03.04.2019

Herkunft, Qualität, Belastung: So steht es um das Schriesheimer Trinkwasser

Beim Vortrag der Grünen klärten Diplom-Geologe Christian Wolf und Manfred Mayer auf

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Warum kommt etwa ein Drittel des Wassers, das Schriesheim vom Verband Lobdengau bezieht, nie in der Stadt an? Diese Frage stellte Diplom-Geologe Christian Wolf beim Vortragsabend im Goldenen Hirsch in den Raum, wusste aber keine Antwort. Er wollte lediglich zum Nachdenken anregen: "Das Phänomen ist bekannt, man müsste ihm nun endlich mal auf den Grund gehen." Denn Thema waren das Trinkwasser, dessen Herkunft, Qualität, Zusammensetzung und damit verbundene gesundheitlichen Aspekte.

Im zweiten Teil des Abends sprach der Umweltmediziner Manfred Mayer unter anderem über die Nitrat-Belastung von Trinkwasser. Der geltende Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter sei zumindest für Säuglinge bedenklich, was wiederum damit zu tun habe, dass sie im Alter von bis zu sechs Monaten noch wenig Magensäure produzieren. Und diese spielt wiederum bei der Umwandlung von Nitrat in das gesundheitsgefährdende Nitrit eine Rolle.

Doch auch Erwachsene haben laut Mayer durch falsche Ernährung gute Chancen, den Körper mehr als nötig mit zum Teil krebserregenden Schadstoffen zu belasten. Der Umweltmediziner erinnerte auch daran, dass nicht nur Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Pflegeheime, sondern auch die Besitzer beziehungsweise Vermieter von Wohnungen alle drei Jahre gesetzlich verpflichtet sind, das Wasser, das aus ihren Leitungen fließt, untersuchen zu lassen.

Dabei geht es vor allem darum, die Legionellen-Gefahr in den Griff zu bekommen. Diese Bakterien vermehren sich bei einer Wassertemperatur zwischen 23 und 55 Grad schlagartig und sind Auslöser einer schweren Infektionskrankheit, die bei alten oder geschwächten Menschen tödlich enden kann.

Verbessern Aktivkohlefilter die Wasserqualität? Laut Mayer werden mit solchen Geräten nur Schwermetalle entfernt, nicht aber Nitrat oder Nitrit. Er ergänzte, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie DDT oder E605 in der Landwirtschaft seit Jahrzehnten zwar verboten sei, erinnerte aber daran, dass sich solche Gifte immer noch im Grundwasser befinden.

Dennoch: Die deutsche Trinkwasserverordnung ist die wohl strengste überhaupt, weshalb das Wasser aus dem Hahn als das am besten kontrollierte Lebensmittel gilt. Wie Schriesheim mit Trinkwasser versorgt wird, schilderte Wolf im Detail. Demnach liefern mehrere Quellen weiches Wasser, auf Dauer ist auf deren Schüttung jedoch kein Verlass. Außer vom Lobdengau-Verband in Ladenburg wird Wasser vom Eichelberg-Verband in Laudenbach dazugekauft.

Interessant waren auch seine Ausführungen über das Trinkwasser weltweit. Demnach sind zwar zwei Drittel der Erde mit Wasser bedeckt, doch davon sind nur 0,3 Prozent trinkbar. Über zwei Milliarden Menschen haben laut Wolf überhaupt keinen Zugang zu sauberem Wasser. "In den 1980er-Jahren war das Trinkwasser ja ein großes kommunalpolitisches Thema. Damals forderte die Grüne Liste, am Stadtbrunnen einen Quellwasser-Zapfhahn zu installieren. Wir fanden das damals klasse, und es ist eigentlich immer noch eine gute Idee."

Er erinnerte auch nochmals an das "blaue Wasser", das vor einigen Wochen in Heidelberg und Umgebung für Katastrophenalarm sorgte. Letztendlich war dann alles halb so schlimm und ein hoher, aber für die Gesundheit völlig ungefährlicher Kalkanteil Grund für die Verfärbung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung