01.04.2019

Im Blut(wurst)rausch bei "Krimi und Wein"

Bei "Krimi und Wein" wurden die Gäste im Zehntkeller gut unterhalten und kamen zudem auf ihre kulinarischen Kosten

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Magdalena räumt auf. In ihrem Zuhause - und in ihrer Ehe. Der Hund kommt ins Tierheim, die Kinder ins Internat. Für den lästigen und sowieso untreuen Gatten tut es ein schwerer Aschenbecher aus Murano-Glas. Ein Schlag und ein definitives Ende.

Das müssen die Zuhörer im voll besetzten Zehntkeller erst einmal sacken lassen. Auf den Griff zum Weinglas, in dem ein gehaltvoller St. Laurent 2018 dunkelrot schimmert, folgt ein kollektives Anstoßen. Zum dritten Mal veranstaltete die Winzergenossenschaft am Samstag ihre beliebte Reihe "Krimi und Wein" mit musikalischen kriminalistischen und kulinarischen Akzenten. Mit Ingrid Reidel, Gudrun Bendel und Rita Hausen waren drei der "Mörderischen Schwestern" vertreten - einer Vereinigung von Autorinnen und Verlegerinnen, die ihre kriminelle Fantasie glücklicherweise nur auf dem Papier feiern.

Alleine gut, in Kombination noch besser

"Was haben Krimi und Wein miteinander zu tun?", stellte Moderatorin Astrid Spies als Ausgangsfrage in den Raum. Und ließ mit der Antwort nicht lange auf sich warten. Beide können ganz gut für sich alleine stehen, in Kombination machen sie sich noch besser. Mit einem Gläschen Schriesecco rot, dem St. Laurent, den man mutig auch mal leicht gekühlt im Sommer zu Steak und Salat genießen kann, wie Spies erläuterte, einem Pinot Noir rosé oder einem lieblichen Weißherbst für die Süßschnäbel im Keller - die Erzeugnisse der Winzergenossenschaft, ob rot, weiß oder rosé, sind ideale Buchbegleiter. Wer gewitzt ist, stellt sich noch etwas zu essen bereit. Im Zehntkeller stieß der buntgemischte Teller von Viola Kellers Partyservice auf breite Zustimmung. In seiner leckeren Auswahl bot er Erfreuliches für Auge und Gaumen. Den süßen Abschluss lieferte das Café Linde.

Als musikalischer Begleiter präsentierte sich Volker Nau als Mischung aus Sherlock Holmes und "Men in Black" mit Sonnenbrille. Statt deren typisches Utensil - das "Blitzdings" - zu verwenden, spielte Nau lieber auf der Drehorgel Lieder von "Mackie Messer", "Ring of Fire" oder die Filmmelodie der alten schwarz-weiß Streifen mit Dame Margaret Rutherford als Miss Marple.

Literarisch startete die Mannheimerin Gudrun Bendel mit ihrer mörderischen Geschichte um Putzteufel Magdalena. Mit einem Roald Dahl’schen Finale: Das Mordwerkzeug, mit dem die Schwiegermutter auch noch ins Jenseits befördert wird, ist ein gefrorener Gugelhupf, der den ermittelnden Polizisten in aufgetauter Form gut mundet.

Meist sind es zwar Frauen, die bei den "Mörderischen Schwestern" zweibeinige Ärgernisse kreativ beseitigen, doch Ingrid Reidels Protagonist ist Peter. Im Blut(wurst)rausch muss der Wirt seiner einst so geliebten Odenwald-Gaststätte dran glauben. Und zwar dann, als die traditionsreiche Hausmacher plötzlich nicht mal mehr aus Wurst besteht, sondern in vegetarischer Variante mit Physalis auf den Tisch kommt.

Rita Hausens noch unveröffentlichte Geschichte führt ein Ehepaar in den Urlaub in die Türkei, wo Pfarrfrau Marlene ihren Mann Anton mit einem Sud aus Herbstzeitlosen dem Jenseits anvertraut. Die pensionierte Gymnasiallehrerin Hausen bettet Anton in einen Sarkophag - eine praktische Form der Endlagerung.

"Darauf müssen wir jetzt etwas trinken", meinte Astrid Spies. Schnell und aufmerksam sorgte die Winzergenossenschaft für süffigen Nachschub.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung