25.04.2019

Kommunalwahl Schriesheim: Das sagen die beiden CDU-Kandidaten, die 48 Jahre trennen

Karl Reidinger (68) und Lukas Schmidt (20) im RNZ-Interview - Trotz des Altersunterschieds haben sie vieles gemeinsam - "Viele Tipps brauchen die Jungen nicht"

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Ein 20-Jähriger, der regelmäßig Protokolle von Gemeinderatssitzungen liest, und ein 68-Jähriger, der erst seit einem Monat WhatsApp nutzt: Lukas Schmidt und Karl Reidinger trennen 48 Jahre, beide wollen am 26. Mai bei der Kommunalwahl Stimmen für die CDU holen. Warum sie sich dazu entschieden haben, erklären sie im RNZ-Gespräch.

Herr Reidinger, wann waren Sie zum letzten Mal froh, Stadtrat zu sein?
Reidinger: Als es um die Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums ging. Da haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt, und ich habe bei der Entscheidung gemerkt, dass meine Stimme wertvoll ist.

Wie haben Ihre Freunde reagiert, als sie erfahren haben, dass Sie bei der Kommunalwahl kandidieren, Herr Schmidt?
Schmidt: "War ja klar, dass Du das machst." Meine Freunde wissen, dass ich mich für Kommunalpolitik interessiere. Wahrscheinlich bin ich einer der Wenigen, die sich die Protokolle der Gemeinderatssitzungen durchlesen (lacht).

Warum haben Sie sich beide dafür entschieden, für die CDU anzutreten?
Reidinger: Weil das Wahlprogramm meinen Werten am ehesten entspricht. Deshalb war das für mich klar. Mein Vater saß in Altenbach schon für die Christliche Wählervereinigung im Gemeinderat, als es noch eine eigenständige Kommune war. Emil Jörder, der ehemalige Ortsvorsteher, hat mich dann gefragt, ob ich nicht kandidieren möchte. Beim zweiten Mal bin ich den Ortschaftsrat gewählt worden - und sitze jetzt seit 2008 im Gemeinderat.
Schmidt: Die Partei entspricht mir. Und ich glaube, dass sie am ehesten die Probleme der nächsten Jahre lösen kann.

Zwischen Ihnen liegt ein Altersunterschied von 48 Jahren. Gibt es Themen, die der jeweils andere besser versteht?
Reidinger: Das würde ich nicht behaupten. Ich kann aber meine Erfahrung einbringen und ein wenig Geduld anmahnen, er als junger Mann ist da vielleicht ein bisschen impulsiver. Aber ich habe selbst drei Kinder, daher habe ich keine Probleme, mit Jugendlichen zu arbeiten.
Schmidt: Die Erfahrung der Älteren ist für uns Junge auch wichtig. Um die Zukunft besser gestalten zu können, muss man sich auch mit dem Vergangenen befassen.

Das soziale Umfeld ist in Ihren Generationen aber sehr verschieden. Gehen Sie den Wahlkampf unterschiedlich an?
Reidinger: Ich halte einen gewissen Abstand zu sozialen Medien, weil ich da Bedenken beim Datenschutz habe - obwohl ich mittlerweile immerhin WhatsApp nutze und da auch eifrig mit den anderen Kandidaten korrespondiere. Zum Beispiel für diesen Interview-Termin (lacht). Aber im Wahlkampf suche ich das persönliche Gespräch. Wenn ich die Leute auf der Straße oder bei der Singstunde sehe, spreche ich sie an.
Schmidt: Ich bin zwar auf Facebook vertreten, aber bin dort nicht sonderlich aktiv. Wenn man mit den Leuten redet, erfährt man am besten, was sie bewegt.

Die CDU befürwortet die KGS-Sanierung, Sie, Herr Schmidt, wollen auf eine zukunftsfähige Finanzlage der Stadt achten. Gibt es Wahlkampf-Themen, bei denen Sie sich uneinig sind?
Schmidt: Ich war selbst Schüler am Kurpfalz-Gymnasium. Spätestens wenn das Wasser durch die Decke kommt oder die Chemie-Säle ein Jahr lang nicht genutzt werden können, weiß man, dass da etwas nicht stimmt. Mit dem Bundeszuschuss ist eine Sanierung bei dieser Haushaltslage tatsächlich möglich. Das ist eine wichtige Investition in die Schulstadt Schriesheim.

Welche Schulnote würden Sie der Stadt aus der Sicht Ihrer Generation geben?
Reidinger: Da kann ich eine Zwei geben, vor allem mit Blick auf die Wohnqualität. Was die Infrastruktur angeht, ist Schriesheim gut aufgestellt. Es gibt ein reges Vereinsleben, auch wenn in der Zusammenarbeit nachjustiert werden muss.
Schmidt: Ich würde eine 2,5 geben, auch weil ich mich dafür interessiere, was hinter den Kulissen passiert. Mit dem einen oder anderen Anliegen habe mich schon an die Verwaltung gewandt. Wenn man dann keine Antwort bekommt, ist das schon frustrierend. Ein Problem ist auch der Mangel an Baugrundstücken.
Reidinger: Es ist ja ein neues Baugebiet im Gespräch. Aber da finde ich das Rumgeeiere mancher Fraktionen im Rat nicht gut. Da muss man Farbe bekennen.

Was sollte in der Kommunalpolitik so schnell wie möglich geändert werden?
Reidinger: Das Neubaugebiet Süd auszuweisen, wäre für mich das Wichtigste.
Schmidt: Es ist ja kein riesiges Gebiet, aber es ist besser als nichts. Deshalb würde ich mir wünschen, dass dort ein Neubaugebiet wächst, das vor allem für junge Familien attraktiv ist. Wenn die sich in umliegenden Gemeinden ein Zuhause suchen, kommen sie so schnell nicht wieder.
Reidinger: Wenn ich einen zweiten Wunsch frei hätte, würde ich den Feuerwehren in Schriesheim und Altenbach ausreichend Platz schaffen.

Am Wochenende stellt die CDU ihre Kandidaten vor. Welchen Tipp würden Sie, Herr Reidinger, den Jüngeren auf der Liste geben?
Reidinger: Viele Tipps brauchen die Jungen nicht. Wenn sie einen Wunsch haben, unterstütze ich sie gern und beteilige mich. Da wünsche ich mir einfach eine gute Zusammenarbeit.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung