27.05.2004

Die Naturfreunde haben Grund zur Freude

Doppeltes Jubiläum in Schriesheim : 50 Jahre "Hütte", 75 Jahre Ortsgruppe: Gefeiert wird am 29. Mai und 19. September

Von Silvia Rothenburger

Schriesheim. In diesem Jahr feiert die Ortsgruppe Schriesheim der Naturfreunde ein Doppeljubiläum. Die Ortsgruppe wird 75 Jahre alt . Gleichzeitig besteht seit 50 Jahren die berühmte "Schriesheimer Hütte" im "Weiten Tal". Ortgruppe und Naturfreundehaus - beides bereichert die Stadt.

Nach dem Festakt im Zehntkeller am Samstag, wird das Bezirkstreffen eine große Veranstaltung: beginnend um 11 Uhr mit einer Waldandacht der Evangelischen Kirchengemeinde (Pfarrer Mößner), bei der die Schriesheimer Gesangsvereine und die Altbläser des Posaunenchors mitwirken. Das Treffen selbst wird von den Schriesheimer Jagdhornbläsern und der Musikgruppe Mannheim - Waldhof umrahmt sowie durch Darbietungen der Kindertanzgruppe der MGV Eintracht.

Der 75. Geburtstag der Naturfreunde wird jetzt am Samstag, 29. Mai im Zehntkeller ab 18 Uhr gefeiert. Gäste sind herzlich willkommen. Am 19. September steht die Feier auf der Mannswiese im Festprogramm.

Die RNZ nimmt das Doppeljubiläum gern zum Anlass, Rückschau zu halten:

75 Jahre Ortsgruppe Schriesheim und ein halbes Jahrhundert "Schriesheimer Hütte" lassen sich nur schwer voneinander trennen , denn die Vereinsgeschichte der Naturfreunde ist fast immer auch mit der Geschichte des Naturfreundehauses "Schriesheimer Hütte" verwoben. So beginnen wir einfach mit dem idyllischen Häuschen draußen auf der Mannswiese und sind schon mitten drin in der Vereinsgeschichte:

Zur Geschichte der Ortsgruppe Schriesheim im März 1929 ein paar Gedächtnisstützen: Als eine kleine Gruppe wanderlustiger Menschen im März 1929 die Naturfreundegruppe Schriesheim gründete ist Initiator und erster Obmann A. Hibeler zu nennen. Erst einmal standen kleinere Wanderungen auf dem Programm, mit steigender Mitgliederzahl wurden diese auch auf weitere Ziele wie Naturfreundehäuser im Schwarzwald und im Pfälzer Wald ausgedehnt.

Bei Geselligekeiten kam bald eine Musikgruppe dazu - dann erfolgte "Tradition heißt nicht Asche zu verwahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten" heißt es bei den NaturFreunden. Die Mitglieder der Schriesheimer Ortsgruppe mussten schon vier Jahre nach ihrer Gründung 1929, mit dem "Verbot der sozialistischen Naturfreundebewegung" durch die Nazis - die Auflösung ihrer Organisation (1933) erleben. Aber sie hielten ihre Idee am Leben. Nur so war es möglich, 1946 die Ortsgruppe wieder zu gründen, ein aktives Ortsgruppenleben zu gestalten. Der Wunsch auf ein eigenes Domizil bestand schon bei der Wiedergründung.

Trotz schwieriger Bedingungen gelang es in Eigenarbeit 1954 die Schriesheimer Hütte zu bauen, eine echte Gründerzeit, "in der harte Arbeitsbedingungen wenig Freizeit ließen", erinnert sich auch Vorsitzende Liselotte Ortmann an die Zeit des Neuanfangs als ein echtes Wagnis.

Das schweißte die Gruppe zusammen. Regelmäßige Tageswanderungen in die nähere und weitere Umgebung, mehrtägige Hochgebirgswanderungen, Wochenendfreizeiten, Wander- und Kulturfahrten waren bald Schwerpunkte des Vereinslebens, die alsbald durch Winterfeier, Hüttenabende als Singabende und Glühwürmschentreff und vieles mehr erweitert wurden.

In den 50 Jahren bereits mauserte sich die "Schriesheimer Hütte" wie sie heute noch immer heißt, zu einem schönen Haus, das Wanderern nicht nur Tagesziel, sondern lange Zeit auch für Übernachtung von Einzelpersonen und Gruppen inmitten der Natur bestens geeignet war. Die gemeinsamen Aufgaben und die Arbeiten am Haus, das nahezu in Eigenarbeit erstellt wurde, sind bis heute ein Bindeglied der Mitglieder geblieben. Nicht von ungefähr wurden viele Ideen nicht nur auf den Monatsversammlungen in der Vereinsgaststätte "Deutscher Kaiser" zum Beschluss, sondern entstanden auf der "Hütte". Deren Baugeschichte auch von der Bevölkerung unterstützt wurde mit dem 25-jährigen Bestehen der Ortsgruppe konnte auch das Naturfreundehaus im Juli 1954 eingeweiht werden.

Den wachsenden Bedürfnissen der steigenden Besucherzahl wurde es immer weiter ausgebaut. "Im November 1967 wurde die Freude über das Geschaffene durch einen gemeinen Brandanschlag getrübt. Mit dem Wiederaufbau entstand ein schöneres und größeres Haus, das 1970 mit einem Bezirkstreffen eröffnet wurde.

"Amis" buddelten mit
Die Außenanlagen wurden verändert, eine amerikanische Pioniereinheit übernahm die großen Erdbewegungen, 1986 wurde die "Hütte" an das Strom und Telefonnetz angeschlossen. Heute sind Übernachtungen leider nicht mehr möglich - aus personellen Gründen. Der Tag- und Nachtdienst ist den Hüttenwarten nicht mehr zuzumuten. Ein Wanderstützpunkt und ein "Ort der Erholung und Idylle" ist die Schriesheimer Hütte aber bis heute geblieben.

INFO: Von April bis Oktober steht das Schriesheimer Natufreundehaus samstags ab 14 Uhr und sonn- und feiertags (außer Karfreitag und Fronleichnam) ab 10 Uhr den Wanderern offen. Zum 1. Mai hat auch die Maifeier der Schriesheimer SPD auf der Mannswiese bereits Tradition. Sie ist neben der Maikundgebung mit den jeweiligen SPD-Referenten stets auch ein großer Familiennachmittag für Jung und Alt mit und ohne Politik.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung