06.06.2019

Schriesheimer Krebshilfegruppe: "Wir können jetzt nicht einfach aufhören"

Tatjana Radetzky und Markus Keck haben die Initiative "Ein Kiwi gegen Krebs" gegründet - Von deren Erfolg waren sie selbst überrascht

"Es ist Wahnsinn, was in dieser Zeit passiert ist", sagen Tatjana Radetzky (37) und Markus Keck (40) über die Erlebnisse seit der Gründung von "Ein Kiwi gegen Krebs". Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Die Diagnose Krebs traf Tatjana Radetzkys Sohn und Markus Kecks Mutter am gleichen Tag. Abwarten wollten die beiden Geschäftsführer einer Schriesheimer Werbeagentur nicht, stattdessen nahmen sie mit "Ein Kiwi gegen Krebs" den Kampf auf. Nach eineinhalb Jahren, zwei völlig unterschiedlichen Krankheitsverläufen und vielen Spendenaktionen für das Hopp Kindertumorzentrum (KiTZ) in Heidelberg sprechen sie im RNZ-Interview über Erfolge, Rückschläge und die Luftballonaktion am Samstag.

Welches Wort beschreibt die vergangenen 17 Monate am besten?
Radetzky: Es ist Wahnsinn, was in dieser Zeit passiert ist.
Keck: Wir haben sehr viel Rückendeckung und Unterstützung bekommen, von Privatpersonen, Geschäften und Unternehmen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass der Verwendungszweck durch die Nähe zu Heidelberg greifbar ist.
Radetzky: Und weil wir den Menschen eine Gelegenheit geben, etwas zu tun. In der Weihnachtszeit haben unglaublich viele Leute eigene Aktionen gestartet. Auch unsere Buttons sind wahre Sammlerobjekte geworden, das war fast ein Hype.

Was war der Anlass für die Initiative?
Radetzky: Markus’ Mutter und mein Sohn haben am gleichen Tag die Krebsdiagnose erhalten. Und es gab keine Therapie. Da haben wir uns gedacht, wir müssen etwas tun. Wir können nicht nur rumsitzen und warten. Den ganzen Tag machen wir Werbung für alles Mögliche - das ist unser Job -, also warum machen wir nicht eine eigene Werbekampagne für das KiTZ?
Keck: Angefangen hat es mit der Idee für eine oder zwei Aktionen. Aber das hat eine gewisse Eigendynamik angenommen, sodass wir aus der Nummer im positiven Sinne nicht mehr rauskamen. (lacht)
Radetzky: Der Plan war: Wir nutzen den Mathaisemarktlauf, um auf uns aufmerksam zu machen, und machen dann zwei Aktionen - die Luftballonaktion und ein Team beim NCT-Lauf. Mehr wollten wir pro Jahr gar nicht machen, aber dann ist das förmlich explodiert.

Gab es auch Zeiten, in denen Sie übers Aufhören nachgedacht haben?
Radetzky: Mein Sohn hatte ein anaplastisches Ependymom (Tumor im zentralen Nervensystem, Anm. d. Red.) und ist daran gestorben. Da habe ich mich kurz gefragt, ob ich weitermachen will. Aber bis heute kann uns niemand sagen, warum er erkrankt ist - oder wie man das therapieren kann. Ich hoffe, irgendwann Antworten zu bekommen.
Keck: Bei meiner Mutter hat die Therapie super angeschlagen. Der Grundgedanke ist aber, zu helfen - unabhängig von den persönlichen Schicksalen.
Radetzky: Wir können jetzt nicht einfach wieder aufhören.

Wie viel Zeit investieren Sie dafür?
Radetzky: Viel. (lacht)
Keck: Das schwankt je nach Jahreszeit und Aktionen, die wir organisieren.
Radetzky: Um die Weihnachtszeit, die Luftballonaktion und den NCT-Lauf ist es schon viel Aufwand. Zwischendrin mussten wir mal die Bremse reinhauen, weil wir ja auch die Agentur weiter leiten müssen.
Keck: Oft geht das im Alltag fließend ineinander über. Aber wir haben alles rechtlich und finanziell klar getrennt, die gemeinnützige Organisation auf der einen und die Agentur auf der anderen Seite.
Radetzky: Ohne die Agentur und unsere Mitarbeiter hätten wir diese Initiative aber so nie starten können.

Waren Sie von der Hilfsbereitschaft in Schriesheim überrascht?
Keck: Die Schriesheimer sind sehr engagiert, über alle Gruppen hinweg.
Radetzky: Das ist schon toll. Wir kommen beide aus der Stadt, und die Menschen wissen, was bei uns passiert ist. Aber man kann unsere Initiative inzwischen bis Landau, Sinsheim und Frankfurt kennen.

Wie viel Geld kam bisher zusammen?
Radetzky: Letztes Jahr waren es 15.000 Euro, nach der Luftballonaktion ist die nächste Spendenübergabe geplant. Das wird sicher mindestens noch mal so viel.

Und wie viele Luftballons sind für Samstag verkauft?
Radetzky: Die 500 Luftballons werden nur symbolisch steigen gelassen, spenden kann man auch ohne den Kauf. Dazu kommen die Erlöse von der Veranstaltung. Auch beim Sponsoring waren die Schriesheimer unglaublich. Viele unterstützen uns mit Sachspenden, als ehrenamtliche Helfer oder tragen Teile des Programms bei.

Wie lang soll der Kiwi noch gegen Krebs kämpfen?
Keck: Das hängt von der Resonanz ab, das muss sich entwickeln.
Radetzky: Wir haben momentan kein Ende geplant, und die Forschung wollen wir auf jeden Fall weiter unterstützen.

Info: Luftballonaktion zum Welthirntumortag am Samstag, 8. Juni, 14 bis 17 Uhr auf dem Sportplatz, unter anderem mit Besuch von "Star Wars"- und Marvel-Helden, Hüpfburg, Torwand, Speisen und Getränken. Mehr Infos unter ein-kiwi-gegen-krebs.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung