26.04.2019

So rüstet sich die Feuerwehr für die steigende Waldbrandgefahr

So rüstet sich die Feuerwehr für die steigende Waldbrandgefahr

Schon eine Glasscherbe genügt - Für Verursacher können Einsätze teuer werden

Schriesheim umfasst 1800 Hektar Waldfläche, bei Trockenheit kann die Gefahr von Flächenbränden schnell steigen. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Der April ist noch nicht vorbei, schon hat Schriesheim eine erste Phase mit der zweithöchsten Waldbrandgefahr hinter sich. Wegen des Klimawandels rüstet sich die Feuerwehr für weitere Trockenphasen und mahnt zu aufmerksamem Verhalten: Schon eine Glasscherbe kann einen Flächenbrand auslösen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie hoch ist die Waldbrandgefahr in Schriesheim? Bis einschließlich Mittwoch galt für Schriesheim laut Deutschem Wetterdienst (DWD) die zweithöchste Gefahrenstufe (vier von fünf). Das Maximum wird in Schriesheim auch wegen des Mischwalds selten erreicht, der nicht so leicht entzündlich ist wie reine Tannenwälder. Durch die Regenfälle in den kommenden Tagen ist vorerst mit einer Entspannung zu rechnen. "Die Gefahr kann aber schnell wieder steigen", sagt dazu Feuerwehr-Kommandant Oliver Scherer.

Was ist mit Ackerflächen? Der sogenannte Graslandfeuerindex ist von Stufe vier (Mittwoch) ebenfalls auf Stufe eins gesunken. Welche Folgen ein Flächenbrand auf diesem Gelände haben kann, zeigte ein Feuer im Juli 2018: Nahe dem Autobahnzubringer brannte ein Stoppelfeld auf etwa 15.000 Quadratmetern. "Das war einer der größten Flächenbrände der vergangenen zehn Jahre", sagt Scherer. Die Ursache ist bis heute unklar.

Wie können solche Brände vermieden werden? Wer im Wald unterwegs ist, sollte vor allem aufmerksam sein. Schon eine weggeworfene Zigarette oder eine Glasscherbe reichen bei entsprechender Trockenheit aus, um einen Brand zu entfachen. Auch Autos, die auf Grasflächen geparkt werden, sind durch die Hitze an Katalysatoren ein Risiko. Wer auf seinem eigenen Grundstück ein Feuer entzündet, sollte es immer im Blick haben.

Was ist im Wald gesetzlich verboten? Das Grillen und offene Feuer sind im Schriesheimer Wald grundsätzlich nicht erlaubt. Für ausgewiesene Stellen gilt zwar eine Ausnahme, "die haben wir auf Schriesheimer Gemarkung aber nicht", sagt Scherer. Trotzdem musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr teilweise mehrmals am Tag ausrücken, um in den Weinbergen und im Steinbruch illegale Feuer zu löschen. Offene Feuer außerhalb des Waldes müssen 100 Meter von dessen Grenze entfernt sein. Vom 1. März bis 31. Oktober ist im Wald auch das Rauchen verboten.

Welche Konsequenzen haben Verstöße? "Das kommt darauf an, ob jemand im rechtlichen Sinne fahrlässig, grob fahrlässig oder vorsätzlich handelt", sagt Scherer. Grundsätzlich gilt dabei aber: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Wer ein Feuer im Steinbruch entzündet, kann also mindestens damit rechnen, dass ihm die Einsatzkosten der Feuerwehr in Rechnung gestellt werden. Darüber entscheidet das Ordnungsamt der Stadt. Dazu können Geldstrafen kommen, in extremen Fällen - vor allem, wenn Menschen zu Schaden kommen - auch Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren.

Wie sieht es bei Nutzfeuern aus? Nutzfeuer müssen beim Ordnungsamt angemeldet werden, das die Information dann an die Feuerwehr weitergibt. In Fällen extremer Trockenheit wie im vergangenen Jahr können Nutzfeuer zeitweise auch untersagt werden.

Was kann ich tun, wenn ich einen Brand im Wald entdecke? In jedem Fall sofort über 112 einen Notruf absetzen. "Wir fahren lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig", sagt Scherer. Falls Sie sich nicht selbst dabei in Gefahr begeben, können Sie versuchen, den Brand zu löschen.

Wie bereitet sich die Feuerwehr auf Waldbrände vor? Mit regelmäßigen Übungen, Waldfahrten zur besseren Orientierung, taktischen Schulungen und neuem Equipment. "Eine Schwierigkeit ist die Erreichbarkeit", sagt Scherer. "Außerdem üben wir den Wassertransport über längere Strecken." Die Stadt hat auf Wunsch der Feuerwehr in zwei Löschrucksäcke investiert. Die Einsatzkräfte nutzen zudem auf Anregung der Feuerwehr in der Partnerstadt Uzès kleinere Schläuche zum Löschen im Wald.

Nimmt die Gefahr von Waldbränden zu? Ja und nein. "Das war in Schriesheim mit 1800 Hektar Wald immer ein Thema", sagt Scherer, "und wir rechnen damit, dass die Gefahr durch den Klimawandel zunimmt." Früher sei es jedoch häufiger zu Bränden im Wald gekommen, "weil jeder damals seine Flächen noch selbst bewirtschaftet und dann auch mal Feuer gemacht hat", so Scherer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung