09.04.2019

Strukturreform "Pastoral 2030": "Was wird aus uns?", fragen Schriesheimer Katholiken

Strukturreform "Pastoral 2030": "Was wird aus uns?", fragen Schriesheimer KatholikenEin Pfarrer für 40.000 Gläubige? - Diskussion in der Pfarrkirche

Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Detlev Aurand, berichtete. Foto: Peter Dorn

Von Diana Deutsch

Schriesheim. Die Meldung kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Die 224 katholischen Seelsorgeeinheiten im Erzbistum Freiburg werden bis zum Jahr 2030 zu 40 Großpfarreien zusammengefasst. Ein Pfarrer für 40.000 Gläubige. Schockstarre in den Gemeinden vor Ort. Erst jetzt, fast ein Vierteljahr nachdem Erzbischof Stefan Burger seine Pläne für die "Pastoral 2030" vorgestellt hat, beginnt langsam die Diskussion darüber, wie das katholische Leben künftig wohl aussehen wird. Den Anfang machte Schriesheim. Detlev Aurand, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, hatte zu einer Gemeindeversammlung in die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt geladen. Einziger Tagesordnungspunkt: Was wird aus uns?

8200 Gläubige zählt die katholische Kirchengemeinde Schriesheim-Dossenheim, zu der auch Altenbach gehört. 2003 wurden die Bergstraßengemeinden zu einer Seelsorgeeinheit zusammengefasst. 2014 fusionierte man endgültig. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, was Schriesheimer und Dossenheimer verband. Dazu sind die beiden Gemeinden zu unterschiedlich.

Man hat sich in harter Arbeit zusammengerauft. Dass das alles umsonst gewesen sein soll, tut sehr weh. Kein Wunder, dass etliche Gemeindemitglieder bei der Versammlung ihrer Enttäuschung Luft machten. Freiburg solle endlich Frauen im Priesteramt zulassen, wurde gefordert. Und der Pflichtzölibat gehöre auch abgeschafft. Doch das sind langfristige Veränderungen. An der akuten Misere ändern sie nichts.

Die Zahl der Gläubigen geht beständig zurück, ebenso wie der Gottesdienstbesuch. In Schriesheim liegt er nur mehr bei fünf Prozent. Die Seelsorger werden ebenfalls weniger. "1091 Gemeinde- und Pastoralreferenten haben wir heute", wusste Detlev Aurand. "2030 werden es wahrscheinlich nur noch etwa 600 sein." Bei den Priestern sehe die Prognose noch verheerender aus. "2030 sind 68 Prozent der Priester älter als 60 Jahre." Da die Einnahmen aus der Kirchensteuer ebenfalls einbrechen, muss bald auch der Gebäudebestand reduziert werden.

In Schriesheim geht man davon aus, dass das Dekanat Heidelberg-Weinheim spätestens 2025 aufgelöst wird. Der Hauptort für die neue große "Pfarrei Bergstraße" mit rund 40.000 Gläubigen wird vermutlich Weinheim sein. Hier wird wohl auch das "Pastorale Zentrum" angesiedelt, in dem alle Seelsorger verlässlich erreichbar sind. Schriesheim ist dann nur noch Filiale.

"Wie das alles konkret aussehen soll, weiß derzeit noch niemand", sagte Aurand. "Freiburg lässt viel Spielraum für Ideen." Schon bald soll es moderierte Gesprächsrunden überall im Erzbistum geben. Welche Gemeinden schließen sich zu welcher Großpfarrei zusammen? Wie groß wird der Pfarrgemeinderat? Wie groß der Stiftungsrat? Was geschieht mit dem Vermögen der Gemeinden? Welche Seelsorger sind wofür zuständig? Was wird aus den Gemeindeteams? Wird es Zentralkirchen geben? Und wenn ja, wo? Im Herbst 2020 müssen alle Vorschläge und Wünsche in Freiburg auf dem Tisch liegen. Ende 2020 werden die pastoralen Räume endgültig festgelegt. Bis 2025 sollen die 40 neuen, großen Pfarreien eingerichtet sein.

Die drängende Schriesheimer Frage "Was wird aus uns?" wird Freiburg allerdings nie beantworten. Die Zeiten sind endgültig vorbei. "Wenn wir wollen, dass unsere Gemeinde lebt, müssen wir die Sache selbst in die Hand nehmen", resümierte Michaela Marcolini, die stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende. "Lasst uns frecher werden, dann kommen auch die Jungen wieder."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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