftete ihm 1994, 1997 und zuletzt 2016 Ehrennadeln in Silber und Gold ans Revers. 1994 und 2004 gab es diverse Ehrungen seitens des Vereins. Die Ehrenmitgliedschaft hat Zeller längst. Nun schließt sich der Deutsche Fußballbund (DFB) mit der DFB-Verdienstmedaille an, die Zeller am Samstagabend beim Festbankett im Pfarrsaal des katholischen Gemeindezentrums erhalten wird. Vereinsehrungen gebe es erst mal keine, scherzt Morast. Die stünden in Aussicht, sofern Zeller seine Ämter auf Lebenszeit behalte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung