12.03.2019

Als die Bäume fielen: So tobte "Eberhard" an der Bergstraße

Die Bilanz des Sturmtiefs - In Ladenburg wurde ein Auto eingedellt - Erleichterung und ein paar Holzreste blieben in Hirschberg

Neckar/Bergstraße. (sti/stu/fjm/web) Sturmtief "Eberhard" fegte am Sonntag mit Geschwindigkeiten über 100 Stundenkilometer auch über die Region hinweg. Die Schäden an Neckar und Bergstraße blieben aber vergleichsweise glimpflich. Die RNZ hat einige Sturmmeldungen zusammengefasst:

In Hirschberg-Großsachsen wollte die Tochter von Karl Eichler eigentlich mit ihrem Hund Gassi gehen, als sie plötzlich die Dachkonstruktion eines Ausstellungsraums vom Fahrzeughaus Eichler wegfliegen sah. Sie landete, wie bereits berichtet, am Sonntagnachmittag auf der Fahrleitung der Linie 5 im Bereich Hohensachsener/Birkenstraße. Fahrzeughaus-Inhaber Karl Eichler war am Montag im Gespräch mit der RNZ erleichtert, dass das Wellblech-Dach niemanden getroffen hatte.

"Der Sturm war nicht unerheblich und traf die ungeschützte Front mit voller Wucht", erzählte Eicher, der noch bis 1 Uhr nachts mit seiner Familie das Dach zerkleinert und aufgeräumt hatte. Um 1.45 Uhr beendete auch die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) die Arbeiten. Schüler und Berufspendler konnten somit aufatmen: Die Linie 5 fuhr zwischen den Haltestellen Großsachsen Süd und Weinheim Alter OEG-Bahnhof schon ab Betriebsbeginn gegen 4.30 Uhr wieder regulär. Die rnv hatte am Vorabend noch befürchtet, dass die Aufräum- und Reparaturarbeiten bis gestern Vormittag andauern könnten und die Strecke bis dahin noch gesperrt bleiben müsste.

Schließlich waren Teile der Fahrleitung und der Haltekonstruktionen abgerissen worden. "Unsere Mitarbeiter haben vor Ort gezaubert", sagte gestern eine Mitarbeiterin der rnv-Unternehmenskommunikation. Nicht nur diejenigen, die Bereitschaft hatten, waren zur Einsatzstelle geeilt, sondern auch rnv-Angestellte in ihrer Freizeit - über zwölf insgesamt. Sowohl mit Reparaturarbeiten als auch mit Informationen für die Fahrgäste waren sie befasst.

Allerdings mussten alle aus Sicherheitsgründen etwas abwarten, bis sich der Sturm gelegt hatte. Gegen 20.30 Uhr ging es mit den Reparaturarbeiten los. Die Hirschberger Feuerwehr, die bereits am Nachmittag zur Einsatzstelle alarmiert worden war, rückte mit vier Fahrzeugen um 19.15 Uhr wieder dorthin aus. 16 Einsatzkräfte packten mit an, als eine Fachfirma das Dach von der Leitung hievte.

Aufgabe der Feuerwehr war es laut Kommandant Peter Braun, die Einsatzstelle abzusichern und auszuleuchten. Außerdem bohrten die Kräfte Löcher ins Dach, damit daran Ketten befestigt werden konnten. An diesen zogen es die beiden eingesetzten Kräne von der Leitung.

Für die Feuerwehr, die noch zu einem sich lösenden Rollladenkasten ans Ärztehaus gerufen wurde, war der Einsatz gegen 22 Uhr beendet. Dann wurde auch die B 3, die aus Sicherheitsgründen über mehrere Stunden im Großsachsener Bereich gesperrt war, wieder freigegeben. Jetzt erinnern nur noch ein paar Holzreste am Rande der Birkenstraße, die die Familie noch wegschaffen will, an die turbulenten Stunden.

Karl Eichler hat den Schaden inzwischen seiner Versicherung gemeldet, wobei er da nicht der Einzige ist, wie ihm gesagt wurde. Er hat eine Gebäudeversicherung, die Sturmschäden abdeckt, und geht davon aus, dass diese nun auch hier greift. Die Fahrzeuge im Ausstellungsraum rechts von der Tankstelle haben keinen Schaden genommen, ist er doch komplett ummauert. So hatte die Dachkonstruktion, die davongeflogen war, der Zierde und dem Schutz vor sich ansammelndem Regenwasser gedient. Wie hoch der Schaden am Gebäude ist, weiß Eichler noch nicht.

Die RNV beziffert den ihr entstandenen Schaden auf mindestens 35.000 Euro. Einsätze der Polizei oder auch Feuerwehr seien dabei nicht enthalten.

In Edingen-Neckarhausen wurde in der Mannheimer Straße eine rund 50 Jahre alte Baumgruppe in einem Privatgarten Opfer einer der heftigen Windböen. Die drei 12 bis 14 Meter hohen Fichten fielen auf das Dach einer Scheune. Da es die Bäume aber nicht ganz aus ihrer Verwurzelung riss und weil ein Ast das Ziegeldach durchschlug und sich verhakte, blieben die Fichten in Schräglage hängen. Die Scheune gehört zu einem früheren Kleinbauernhof in der Hauptstraße. Die Freiwillige Feuerwehr war noch während des Sturms vor Ort, brauchte aber nicht tätig zu werden. Nun sollen die Fichten um ihr Astwerk entlastet und dann Stück für Stück zersägt werden. Unter spontaner Nachbarschaftshilfe schnell wieder aufgerichtet und montiert wurde ein Hoftor, das "Eberhard" nur ein Stück weiter an der Hauptstraße umgeworfen hatte. In der Goethestraße fielen einige Ziegel von einem Hausdach und im Neckarhäuser Schlosspark wurde ein Fensterladen im Schlosshof rausgerissen. Im Park selbst gingen einige Besucher trotz des Sturm s spazieren. Da die großen, alten Bäume bei solchen Windstärken aber eine Gefahr darstellen, bat Herbert Stein vom Gemeindebauamt sie, den park zu verlassen. Er sperrte ihn danach mit Trassierband und Schildern ab.

In Ladenburg hatte die Feuerwehr im Vergleich zu den Nachbarwehren einen ruhigeren Tag. Aufsehen erregte ein Baum in der Weidenstraße, der von einer Windböe entwurzelt wurde und quer über die Straße auf ein geparktes Auto fiel. In der Hirschberger Allee brach eine Baumkrone ab, vom Dach der Seniorenstätte Löwenscheuer wurden zwei Ziegel heruntergeweht. Am Abend wurde die Drehleiter der Feuerwehr aus Ladenburg von Ilvesheim zur Unterstützung angefordert.

In Weinheim mussten die Feuerwehrkräfte 23 Einsätze abarbeiten. In der Kernstadt und in Rippenweier sicherten sie Teile von Dachkonstruktionen oder sammelten diese ein, zudem knickten in mehreren Ortsteilen Bäume um. Die Folgen: Eine umgefallene, 20 Meter hohe Tanne beschädigte den Hof der Grundschule in Lützelsachsen, zudem krachte je ein Baum auf eine Strom- und eine Telefonleitung. Die Oberflockenbacher Straße zwischen Rittenweier und Heiligkreuz sowie die Zufahrt zur Burgruine Windeck mussten gesperrt werden. Personal und Gäste der Burggastronomie wurden evakuiert. Inzwischen sind beide Straßen wieder frei. An der RNV-Baustelle zwischen Luisen- und Händelstraße fielen auf mehreren Hundert Metern die Absperrungen um.

In Schriesheim rückte die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag zu vier Einsätzen aus. Auf der L536 blockierte ein umgestürzter Baum teilweise die Landstraße in Richtung Wilhelmsfeld sowie im Bereich Hoher Stein. Die Feuerwehr beseitigte das Hindernis mit einer Motorsäge und entfernte die beschädigten Teile eines weiteren Baumes, der in Mitleidenschaft gezogen worden war. Auch auf dem Branich war ein Teil eines Baumes auf die Straße gefallen und musste mit einer Kettensäge entfernt werden. Am frühen Abend wurden die Kräfte noch in die Kurpfalzstraße gerufen: Dort war am Neubau des Kindergartens "Kinderschachtel" ein Bauzaun auf einer Länge von rund 20 Metern auf die Straße gestürzt. Die Feuerwehr stellte ihn wieder auf. Die Altenbacher Abteilung der Wehr war ebenfalls zwei Mal im Einsatz: Auf der L596 war in Höhe der Bushaltestelle Röschbach ein Baum auf die Straße gestürzt, ebenso auf der K4122 in Richtung Kohlhof. Da der Baum dort nicht einfach entfernt werden konnte, war die Straße bis Montagnachmittag gesperrt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung