25.05.2019

Feuerwehr Schriesheim: Weil graue Theorie nicht reicht

Feuerwehr Schriesheim: Weil graue Theorie nicht reichtFeuerwehr trainierte bei Waldübung das Löschen von Flächenbränden in schwierigem Terrain

Vor allem der Transport des Löschwassers vom Rückhaltebecken kann bei Waldbränden zu Komplikationen führen. Foto: Dorn

Von Marco Partner

Schriesheim. Sonntagmorgen, kurz nach 8 Uhr, im Schriesheimer Wald: Rauchschwaden steigen zwischen den Bäumen empor. "Haben Sie angerufen?", fragt Einsatzleiter Mike Markmann einen Passanten, der beim morgendlichen Spaziergang Böses ahnt - und die Feuerwehr alarmiert. Der Einsatzleiter checkt die Lage: Wie weit ist das Bodenfeuer schon ausgebrochen, wie kann man es einzäunen, aus welcher Richtung weht der Wind?

Im Minutentakt eilen Brandschützer herbei. Ausgestattet mit weißen Helmen und schwerer Schutzkleidung. Schläuche werden ausgerollt, Flanken gebildet, um der Notsituation und den Flammen unweit des Rückhaltebeckens Herr zu werden.

Es ist die Probe für den Ernstfall und nur ein fiktives Szenario, das sich am Sonntagmorgen abspielt. Tatsächlich steigen keine Rauch-, sondern lediglich Nebelschwaden aus dem grünen Dickicht empor. Aber es ist eine Notsituation, die wegen der Dürreperioden und Trockenheit im vergangenen Sommer nicht unrealistisch klingt. "Es war der Wunsch der gesamten Mannschaft, und es ist mehr als eine Pflichtübung", betont Kommandant Oliver Scherer. Der letzte, tatsächliche Waldbrand liege zwar Jahrzehnte zurück. "Es gab in den 50er Jahren mal einen Brand, der sich vom Hotel Scheid bis zum Waldschwimmbad zog", erinnert er sich. Und doch muss man in Zeiten des Klimawandels für die Ausnahme gewappnet sein.

In den vergangenen Jahren hat man bereits Seminare und Lehrgänge zum Thema Waldbrand besucht. Und doch ist die praktische Vor-Ort-Übung etwas anderes als graue Theorie. "In einem solchen Fall wird die Gesamtwehr alarmiert, es bedarf viel Personal und Manpower", erklärt Scherer Bürgermeister Hansjörg Höfer und einigen Gemeinderatsmitgliedern, die ebenfalls zur frühen Stunde im Wald erscheinen. "Im Vergleich zu Brandenburg oder Südeuropa haben wir es noch gut, denn wir haben einen Mischwald. Ein reiner Tannenwald hingegen brennt wie Zunder", sagt der Kommandant, während die Truppe im Einsatz ist.

Leitern werden herbeigeschleppt, Löschrucksäcke mit Kolbenhubpumpen aufgesetzt und eine Wasserversorgung aufgebaut. Auch Hans Beckenbach kämpft sich durch ein Gestrüpp voller Brennnesseln, zum Glück mit dicken Handschuhen ausgestattet. Insgesamt verteilt sich eine 2300 Meter lange Schlauchleitung durch das uneinsichtige und unebene Terrain. Im Wald verstreut gibt es zwar insgesamt drei Hydranten, doch es ist unwahrscheinlich, dass ausgerechnet dort ein Feuer ausbricht. Dann heißt es: Wasser marsch! Von allen Seiten.

"Das ist ein Flankenangriff, das Feuer wird dadurch eingekesselt", betont Scherer. Auch ein fast vergessenes Utensil kommt dabei zum Einsatz: die sogenannte "Feuerpatsche" - ein Stab mit einem Metallfächer, mit dem der Bereich abgeklopft wird. Im Nachgang muss die gesamte Fläche abgelöscht werden, damit nicht irgendwo doch noch ein Brandherd schwelt.

Bei der Einsatzleitung wird derweil das Einsatzgebiet auf einer Magnettafel nachgebildet. Wo befindet man sich genau, wie müssen sich Fahrzeuge und Personal platzieren? "Hier laufen die Fäden zusammen", erläutert Scherer. Auch eine Waldkarte gibt es, auf der alle Wege eingezeichnet und mit Namen versehen sind. Die Brandschützer sind im Ernstfall also gut vorbereitet. "In der Hoffnung, dass es nicht passiert", ergänzt der Kommandant.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung