08.03.2019

Die Stadt nahm Abschied von Georg Weber

Bewegende Trauerfeier für den Alt-Stadtbrandmeister und Feuerwehr-Ehrenkommandant - "Persönlichkeit, die in Erinnerung bleibt"

Schriesheim. (keke) "Er war ein großer Feuerwehrler." Bereits auf den Stufen vor der bis auf den letzten Stuhl besetzten Trauerhalle war die Ehrerbietung der aus allen Gemeinden des Kreisfeuerwehrverbandes Rhein-Neckar und des Unterkreises Schriesheim-Ladenburg gekommenen Kameraden herauszuhören. Und auch ein Kranz aus der in Kärnten beheimateten Schriesheimer Partnerwehr St. Margarethen im Lavanttal bezeugte die Hochachtung, die der nur zwei Tage nach seinem 77. Geburtstag verstorbene Alt-Stadtbrandmeister und Ehrenkommandant der Schriesheimer Wehr genoss.

Webers Konterfei vor dem mit roten Rosen und weißen Lilien geschmückten Sarg zeigte den "Feuerwehr-Schorsch" so, wie ihn Familie und Freunde in Erinnerung behalten sollen: Hemdsärmelig, fröhlich und mit einem mit Schriesheimer Weißherbst gefüllten Weinrömer. "Seine Angehörigen haben ihn geliebt. Viele Menschen haben ihn geachtet", so Altenbachs Gemeindediakon Klaus Nagel in der Lebensbiografie des Schriesheimer "Urgesteins". Schon mit 15 Jahren habe Weber in die Wehr eintreten wollen. Doch der Schorsch musste sich bis zu seinem 16. Lebensjahr gedulden, ehe dies offiziell möglich war. 60 Jahre lang und bis zu seinem letzten Atemzug blieb Weber dem Feuerwehrehrenamt treu verbunden.

Nicht viele Worte machen, sondern zupacken und handeln, lautete eine seiner Devisen. Zunächst als Gerätewart tätig, gründete er wenig später die Jugendfeuerwehr. Wurde 1974 stellvertretender Abteilungskommandant, ehe er drei Jahre später zum Kommandanten der Gesamtwehr gewählt wurde - und dieses Amt 27 Jahre lang ausfüllte.

"Bist du Mensch, bist du richtig", zitierte der Diakon einen Lieblingsspruch des später auch noch zum Unterkreisführer ernannten Weber: "Bist du Feuerwehrmann, bist du noch richtiger." Die Aufgabe seiner Hinterbliebenen und Freunde sei nun "das Loslassen in dem Wissen darum, was wir an ihm hatten".

Schriesheim nehme Abschied von einem Menschen, der viel für die Stadtgesellschaft geleistet habe, so Bürgermeister Hansjörg Höfer. Schorsch Weber, dessen Wirken eng mit dem Leben der Stadt verbunden war, werde fehlen. "Neben seiner Leistung und seinem Engagement hat er durch seine Persönlichkeit überzeugt, die in Erinnerung bleibt".

"Eine Fußballmannschaft darf ruhig mal ein Spiel verlieren. Die Feuerwehr nie", schilderte Kommandant Oliver Scherer den von Verantwortung für den Nächsten geprägten Lieblingsspruch seines Vorgängers. Von der Jugendfeuerwehr an habe er unzähligen Aktiven das notwendige Rüstzeug für den Feuerwehrdienst vermittelt.

"Heute würde man sagen: Der Schorsch ist ein guter Netzwerker. Früher hieß es, er hat einen guten Draht zu den verantwortlichen Stellen", so Scherer. So konnte er auch einen seiner größten Erfolge erzielen: Den Bau des in unmittelbarer Nachbarschaft zum Festplatz gelegenen "Hauses der Feuerwehr". Von Scherer nicht unerwähnt blieb der Aufbau der Freundschaft mit St. Margarethen, die in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert. "Georg Weber hat die Feuerwehr nach innen und nach außen geprägt. Sein Wirken und seine Spuren bleiben immer sichtbar." Der Kreisfeuerwehrverband trauere um einen Kameraden, der sich auch im Kreise seiner Alterskameraden große Verdienste und Anerkennung erworben habe, sagte Bernd Dittes. Schriesheims Wehr trage Webers unübersehbare Handschrift.

"Was einer ist, was einer war, beim Scheiden wird es offenbar." Für den Jahrgang 1941/42 würdigte Hannelore Hildner von der Evangelischen Frauengemeinschaft Altenbach ihren Schulkameraden. Seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und sein Humor blieben unvergesslich. Vorbei an einem kaum mehr zählbaren Ehrenspalier seiner Kameraden fand Weber seine letzte Ruhestätte. Begleitet von einem letzten musikalischen Gruß der Jagdhornbläser am offenen Grabe.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung