03.05.2019

Vereint mit Uzès in Freud, Leid und Zuneigung

Vereint mit Uzès in Freud, Leid und Zuneigung

Mit einem Festakt feierten Schriesheim und Uzès 35 Jahre Städtepartnerschaft - Delegation brachte Ton-Hühner als Gastgeschenk

"Wer kann nicht glücklich sein, wenn er in Schriesheim ankommt?", fragte Uzès’ Bürgermeister Jean-Luc Chapon (2.v.l.), hier mit (v.l.) Gattin Noelle, Hansjörg Höfer, Martha Krebs, Maria Weber, Claudia Ebert sowie Gérard und Monique Bonneau. Foto: Dorn

Von Günther Grosch

Schriesheim. Es sind die vielen "Kleinigkeiten am Rande", die ein umso beredteres Zeugnis für die in 35 Jahren gewachsene tiefe gegenseitige Zuneigung und Freundschaft ablegen. So auch am Dienstagabend, als Schriesheim und das im Languedoc gelegene rund 8600 Seelen zählende Uzès im historischen Zehntkeller der Weinstadt ihre vor dreieinhalb Jahrzehnten geschlossene Städtepartnerschaft aufs Neue besiegelten.

Da redete Bürgermeister Hansjörg Höfer seinen französisches Amtskollegen Jean-Luc Chapon mit "Monseigneur" ("Eure Eminenz") an, während der seit dreieinhalb Jahrzehnten an der Spitze des südfranzösischen Städtchens stehende "Maire" mit einem meiner "wenigen deutschen Wörter, die mir einfallen, wenn ich in Schriesheim bin", seinen Gemütszustand beschrieb: "Glücklich! Wer kann nicht glücklich sein, wenn er in Schriesheim ankommt?"

Seit 35 Jahren sehe man die beiden Städte wachsen und habe dabei sowohl gegenseitige Freude als auch Leid miteinander geteilt, erinnerte Chapon an die "Väter der Partnerschaft", Peter Riehl und Horst Schütze, "die damals plötzlich in meinem Büro standen". Zweifellos ein Glücksfall, wie sich schnell herausstellte. "Riehl und Schütze haben Uzès entdeckt und es den Schriesheimern nahegebracht."

Gegenwärtig herrschten auch in Uzès unruhige Zeiten, spielte Chapon auf die Proteste der "Gelbwesten" an, die neben den Straßen auch die vielen "Kreisel" blockierten. Er hoffe, dass dies in Schriesheim nie der Fall sein werde, so Chapon in Anspielung auf den tags zuvor in Schriesheim eingeweihten "Uzès-Kreisel" (siehe weiteren Artikel).

Auch noch eine weitere Bemerkung mochte sich der 77-Jährige, der seit 37 Jahren an der Spitze von Uzès steht, nicht verkneifen: "Wenn die Opposition wissen will, wie lange ich noch vorhabe, Bürgermeister zu bleiben, beruhige ich sie mit der Tatsache, dass meine Mutter 105 Jahre alt wurde."

Die Partnerschaft mit Uzès gehöre seit mehr als einer Generation zum festen Bestandteil des Schriesheimer Lebens, so Hansjörg Höfer. Eine mit anderen Jubiläen vergleichsweise kurze Zeitspanne. Dennoch sei die Partnerschaft so fest verwurzelt, dass sie nicht wieder wegzudenken sei: "Aus vielen persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen im Rahmen der Partnerschaft ist eine echte Freundschaft geworden." Lob und Anerkennung zollte Höfer dem Partnerschaftsverein mit seiner Vorsitzenden Claudia Ebert an der Spitze. Durch regelmäßige Fahrten nach Uzès sowie Veranstaltungen und Aktionen das ganze Jahr über verstehe es der Verein, die Schriesheimer für die südfranzösische Partnerstadt zu begeistern.

Angesichts der bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament verwies Höfer auf deren Wichtigkeit, um das "Friedensprojekt Europäische Union" auch in Zukunft zu sichern. Europa sei zu einem gemeinsamen Dach geworden, unter dem dessen Nationen trotz aller Unterschiede lebten. Und es sei zu einem Garanten für Wohlstand geworden. Insbesondere für junge Menschen müsse Europa zu einem Lebensgefühl werden, so Höfers Appell: "Umso mehr in Zeiten eines aufkeimenden Populismus dürfen wir nicht müde werden, für unser gemeinsames Europa zu kämpfen."

Weit zurück in die Historie blätterte Claudia Ebert. Sie erinnerte an die erste Partnerschaft einer deutschen Stadt aus dem Jahr 1925 zwischen Kiel und Sonderburg in Dänemark. Noch weiter zurück bis ins Jahr 836 reicht die kirchliche Partnerschaft zwischen Paderborn und Le Mans, die 1967 auch "weltlich" bestätigt wurde. Derzeit stehen mehr als 2200 deutsch-französische Partnerschaften als Bausteine und "A und O einer lebendigen Beziehung" auf einem festen "Fundament der Freundschaft".

In diesem Sinne schloss sich Ebert den Worten der französischen Botschafterin in Deutschland, Anne-Marie Descôtes, an, die vor kurzem in der Alten Aula der Universität Heidelberg die Idee eines geeinten Europas als die "vielleicht schönste Utopie unserer Zeit" bezeichnet hatte. Gérard Bonneau, "Président Comité de Jumelage", lobte die Reihe der Partnerschaftsvereins-Vorsitzenden auf deutscher Seite, die Horst Schütze nachfolgten: Lothar Treibert, Irene Cuny, Volker Arras, Bernhard Schneider und Claudia Ebert.

"Ein Likörchen fürs Frauenchörchen" - umrahmt von musikalischen Beiträgen des "Liederkranz"-Frauenchors unter der Leitung von Thorsten Gedak sowie Beiträgen der "Heidelberg JazzMen" durften die obligatorischen Gastgeschenke nicht fehlen: Liebevoll aus Ton gebrannte und glasierte "Uzès-Hühner", die das Kunsthandwerk der Region symbolisieren und nun im Schriesheimer Rathaus einen Ehrenplatz finden.

Vorfreude herrscht darüber hinaus schon jetzt bei Weinkönigin Annalena Spieß und ihren Prinzessinnen. Sie sind mit dabei, wenn es vom 21. bis 25. August zum Geburtstags-Gegenbesuch nach Südfrankreich geht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung