25.01.2019

Wie ein Schriesheimer im bayerischen Schneegestöber half

Karl-Robert Röhrig (70) war mit dem Technischen Hilfswerk am Alpenrand im Einsatz - Team maß Belastung von Gebäudedächern

Von Frederick Mersi

Schriesheim. In 53 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit fürs Technische Hilfswerk (THW) hatte Karl-Robert Röhrig schon viel gesehen. "Aber was wir in Bayern erlebt haben, war schon beeindruckend", sagt der 70-Jährige. Drei Tage lang war er mit Ingenieur Carsten Töppel im Auftrag des THW im Landkreis Miesbach im Einsatz, nachdem dort wegen der enormen Schneefälle Anfang des Monats der Katastrophenfall ausgerufen worden war.

Eigentlich lasse er in solchen Fällen inzwischen gern den jüngeren Helfern den Vortritt, sagt Röhrig. Doch der Ortsverband Lampertheim, bei dem er aktiv ist, wurde spät an einem Samstagabend alarmiert - "und unser Team sollte schon Sonntagmittag in Miesbach sein", erinnert sich Röhrig. "Da habe ich zum Ortsbeauftragten Norbert Koenig gesagt: ,Wenn Du niemanden findest, stehe ich bereit.’"

Am nächsten Mittag kamen Töppel und Röhrig mit ihrem Renault-Kleintransporter in Miesbach an und bezogen ihr Quartier beim dortigen THW-Ortsverband. "Auf Feldbetten zwischen Schreibtischen", sagt Röhrig und lacht. Doch viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht: Innerhalb von drei Tagen kontrollierten die beiden 20 Gebäude auf mögliche Einsturzgefahren durch die enormen Schneemassen auf den Dächern. Töppel als THW-Baufachberater nahm die Messungen vor, Röhrig protokollierte und steuerte das Auto durch das verschneite Oberbayern.

Das funktionierte auf spiegelglatten Straßen jedoch nicht ganz ohne Probleme. "Einmal mussten Bundeswehr-Soldaten mich und unser Auto auf einen nahegelegenen Parkplatz schieben", sagt Röhrig und lacht. Überhaupt sei die Unterstützung vor Ort groß gewesen: Feuerwehren stellten ihre Drehleitern zur Verfügung, ein Bauhof-Leiter half mit einem Allradfahrzeug für den Transport zu einem Berghotel aus, und der Bürgermeister der 3500-Seelen-Gemeinde Kreuth lud die beiden Helfer zum Essen ein - auch wenn dafür bei zwölf Stunden Arbeit am Tag nur wenig Zeit blieb.

Die Bevölkerung vor Ort habe mit bayerischer Gelassenheit auf die Schneemassen reagiert, sagt Röhrig. "Ein Pfarrer in Bad Wiessee sagte zum Beispiel: ,Ich habe großes Gottvertrauen, aber es wäre mir schon lieber, wenn wir das Dach des Pfarrhauses freiräumen.’"

Akut nötig war die Hilfe des Lampertheimer Teams aber zum Beispiel bei einer Bushalle in Rottach-Egern am Tegernsee: Dort hatte ein Busfahrer ein Knirschen wahrgenommen, Baufachberater Carsten Töppel ließ das Gebäude nach einer Begutachtung sofort räumen. "Das war kritisch", sagt Röhrig. Auch eine Turnhalle ließ der THW-Experte sperren. In anderen Fällen wie dem des Krankenhauses Agatharied konnte Töppel für bestimmte Bereiche des Flachdachs Entwarnung geben - und so den bis zu 200 Helfern von THW, Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr einiges an Arbeit ersparen.

Ob er sich noch einmal zu einem solchen Einsatz bereit erklären würde? "Ja, klar", sagt Röhrig und lacht. "Es hat Spaß gemacht." Die Kameraden in Miesbach hätten Töppel und ihn auch bereits zu einem weiteren Besuch der Gegend rund um den Tegernsee eingeladen - allerdings im Sommer, wenn die Schneemassen verschwunden sind.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung