28.03.2019

Fußballvereinsfusion: Wilhelmsfeld und Altenbach bilden nun die "Spiel-Gemeinschaft Vorderer Odenwald"

Die TSG Wilhelmsfeld und die TSG Altenbach machen aus der Not eine Tugend: Die "SpG" soll die neue Macht im Vorderen Odenwald werden.

Von Wolfgang Brück

Schriesheim/Wilhelmsfeld. Mit federndem Schritt betritt Frank Lennert die Klub-Gaststätte der TSG Wilhelmsfeld. Der 53-jährige Kfz-Meister und C-Lizenz-Inhaber ist voller Tatendrang. "Mein Ziel ist es, im oberen Drittel der Tabelle mitzuspielen", erklärt der Trainer. Die Herren am Tisch schauen leicht erstaunt. Gerade erst ist das Baby aus der Geburtsstation entlassen, und schon soll es richtig laufen.

Frank Lennert, bisher Coach in Altenbach, ist ab sofort für zwei Vereine zuständig. Die TSG Wilhelmsfeld und die TSG Altenbach treten in der kommenden Runde als Spielgemeinschaft an. Der neue Name des neuen C-Ligisten: Spiel-Gemeinschaft (SpG) Vorderer Odenwald. Die Hinrunde wird "Am Hirschwald" in Wilhelmsfeld gespielt, die Rückrunde "Auf der Kipp" in Altenbach.

Sowohl im knapp 2000 Einwohner zählenden Schriesheimer Ortsteil Altenbach als auch in der selbstständigen Gemeinde Wilhelmsfeld mit rund 3600 Einwohnern hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Ortschaften dieser Größenordnung nur noch schwer Fußball-Mannschaften auf die Beine stellen können. "Die Jugend von heute", erklärt der Altenbacher Herbert Gutfleisch, "hat es nicht mehr so mit dem Mannschaftssport. Man will keine Verpflichtungen eingehen."

Die Folge: Die TSG Altenbach wurde vom Spielbetrieb ausgeschlossen, weil sie dreimal mangels Spieler nicht antreten konnte. Aus dem gleichen Grund verschwand die TSG Wilhelmsfeld in der vergangenen Runde von der Fußball-Landkarte. Zwar betont Abteilungsleiter Uwe Jungmann, dass seine wiederbelebten Wilhelmsfelder nach dem Comeback in der C-Klasse neun Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten SV Altneudorf haben. Doch nur zehn Zähler aus 19 Spielen und ein Torverhältnis von 17:102 zeugt von anhaltenden Problemen.

Ohne die alten Kämpen wie Uwe Jungmann (50), seinem Stellvertreter Robert Bohn (45), dem stellvertretenden Jugendleiter Bernd Kilian (51) oder Betreuer Claus Knörr (56), die zwangsläufig noch mal die Stiefel schnüren müssen, würde nicht mehr viel gehen. "Unsere Abwehr bringt es manchmal locker auf ein Gesamtalter von über 200 Jahren", schmunzelt Robert Bohn.

Als der Fußball noch einen höheren Stellenwert hatte, machten beide Vereine richtig was her. Die TSG Altenbach mit ihren 185 Mitgliedern spielte sogar mal ein Jahr in der Kreisliga, doch dann zogen sich Sponsoren zurück, und Gustav Weber meint, dass die Höhenluft nicht unbedingt gut bekommen ist. Der 59-jährige Inhaber eines Fliesenleger-Geschäfts, der mal in Ladenburg Verbandsliga gespielt hat, ist jetzt erster Vorsitzender.

Auch die TSG Wilhelmsfeld, ein Mehrsparten-Klub mit 450 Mitgliedern und einer florierenden Jugendabteilung, hat schon bessere Zeiten erlebt. Den Aufstieg in die B-Klasse verhinderte vor ein paar Jahren ausgerechnet der Nachbar aus Altenbach. Jungmann und Weber erinnern sich an ein packendes Derby am letzten Spieltag, in dem Altenbach einen Punkt und Wilhelmsfeld einen Sieg brauchte. Vor 500 Zuschauern endete das Spiel 0:0.

In dieser Saison kann Robert Bohn die Besucher manchmal an den Fingern einer Hand abzählen. Gut ist jedoch, dass die Rivalität unter den Nachbarn immer nur sportlicher Natur war. "Wir haben uns stets respektiert", stellt Herbert Gutfleisch fest.

Von Vorteil ist auch, dass neben Trainer Frank Lennert acht Spieler aus der abgemeldeten Altenbacher Mannschaft der TSG Wilhelmsfeld für die restliche Runde zur Verfügung stehen: Melvin Leibinger, Daniel Romanzuk, Christoph Stern, Patrick Jörder, Ronny Krämer, Jonas Holdernig, Felix Schnabel und Jörg Penndorf. Gemeinsam, ist man sich sicher, hat der Fußball im Vorderen Odenwald eine Zukunft.

Wer beim Neuanfang dabei sein will, darf sich gerne melden. Ansprechpartner können den Internet-Auftritten der Vereine entnommen werden. Bei allem Ehrgeiz, der Spaß soll nicht zu kurz kommen. Auch darin sind sich die Gründerväter einig: "Fußball in Wilhelmsfeld und Altenbach soll vor allem Freude machen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung