05.03.2019

Vereint in Forderung nach besserem Umgang

Vereinsvertreter wünschen sich eigenen Ansprechpartner bei der Stadt - Teilnehmer wollen sich bei Mathaisemarkt-Festzug solidarisch zeigen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Die erste Aufregung hat sich gelegt, der Ärger ist aber noch nicht verflogen: Bei einem gemeinsamen Pressegespräch am Donnerstag haben die Vereinsvorstände des Sportvereins 1919, des Turnvereins 1883, des Baseballclubs "Raubritter", des Tennisclubs und des Sportanglervereins die Kommunikation der Stadtverwaltung bei den Auflagen für den Mathaisemarkt-Festzug kritisiert - und mit einem Boykott gedroht, falls einer der Festwagen am Sonntag, 10. März, vor Ort nicht zugelassen werden sollte.

"Wenn einer wegen grober Mängel ausgeschlossen wird, biegen wir alle links ab", sagte Werner Morast, Vorsitzender des SV 1919. Unter den Vereinen gebe es ein gutes Verhältnis, man wolle sich solidarisch zeigen. Ihre Kritik richte sich nicht gegen die Auflagen an sich, betonten die Ehrenamtlichen: "Das Gutselwerfen und die gelben Westen für die Wagenengel sind eigentlich das kleinste Problem", sagte Tobias Heising, stellvertretender Vorsitzender der "Raubritter". Das Fass zum Überlaufen gebracht habe vielmehr die Art und Weise, wie man bei einem Treffen im Rathaus im Februar mit den Regeln konfrontiert worden sei.

Fünf uniformierte Polizisten, zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma und mehrere Verwaltungsmitarbeiter: "Schon das Aufgebot hat die anwesenden Vereinsvertreter eingeschüchtert", so Heising. Die Richtlinien seien zu spät kommuniziert und keine Lösungsmöglichkeiten für neue Hindernisse aufgezeigt worden. "Bei so etwas ist immer die Frage, wie man das rüberbringt", sagt Robert Long vom Tennisclub. "Das war in diesem Fall schon sehr unglücklich."

Stattdessen habe die Verwaltung bei dieser Gelegenheit gleich noch mitgeteilt, dass die Festzug-Teilnehmer bei der Aufstellung in der St.-Wolfgang-Straße keine laute Musik hören und nach der Auflösung nicht in der Passein stehen bleiben, sondern mit den Wagen wieder zu den entsprechenden landwirtschaftlichen Betrieben zurückfahren sollen. Dabei spiele das gemeinsame Feiern für die Vereine eine wichtige Rolle, sagt Rainer Müller, Vorsitzender des Sportangelvereins: "Wenn es uns nicht Spaß machen würde, würden wir es nicht mehr machen."

Den wollen sich die Ehrenamtlichen nicht verderben lassen: Mit einem gemeinsamen T-Shirt mit dem Aufdruck "Schriesheimer vereint", das die Raubritter entworfen haben, wollen sie darauf aufmerksam machen, dass die Vereine "das Gerüst von Schriesheim sind", wie Long es ausdrückt. "Die desolate Kommunikation der Stadt hat unter den Vereinen eine tolle Kommunikation bewirkt", sagt Heising. Dennoch fordern die Vereinsvertreter mit Nachdruck ein Treffen mit der Verwaltung - spätestens zwei Wochen nach dem Mathaisemarkt.

Auch ein 2015 abgelehnter Wunsch keimt wieder auf: ein Vereinsbeauftragter im Rathaus als Ansprechpartner. Damals wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Jetzt zeigt sich Bürgermeister Hansjörg Höfer auf RNZ-Anfrage zwar grundsätzlich offen dafür: "Inhaltlich habe ich nichts dagegen." Es gebe aber organisatorische Probleme: Der Beauftragte müsste zum Beispiel seine Informationen nach wie vor aus den Ämtern im Rathaus holen, was die Kommunikation nicht zwingend schneller oder besser mache. "Ich bin aber wirklich zuversichtlich, dass wir bei einem Treffen nach dem Mathaisemarkt zu einem guten Ergebnis kommen", so Höfer. Dass ein Wagen zuvor nicht am Festzug teilnehmen könne, fürchte er nicht: "Keiner hat ein Interesse daran, dass jemand nicht mitfahren darf." Der Festzug sei ein "Gemeinschaftsprojekt". Dass sich an der Kommunikation Kritik entzündet habe, sei zu einem gewissen Teil ein Missverständnis: "Die Verkehrspolizei hatte viele Fachmänner dabei, um Fragen beantworten zu können", so Höfer. "Sie versteht sich da als Partner der Vereine. Das ist genau umgekehrt rübergekommen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung