26.02.2019

"Schriese FAIRmietet": Mietpreise sollen niemanden ausgrenzen

"Schriese FAIRmietet": Mietpreise sollen niemanden ausgrenzen

Schriesheim will Vermieter dazu bringen, an Menschen zu vermieten, die nur geringe Chancen haben – Rat entscheidet am Mittwoch

Trotz zahlreicher Leerstände ist bezahlbarer Wohnraum in Schriesheim Mangelware. Die Stadt will nun Mieter mit geringem Einkommen durch ein neues Programm unterstützen. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Es sind Menschen mit kleineren Renten oder geringen Einkommen, Alleinerziehende oder Geflüchtete, die große Probleme haben, eine Wohnung zu finden. Gleichzeitig gibt es Leerstände, deren Vermietung Haus- oder Wohnungsbesitzer aber nicht selten scheuen. Sie fürchten Mietausfälle, Mietnomaden oder andere Unannehmlichkeiten.

Die Landesinitiative "Raumteiler" will beide Seiten passgenau zusammenbringen: 30 Städte haben mit dem Konzept bereits begonnen und vermelden Erfolge. Wenn der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend "Ja" zur Beschlussvorlage der Verwaltung sagt, ist Schriesheim mit dabei. Zwar eng angelehnt an die Landesinitiative, aber unter dem eigenem Namen: "Schriese FAIRvermietet".

"Wir wissen, dass es in der Stadt Leerstand gibt, aber wir können niemanden zur Vermietung zwingen", sagte am Montagnachmittag Bürgermeister Hansjörg Höfer im Pressegespräch. Daher hätten die Rathausmitarbeiter überlegt, wie man durch Anreize Vermieter dazu bringen könnte, an Menschen zu vermieten, die sonst weniger Chancen auf eine Wohnung oder ein Zimmer haben.

Die Nachfrage sei sehr hoch, sagte Christine Söllner vom Sozialamt, zusammen mit Janika Steinbach erste Ansprechpartnerin bei diesem Thema. Die gängigen Mietpreise grenzten diejenigen aus, die sich das nicht leisten können. Nicht zuletzt sind die Vorgaben, die Jobcenter und Wohngeldstelle machen, rigide.

In Schriesheim sehen die Vorteile für Vermieter, die Wohnraum deutlich unter dem ortsüblichen Mietpreis anbieten wollen, so aus: Sie erhalten einen Sanierungszuschuss von bis zu 200 Euro pro Quadratmeter, gegen ein Belegungsrecht auf zehn Jahre. Ferner gibt es eine Mietausfallgarantie seitens der Stadt für die Dauer von fünf Jahren.

Die Stadt übernimmt, falls nötig, nach Beendigung eines Mietverhältnisses die Instandsetzung. Sie bereitet auch die Mietverträge vor und bleibt Ansprechpartner in allen Fragen rund um das Mietverhältnis. Der Mietvertrag selbst enthält dann die üblichen Rechte und Pflichten.

Vielleicht nicht weniger wichtig: Die Stadt will im Vorfeld Vermieter und Mieter passgenau zueinander bringen und Kennenlerngespräche initiieren. "Wir wollen den Vermietern die Angst nehmen", sagte Höfer.

Fürs Rathauspersonal fraglos ein höherer Aufwand, der sich aber über alle Ämter verteilt. Erste Anlaufstelle ist das Sozialamt, bei den Mietverträgen ist das Liegenschaftsamt involviert. Fraglos seien Sanierungszuschüsse und Mietausfallübernahmen noch nicht bezifferbar, sagte Kämmerer Volker Arras. Die Ziele sind für den Anfang erst einmal niedrig gesetzt: Arras’ Stellvertreterin Bianca Mader meinte, wenn die Stadt fünf Wohnungen im Jahr - in diesem Jahr wohl eher nur drei - vermitteln könne, wäre es "toll".

Wenn das neue Projekt "Schriese FAIRmietet" den Gemeinderat passiert, wovon Höfer ausgeht, soll dafür fleißig getrommelt werden: Am Mathaisemarkt-Dienstag am Stand im Gewerbezelt, bei Vereinen und in den sozialen Medien. Der Flyer, den die Stadt hat auflegen lassen, wird in den Geschäften ausliegen. Man wolle viele Menschen erreichen, sagte Bauamtsmitarbeiterin Beate Kreis.

Zuschüsse vom Land gibt es nicht für die Initiative. Aber Unterstützung in Form von Workshops, den drei Rathausmitarbeiterinnen bereits besucht haben, oder auch durch Werbematerial.

Info: Ansprechpartnerinnen für "Schriese FAIRmietet" sind Janika Steinbach, Telefon 06203/602124 und Sozialamtsleiterin Christine Söllner, Telefon 06203/602115.

Bürgermeister Hansjörg Höfer (l.) stellte das Projekt am Montag mit Vertretern der beteiligten Ämter vor. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung