04.03.2019

Talente aus der Region: Felix und Luca Meffert bereichern die Rugby-Landesauswahl mit ihrem Spielwitz

Die Zwillinge stammen aus einer Rugby-Dynastie und haben sich große Ziele gesetzt

Von Tillmann Bauer

Heidelberg. Luca und Felix Meffert sind unscheinbar. Sie bringen zwar kaum Gewicht auf die Waage, verkörpern eher das, was mancher Rugbyspieler als "halbes Hemd" bezeichnen würde, und machen es einem wahrlich nicht leicht. Nicht dem Gegner, nicht dem Schiedsrichter, nicht den Zuschauern. Ja, nicht mal den eigenen Mitspielern. Denn es gibt definitiv einfachere Dinge auf der Welt, als die Zwillingsbrüder zu unterscheiden.

Selbst Matthias Bechtel tut sich schwer - und das soll etwas heißen, schließlich ist er Rugby-Landestrainer der U16-Auswahl Baden-Württembergs, was bedeutet, dass er die Mefferts häufig zu Gesicht bekommt. Matthias Bechtel hat einen Trick, er orientiert sich an der Frisur: "Der eine trägt den Scheitel links, der andere rechts."

Und tatsächlich, für den Laien sind die beiden Nachwuchshoffnungen, die aus einer echten Rugby-Familie stammen, kaum zu differenzieren. "Luca ist schneller", sagt Felix, während Luca behauptet, dass Felix im Tackling seine Stärken habe. Ein Ansatzpunkt, um die beiden spielintelligenten Talente - beide blond mit unzähligen Sommersprossen im spitzbübischen Gesicht - auseinander zu halten. Weil Beide zu den körperlich schwächsten Spielern der Auswahl gehören, lebt das Zwillings-Paar von der Schnelligkeit. Die Mefferts sind wendig, die Mefferts schlagen Haken wie Hasen, die Mefferts haben das Rugbyspiel verinnerlicht.

"Sie zu unterscheiden, würde ihnen nicht gerecht werden. Ich sehe eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede", sagt Matthias Bechtel und beginnt gleichzeitig, sich in einen Rausch zu reden. Er zählt auf: Die Mefferts seien hervorragende Sportler mit einer vorbildlichen Einstellung, einem unglaublich respektvollen Umgang und einer jugendlichen Unbekümmertheit. Er resümiert: "Alles, was sie beeinflussen können, ist sehr positiv. Sie bringen alles mit, was man braucht."

Die beiden Jungs aus Schriesheim müssen noch reifen, dann prophezeit er dem Bruderpaar eine große Zukunft: "Eben wie ein guter Wein. Ihnen steht die Rugbywelt offen." Schließlich machen die beiden Jungs ihr ganzes Leben schon kaum etwas anderes, als sich gegenseitig das Rugby-Ei hin und her zu passen. Exakt: Sie spielen seit ihrem vierten Lebensjahr, was genau genommen mehr als zwei Drittel ihres ganzen, zugegebenermaßen noch sehr jungen, Leben ist.

Und wer hohe Ziele hat, sollte einiges tun, um diese zu realisieren. "Ein Traum ist definitiv, einmal für die Nationalmannschaft zu spielen", sagt Luca. Deshalb war es für die Beiden selbstverständlich, das Länderspiel der "Schwarzen Adler" gegen die Russen live vor Ort zu verfolgen. Dass die deutsche Auswahl verlieren würde, wussten die beiden aber schon, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen wurde. "Russland ist schon stärker", sagte Luca, "sollte Deutschland gewinnen, wäre das eine Überraschung." Rugby-Sachverstand eben.

Drei oder viermal trainieren die Beiden wöchentlich hart in ihrem Heimatverein Rudergesellschaft Heidelberg, um ihren Zielen näher zu kommen; zudem steht einmal wöchentlich das Auswahltraining mit den besten Spielern der Kurpfalz an. Da fragt man sich: Bleibt bei diesem Trainingspensum überhaupt noch etwas Freiraum für freizeitliche Aktivitäten? "Für uns gab es immer schon nur Rugby", sind sich die Mefferts einig. Ansonsten müsse man logischerweise noch die Schulbank drücken, wobei dabei Beide laut eigener Aussage eine durchaus passable Rolle spielen. Eben das klassische Leben von 15-Jährigen. Zu beneiden sind ihre Lehrer bei der Notenvergabe nicht - beim Rugby gibt es ja zumindest noch Rückennummern.

Das Vergleichsspiel gegen das Elsass gewannen die Baden-Württemberger mit 22:14 - durch vier Versuche von Bennet Veil, Philipp Nunheim (TSV Handschuhsheim), Nils Seeberger (Karlsruher SV) und Raphael Kübe (SC Neuenheim). Zudem traf Tim Kryzcanowski mit einer Erhöhung.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung