24.05.2019

Rote Ampel wird zum Politikum

Defekte Anlage löst Debatte über 24-Stunden-Bereitschaftsdienst der Straßenmeistereien im Rhein-Neckar-Kreis aus

Von Stefan Hagen

Schriesheim/Rhein-Neckar. Die Ampel an der Einmündung der Talstraße in die Landstraße sorgt in der Weinstadt Schriesheim weiter für Aufregung. Die defekte Anlage hat mittlerweile sogar für "atmosphärische Störungen" zwischen Feuerwehr, Polizei und dem Straßenbauamt des Rhein-Neckar-Kreises gesorgt und eine Diskussion über eine 24-Stunden-Bereitschaft der Straßenmeistereien ausgelöst.

Um was geht es? In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte die Ampel kein Farbenspiel mehr gezeigt, sondern auf "Dauer-Rot" geschaltet - eigentlich ein Alltagsproblem. Doch dann nahm das Verhängnis seinen Lauf. Die Polizei bat die Schriesheimer Feuerwehr um Amtshilfe, die Wehr musste also "wegen einer roten Ampel" ausrücken. Was Kommandant Oliver Scherer derart auf die Palme brachte, dass er sich beim Landratsamt offiziell beschwerte.

Eine defekte Ampelanlage sei definitiv kein Fall für die Feuerwehr, wetterte der Kommandant. Dass man trotzdem alarmiert worden sei, liege daran, dass sich der Rhein-Neckar-Kreis offenbar keinen nächtlichen Bereitschaftsdienst bei der Straßenmeisterei mehr leisten wolle, konnte er sich eine Spitze gegen das Landratsamt nicht verkneifen.

Dort reichte man in Person von Matthias Knörzer, Betriebsdienstleiter der Straßenmeistereien im Rhein-Neckar-Kreis, den Schwarzen Peter flugs an die Polizei weiter. Warum die Feuerwehr gerufen wurde, könne er nicht nachvollziehen, ergriff Knörzer Partei für die Floriansjünger.

Schließlich habe die Polizei Zugriff auf die Ampeln. Dafür gebe es spezielle Schlüssel, erläuterte der Betriebsleiter. Zur Gefahrenabwehr hätte die Polizei die Ampel ausschalten können. Eine Aussage, die wiederum beim Polizeipräsidium Mannheim den Adrenalinspiegel steigen ließ. Man habe keinen Zugriff auf die Ampelanlagen, sah Polizeisprecher Norbert Schätzle das Präsidium zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Eine Aussage, die Stefan Hildebrandt, Chef des Straßenbauamtes des Rhein-Neckar-Kreises, umgehend korrigiert. Es seien vor vielen Jahren mehrere Sätze von Generalschlüsseln für die Ampelanlagen an die Polizei verteilt worden. Wo diese jetzt seien, entziehe sich allerdings seiner Kenntnis.

Er wisse aber mit Bestimmtheit, dass im Polizeiposten Schriesheim der Schlüssel für die besagte Ampelanlage hänge. Dies habe man mittlerweile überprüft. "Das ist richtig", gibt Polizeisprecher Schätzle ohne Umschweife zu. Es habe sich später herausgestellt, dass es doch solche Schlüssel gebe. Allerdings habe man nicht gewusst, dass der Schlüssel für die Ampel Zentgrafenstraße/B 3 (eine weitere Lichtzeichenanlage in Schriesheim, Anmerkung der Redaktion), den man für die Schaltung anlässlich des Mathaisemarktes genutzt habe, ein Generalschlüssel sei.

Dies habe sich erst bei einer Probe am Schaltkasten der Problemampel herausgestellt. Doch im Inneren des Kastens sei man dann sofort auf das nächste Problem gestoßen, fährt Schätzle fort. Vereinfacht ausgedrückt, habe der Knopf, mit dem die Polizei die Anlage ausschalten kann, nicht funktioniert. Die Ampel sei bei einem Versuch am vergangenen Dienstag nicht ausgegangen. Also ein technisches Problem und damit nicht mehr Sache der Polizei. Überhaupt sei die Ampel in den vergangenen Tagen mehrmals ausgefallen, immer wieder hätten Kollegen vor Ort den Verkehr regeln müssen.

Die Wartungsfirma sei dran, sagt Stefan Hildebrandt. Er räumt ein, dass es nach wie vor Probleme mit der Software der Ampelanlage gebe. Man arbeite fieberhaft an einer Lösung.

Aber selbst wenn diese zeitnah gefunden werden sollte, bleibt immer noch die Frage nach einer 24-Stunden-Bereitschaft der Straßenmeistereien, die Feuerwehrkommandant Scherer "durch die Blume" gefordert hatte. "Im Sommer haben wir in der Nacht keine Rufbereitschaft", hatte Betriebsdienstleiter Knörzer beim ersten Auftreten der Probleme erläutert. Dies sei für diesen Zeitraum gesetzlich auch nicht vorgesehen. Eine solche Bereitschaft gebe es nur in den Wintermonaten. Mit einer Ausnahme: Für die Straßentunnel im Rhein-Neckar-Kreis gilt 365 Tage im Jahr eine 24-Stunden-Bereitschaft.

Man stelle Überlegungen an, wie man die Sache optimieren könne, will sich Straßenbauamts-Chef Hildebrandt nicht auf einen generellen Bereitschaftsdienst festnageln lassen - erteilt aber auch keine Absage. Das Ganze wäre allerdings mit einem hohen Personalaufwand verbunden, schließlich sei der Rhein-Neckar-Kreis auch flächenmäßig ein großer Landkreis. Und wie sieht die Polizei die Angelegenheit? Im Hinblick auf eine 24-Stunden-Bereitschaft stehe man schon seit längerer Zeit im Dialog mit dem Straßenbauamt, gibt sich Polizeisprecher Schätzle zugeknöpft. Man versuche, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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